Wenn Mama Sein alles andere als lustig ist

Es gibt sie. Die Tage, an denen alles leicht fällt: Ausgeschlafene Kinder, strahlendes Wetter, gute Laune. Aber mindestens genauso oft sieht es so aus: Grantige Kinder, ein Zeitplan, der bereits fünf Minuten nach dem Aufstehen nicht mehr einzuhalten ist, ein Zuhause, das nach Bombenanschlag aussieht – und kein Ende in Sicht. An solchen Tagen möchte man als Mama schon mal kündigen. Geht natürlich nicht. Aber trotzdem übersteht man’s.

Wie die zweifache Mutter Sam Vickery, die auf loveparenting.org über das Elternsein bloggt. Auf Facebook hat sie an einem dieser schlimmen Tage einen ehrlichen Text gepostet und jene Gedanken geteilt, wie sie wohl jede Mama kennt:


“Die Wände erdrücken mich fast. Mein Fünfjähriger jammert mit unendlichem Durchhaltevermögen, seit er aufgewacht ist. ‚Das will ich nicht … Warum darf ich nicht? … Das mag ich nicht. … Kannst du … Kannst du … Kannst du?‘

Das Baby ist übermüdet, weigert sich, einzuschlafen und hat sich von oben bis unten angeschissen, zum dritten Mal in den letzten Stunden. Ich bin erst seit vier Stunden wach und habe bereits mein Limit erreicht.

Müdigkeit, Hunger, ununterbrochener Lärm und ein Gefühl großer Eintönigkeit machen mich schwach und ungeduldig, ich fühle mich eingesperrt in den eigenen vier Wänden.

Ich brauche das Gefühl von Freiheit.

Also sage ich meinem Sohn, dass wir rausgehen. „Nein“, meint er, „es ist zu windig. Ich bin zu müde.“
„Ja“, sage ich. „Wir brauchen das jetzt.“

Ich packe das Baby in die Trage, setze ihr die Haube auf. Sie wird sofort ruhig, spürt die nahende Freiheit. Sie braucht es auch.

Wir gehen, der Wind bläst uns ins Gesicht und unseren Stress weg, Stück für Stück. Da gibt es eine Welt außerhalb meiner vier Wände, eine Tatsache, die wir viel zu schnell vergessen, wenn wir hinter unseren geschlossenen Türen sitzen.

Ich setze mich, starre aufs Meer. Die brechenden Wellen erinnern mich daran, wie winzig ich bin, wie unbedeutend meine kleinen Probleme in diesem großen Ganzen sind. Es gibt Leute da draußen, auf der anderen Seite des großen, tobenden Ozeans, die sich sprichwörtlich einen Arm ausreißen würden, um mit mir zu tauschen. Um meine Probleme zu haben. Um Zugang zu der medizinischen Versorgung zu haben, die meiner Tochter die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln.

Ich habe Glück.

Ich erinnere mich daran, was es heißt, Mutter zu sein. Ich bin mächtig. Ich bin stark, ich kann für diese beiden kleinen Menschen Berge zu versetzen, für sich bin ich kein durchschnittlicher Mensch. Ich bin eine Göttin.
Der Wind streichelt mein Gesicht und ich grinse, das Lachen meines Sohnes erreicht meine Ohren. Ich werde mich nicht geschlagen geben. Ich schaffe das.

Wir eilen nach Hause und das Chaos geht weiter. Aber diesmal zerbreche ich nicht daran."

 

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