"Wenn Männer sagen, dass ihnen die Vaterschaft nicht passt, juckt es niemanden!"

Menerva Hammad hat ihr zweites Buch geschrieben und erinnert schonungslos witzig daran, dass Mütter auch noch Frauen sein dürfen.

"Wenn Männer sagen, dass ihnen die Vaterschaft nicht passt, juckt es niemanden!"

Wie Menerva Hammad selbst lässt sich auch ihr zweites Buch Vom Muttertier zum Wunderweib (­Braumüller, € 22,–) schwer in eine Schublade stecken. "Feministischer Ratgeber!", versucht die Autorin selbst eine Einordnung. Einverstanden!

WIENERIN: Ist das Buch eine Hommage ans Muttersein?

Menerva Hammad: Alles andere als das. Es ist viel mehr eine Erinnerung an Mütter, dass sie vor allem auch noch Frauen sein dürfen, abseits von vollen Windeln und der Verantwortung, die das Mamasein mit sich bringt.

Kannst du verstehen, dass es Frauen gibt, die darauf verzichten?

Mir ist bewusst, dass nicht alle Frauen dasselbe vom Leben wollen, immer­hin sind wir keine homogene Gruppe, schon gar nicht, wenn es um unsere Lebensplanung geht. Was ich eher nicht begreifen kann, sind jene Menschen, die Frauen bei Entscheidungen, die deren Körper und Leben betreffen, nicht unterstützen. Wenn Männer sagen, dass ihnen die Vaterschaft nicht passt, dann juckt es niemanden, bei Frauen scheint das bei manchen eine innere Wut auszulösen.

Was thematisierst du im Buch?

Themen wie den "White Savior Complex", das Aufwachsen als Woman of Color in einem mehrheitlich weißen Land, Depression in der Mutterschaft, tabulose Sexualität. Das Springen von der zynischen Seite der Mutterschaft zur postkolonialistischen Ideologie und wie sie Frauen formt: Darin lag die Schwierigkeit beim Schreiben, weil danach thematisch noch die Selbstliebe gekommen ist, was wieder eine ganz an­dere Stimmung für die Leser­ bringt; aber es ist ein schöner Ausklang.

Wer sind deine Kritiker*innen?

Da gibt es einige. Entweder sind es Muslime, die mich zu westlich finden, oder autochthone Europäer, die mich zu konservativ finden. Für diese beiden Gruppen bin ich eine Heuchlerin – die sind sich normalerweise nie einig, aber darin schon. Die einen wollen nicht, dass ich über weibliche Sexualität spreche – geschweige denn schreibe –, die anderen wollen mir am liebsten den Hijab vom Schädel runterreißen. Für den Rest bin ich eine Heldin, eben weil ich diese Dinge anspreche, die ich anspreche, und der lernt im besten Fall etwas dazu und / oder ist gut unterhalten.

Was ist deine wichtigste Message?

Meine Zielgruppe besteht aus Frauen und Männern, die anhand von gesellschaftskritischen Themen zum Dialog kommen wollen. Meine Message ist, dass die Uschi mit der Fatima befreundet sein kann, ohne dass die eine das Gefühl hat, der anderen in ihrer Lebensführung überlegen zu sein. Gäbe es für Glückseligkeit ein Rezept, wäre es die Treue zu sich selbst, was wieder individuell ist, und daher können wir nicht alle dasselbe Leben führen, was ja eigentlich der Sinn der Sache ist.

 

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