Wenn Mama unsichtbar wird

Bloggerin Julia hat eine neue Brille - und keinem fällt's auf. Da drängt sich unweigerlich die Frage auf: Wann ist sie denn als Frau unsichtbar geworden?

Also es war so: Nach langem Hin und Her und viel Überlegen kam ich zu dem Entschluss, mir endlich (!) eine Brille zuzulegen. Schließlich sollte ich langsam wieder dazu fähig sein, auch kleiner gedruckte Texte als “Mein erstes Wörterbuch” zu lesen und mich wieder einarbeiten. Eine schöne Brille sollte es sein. Nicht zu schmal, nicht zu groß, genau richtig eben.

Normalerweise erzähle ich immer Gott und der Welt, dass ich so etwas vor habe, weil ich einfach nichts für mich behalten kann, worauf ich mich so freue. Diesmal nicht. Diesmal würde ich niemandem Bescheid sagen und die “Oh’s” und “Ah’s” in vollen Zügen genießen. “Du schaust irgendwie anders aus!”, “Du meine Güte! Die steht dir aber hervorragend!” Soweit der Plan und meine Erwartungshaltung.

Halloooo, Mama ist auch noch da - und eben nicht nur Mama!

Warum freut sich eine junge Mama so auf solche Momente? Weil sie sehr, sehr selten geworden sind. Wenn es früher reichte, sich mal einen Tag zu verwöhnen und in Schale zu werfen, braucht es heute schon erheblich mehr Aufwand, um mal aus der Mama-Rolle zu kommen. Ja, sogar Menschen, deren Eltern ich wirklich nicht sein will (oder könnte), sagen plötzlich “Hallo, Mama” zu mir.

Natürlich könnte frau sich auch damit abfinden und mit diesem Wandel durchaus glücklich sein. Ist diese “Mama” ja eine wunderbar reine und glückselige Person, deren Ego nicht mehr existiert oder ausgelagert wurde in den Lernerfolg ihrer Kinder oder die Fotogrußkarten der Familie.

Nur: Mein Ego ist noch da. Und es ist im Moment ziemlich beleidigt.

Die Brille (die übrigens fabelhaft aussieht) fiel nämlich niemandem auf. Es mag daran liegen, dass MIR schon lange niemand mehr ins Gesicht schaut, weil ich ein viel süßeres, kleineres Gesicht dabei habe. Manche waren sogar überzeugt davon, dass ich schon immer eine Brille trage. “Sie passt einfach so gut zu deinem Gesicht, dass sie nicht auffällt”, tröstete mich mein Freund.

Julia mit neuer Brille

Wann bin ich als Frau unsichtbar geworden?

Ich bin nicht zufrieden. Wann bin ich unsichtbar geworden? Und geht es nur mir so? Nach der Geburt meiner Tochter hat sich so viel verändert, dass auch ich den Wunsch hatte, mich äußerlich zu verändern. Meine langen dunklen Haare wurden zur blonden Kurzhaarfrisur. Meine gesamte Garderobe wurde ausgewechselt. Alles Äußerlichkeiten? Eigentlich unwichtig? Ja, eigentlich. Aber eigentlich will auch jeder Mensch gesehen werden. Nicht nur als Mama, als Rauchfangkehrer oder Partytiger. Und sei es nur ein Moment ungeteilter Aufmerksamkeit. Ein “Wie geht es dir?”. Ein “Hey, du siehst heute aber toll aus.”

Ich lebe mit meinem Partner und meiner kleinen Tochter in Salzburg, liebe das Schreiben in meinem Blog babyleeandme.wordpress.com über unsere lustigen, chaotischen, schönen und weniger schönen Erlebnisse mit Baby. Meine Texte sind richtig angekommen, wenn sie ein Schmunzeln und ein Gefühl hinterlassen - und vor allem zeigen: nichts ist perfekt, aber es lohnt sich. Ich finde: Es g’hört einfach viel ehrlicher erzählt!

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