Wenn Mode-Liebe zu Wäsche-Hass wird

WIENERIN-Kolumnistin Katharina Reményi liebt Mode. Und hasst es, wenn Mode zur Wäsche wird: Eine Geschichte über meterhohe Wäscheberge, lästige Wäscheständer und streikende Waschmaschinen.

Es gibt diesen Punkt, wo Mode zu Wäsche wird. Ab diesem Zeitpunkt hätte ich am liebsten gar nichts mehr mit ihr zu tun. Das passiert, wenn der Sessel im Schlafzimmer nicht mehr als solcher erkennbar ist, sondern zum „Fat Chair“ mutiert und ein Kunstwerk von Erwin Wurm sein könnte, weil sich Hosen, Pullis und T-Shirts darauf stapeln. Dann ist es höchste Zeit, den Stapel in Richtung Waschmaschine zu schleppen, weil ich nichts mehr anzuziehen habe. Hier würde ich mir mal eine künstliche Intelligenz wünschen, die checkt, wann sie sich auf den Weg machen sollte, um die Wäsche zu holen. Aber nix, es bleibt immer an mir hängen.

Apropos hängen: Ich hasse es, die Waschmaschine zu füllen, aber ich hasse es noch mehr, diesen kalten, feuchten Klumpen aus der Trommel zu holen und aufzuhängen. Am meisten hasse ich es aber, wenn der Wäscheständer wieder in der Wohnung herumsteht. Ein Teufelskreis: Ich habe keine Lust, die Sachen abzunehmen, zu falten und in den Kasten zurückzuräumen – also zupfe ich nur das, was gebraucht wird, von der Leine, und das landet nach dem Tragen wieder direkt auf dem Sessel. Die freien Stellen am Ständer werden mit Dingen aus der nächsten Maschine aufgefüllt. Also steht der Wäscheständer eigentlich immer im Weg, der Sessel ist immer voll und in der Waschmaschine wartet immer die nächste Ladung aufs Aufhängen. Dauert es zu lange, bis die nasse Wäsche aufgehängt ist, muss ich sie wieder waschen, weil sie komisch riecht. Die B. kann das nicht verstehen – sie liebt es, Wäsche zu waschen. Sie sortiert akribisch nach Farben, die bei 40 oder 60 Grad optimal harmonieren: Koralle wird mit Gelb und Rosa kombiniert, Rot bekommt eine eigene Trommel, Dunkelgrün, Blau und Schwarz dürfen gemeinsam den Rollercoaster mit Schaum genießen.
Die B. kann es auch gar nicht erwarten, die Sachen aufzuhängen (weil sie dann so gut riechen) und die trockene Wäsche wieder an ihren Platz zu räumen (weil sie dann ein Hakerl auf ihrer To-do-Liste machen kann). Mir völlig unverständlich!

Neulich hatte meine Waschmaschine genug von meinen Schimpftiraden und benahm sich französisch: Sie streikte. Also musste ein Techniker her. Der streichelte sie fast zärtlich, und alles war wieder in Ordnung – noch bevor er einen Schraubenzieher ansetzte. Ein Fall von Vorführeffekt, der mich schlappe 135 Euro kostete: 75 Euro Anfahrtsgeld und der Rest für eine halbe Stunde Arbeitszeit. Ich: „Das ist teuer!“ Er: „Das habe ich Ihnen vorher gesagt.“ Ich (grantig): „Sie haben aber keine fünf Minuten gearbeitet.“ Er (cool): „Das ist der Mindestsatz.“ Ich (wütend): „Dann machen Sie doch ein Service.“ Er (schon in Eile): „Das kostet mindestens 250 Euro.“ Ich (lösungsorientiert): „Dann hängen Sie doch wenigstens die Wäsche auf. Das dauert keine zehn Minuten!“ Er? Ging einfach! Ich hasse sie alle.

 

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