Wenn Mama plötzlich lesbisch wird: Das Leben mit homosexuellen Eltern

Was passiert, wenn das Leben aus den „normalen“ Bahnen läuft, weil man sich outet. Und wie die Familie darauf reagiert.

„Enchanted - Love Makes a Family“ – so heißt ein geplanter Dokumentarfilm über das Leben von homosexuellen Frauen und Männern in Österreich und Deutschland, die eine heterosexuelle Vergangenheit haben. Er hat aber wenig mit dem gleichnamigen Disney-Film zu tun. Denn das Leben von Schwulen und Lesben in Österreich und Deutschland läuft leider nicht so ab wie im Märchen. Vor allem dann nicht, wenn alles, was vorher „normal“ war, sich plötzlich ändert, weil man sich in eine Person verliebt, die das gleiche Geschlecht hat. Genau in dieses Gefühlschaos will der Film eintauchen.

Zwischen Gefühlschaos und Diskriminierung


Das kennt die Regisseurin Michaela Kis aus ihrem eigenen Leben. Sie war immer mit Männern zusammen, doch seit einem Jahr führt sie eine Beziehung mit einer Frau. „Ich als Alleinstehende, musste mich vor niemandem rechtfertigen, wenn aber eine ganze Familie und Kinder im Hintergrund stehen, ist das noch einmal etwas anderes. Es gibt zwar Dokumentationen über Outings, allerdings nichts, oder kaum etwas über ehemals heterosexuelle Menschen mit Kindern“, sagt sie über den Hintergrund des Films.

"Wir werden oft so erzogen, dass alles, was nicht Vater, Mutter, Kind ist, falsch ist oder unnormal."

Michaela Kis, Regisseurin und Schauspielerin: "Wir werden oft so erzogen, dass alles, was nicht Vater, Mutter, Kind ist, falsch ist oder unnormal."

Sie will Menschen Mut machen und Kraft geben, denn: „Wir werden oft so erzogen, dass alles, was nicht Vater, Mutter, Kind ist, falsch ist oder unnormal. Aber wichtig ist doch glücklich zu sein und einen Menschen zu finden, mit dem es passt“, sagt die Filmemacherin.

Für sie ist unbegreiflich, dass wir überhaupt noch über „Ehe für alle“ diskutieren müssen: „Dass man vom guten Willen von Menschen abhängig ist, die nichts mit dem Thema zu tun haben, Politiker, die meinen, sie seien ,noch nicht soweit‘, die es aber gar nicht tangiert.“

Wie gehen Kinder damit um?


Ihr Film will diesem Tabu entgegensteuern und spricht mit Männern und Frauen aus vormals heterosexuellen Beziehungen mit Kindern aus dieser, die sich dann später in einen Menschen gleichen Geschlechts verliebt haben. Der Film greift Fragen auf wie: „Wie kann das so plötzlich sein und passieren?“ und „Wie gingen die Kinder, der Ex-Partner, Familie und Freunde damit um?“

Stephanie Satzinger, Co-Regie: „Es geht um die Kämpfe und Schwierigkeiten die jeder einzelne durchlebt, aber auch um das "zu-sich-selbst-finden" wider aller Widrigkeiten.“

Michaelas Wunsch: „Dass es normal wird, dass es eben unterschiedliche Menschen gibt, dass man so was gar nicht mehr diskutieren muss. Was die Natur geschaffen hat, kann in meinen Augen nicht falsch sein.“

Auch die Co-Regisseurin und Produzentin Stephanie Satzinger hat ein klares Ziel: „Ich möchte soweit kommen, dass es nicht mehr so ist, dass man selbst mal leidet, weil man sich als abnormal, seltsam, womöglich pervers, verwirrt, irritiert fühlt, sondern dass man weiß - ich bin eben so, und es ist in Ordnung - und auch von Seiten der Gesellschaft Akzeptanz und keine Diskriminierung mehr stattfindet.“

Die Finanzierungsphase für die Realisierung des Films hat bereits begonnen: HIER können Sie das Team unterstützen!

Alexander Weiß, Kamera/Schnitt/Produktion: "Homosexualität scheint noch immer ein globales Tabuthema zu sein. Hinzu kommt, dass viele so lange kein Problem damit haben, bis es in ihrem Freundes- und Familienkreis auftritt."

Sonja Müllner, Kamera: "Ich wünsche mir, dass Toleranz nicht mehr nötig sein muss weil es zur Normalität geworden ist das es homo- und heterosexuelle Menschen gibt."

 

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