Wenn Lehrer auch nicht alle Kollegen super finden

Kaum gibt's in Sachen Schule und Bildung öffentliche Diskussionen, geht auch das Geschimpfe auf die Lehrerschaft wieder los. Warum LehrerInnen manchmal selber zum Schimpfen zumute wäre ...

Das geht immer ratzfatz. Kaum taucht irgendwo eine Meldung zu Einsparungen im Schulwesen auf oder zu einer möglichen Erhöhung der Lehrverpflichtung, ist das gleichzeitig auch das Go für die Lawine an "Die arbeiten ja eh nix"-Kommentaren. LehrerInnen müssen sich dann oft verteidigen. Und gleichzeitig müssen sich die engagierten dieser Spezies zusammenreißen - denn manchmal würden sie gern in das Geschimpfe einstimmen, haben ein paar Ursula Neubauer gestanden:

"Mir gehen meine Obizahra-Kollegen auch auf die Nerven."

"Ich bin wirklich eine, die sich viele Gedanken um ihren Unterricht macht, extrem viel zu korrigieren hat, weil sie heuer nur Schularbeitsfächer in riesengroßen Klassen hat, und ständig in Projekte involviert ist - und mich regen Kollegen maßlos auf, die nicht korrigieren müssen, keine Zusatzaufgaben übernehmen und ständig jammern, wieviel sie zu tun hätten oder wie viel Stress sie hätten. Oder weil die Ferien zu kurz sind oder sie vielleicht mal am Nachmittag Unterricht haben. Ich kann das selber nicht mehr hören! Und da wundert es mich auch nicht, dass auf die Lehrerschaft geschimpft wird. Ich finde auch, es gibt vielleicht zu viele Obizahra, die sich ein sehr gemütliches Leben machen."

"Ich erlebe an unserer Schule auch eine wirklich unfaire Klassenzuteilung: Die Lehrer oder Lehrerinnen, die engagiert sind, die kriegen die großen Klassen, die nicht so bemühten die kleinen Gruppen - das ist einfach total unfair. Und das schürt natürlich auch den Grant untereinander. Mit dem kommenden neuen Lehrerdienstrecht wird dann nicht einmal mehr unterschieden, ob man Turnen unterrichtet oder Englisch, da ist dann jede Stunde gleich viel wert. Dass Fächer wie die aber unterschiedlich viel Aufwand bedürfen, ist wohl klar. Ob das was Gutes macht in den Konferenzzimmern ...?!"

"Was mich schon stört ist, dass Lehrer immer in einen Topf geworfen werden. Aber es ist wirklich ein Unterschied, wo man unterrichtet, wie groß die Gruppen sind, die Altersstufe, die Anforderungen in den Jahrgängen, die Umfänge an Korrekturen ... und ja, natürlich gibt es die, die wirklich nur das Mindestmaß machen und trotzdem unzufrieden sind. Und da draußen kennt jeder einen solchen nicht-engagierten Lehrer, die ruinieren uns bemühten den Ruf, das nervt. Also ja, mich nerven die auch, die sagen, dass sie ständig überfordert sind und nicht schätzen können, dass sie sich viel ihrer Zeit frei einteilen können und wirklich viele und lang Ferien haben. Ich denke, würden wir öfter zugeben, dass das ein Privileg ist, dann wär die Meinung über uns auch nicht ganz so negativ."

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumnenreihe.

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