Wenn Frauen Dinge tun, die Männern zugeschrieben werden

Was passiert, wenn Frauen eine Freundschaft Plus haben, jemanden betrügen oder fremde Körper bewerten? Grammy Gewinnerin Jazmine Sullivan gibt mit diesen vier Songs Antworten.

frau über mann

Schon einmal "Smash or Pass" gespielt? Das Spiel, bei dem man sagt, ob jemand attraktiv ist oder nicht. Und je nachdem entscheidet man – oder frau – dann, ob die genannte Person ein*e potenzielle*r Sexpartner*in ist oder eben nicht. Richtig gelesen! Auch Frauen machen das – manche jedenfalls. Und andere Frauen betrügen ihre Partner*innen. Ja, es ist traurig, aber wahr. Warum ist diese Tatsache für viele so befremdlich? Die R&B-Sängerin Jazmine Sullivan liefert mit diesen vier Songs ihres Albums "Heaux Tales" ("Schlampen Geschichten") Antworten.

"Heaux" (ausgesprochen: "HO") ist eine Anspielung auf das englische Wort für "Schlampe" (engl. "Hoe" oder "Whore"). Die Sängerin macht so aus der Beleidigung eine empowernde Selbstbezeichnung.

Das "schwächere" Geschlecht

Das Album ist ein Meisterwerk. Und das ist keine subjektive Meinung. Sullivan hat dafür den Grammy für das beste R&B-Album 2022 gewonnen. Zurecht, wie ich finde. Auf der EP kommen nämlich unterschiedliche Frauen zu Wort, die davon erzählen, wie sie Sex und ihre Körper bewusst einsetzen, um das zu bekommen, was sie wollen – auch in der Ehe. Und zwar einen Orgasmus. "Männer halten es nicht aus, wenn Frauen sich dieselben Freiheiten nehmen, wie sie. Vor allem, wenn es um Sex geht", legt sich die Sängerin in ihrem aktuellen Album mit dem Patriarchat an.

"Unsere Gesellschaft bringt Männern bei, egoistisch zu sein. So, dass sie vergessen, dass auch wir Frauen sexuelle Wesen sind." Gleichzeitig sei das männliche Ego so zerbrechlich, dass Männer gar nicht damit umgehen könnten, wenn eine Frau selbstbestimmt mit ihrem Körper, ihren sexuellen und materiellen Vorlieben umgeht. Diese Frauen werden dann oft als schwierig oder "zu männlich" beschrieben. Das ist schwach.

Auch Frauen betrügen

Frauen haben nur Affären, wenn es ihnen in einer Beziehung emotional nicht gut geht. Richtig? Falsch! Manchmal ist es pure Lust. Genau wie bei Männern. Auf Sullivan’s Album spricht eine Frau über ihren Seitensprung. Sie hatte ihre Verlobte betrogen: "Ich habe ihr so weh getan, wie mir früher weh getan wurde. Und damit habe ich auch mich verletzt. Ich kann nicht erklären, warum ich es gemacht habe, aber ich sehe ein, dass ich die Beziehung versaut habe!" Klingt nach einem Anfang. Denn Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

Sex als Powermove

Manche Frauen sind richtig gut im Bett. Und sie wissen es, wie die beste Freundin von Jazmine Sullivan, Amanda, auf dem Album erzählt. Aber sie prahlen nicht damit. Zumindest nicht so oft, wie Männer. Trotzdem ist es für manche Frauen eine Superkraft. "Selbst, wenn ein Mann mich gar nicht will, weiß ich, was ich machen kann, um ihn zu verführen. Und ich weiß, es wird ihm gefallen. Sex ist meine Superkraft geworden", erzählt Amanda. Klingt stark nach einem Powermove. Das Talent gibt ihr Selbstbewusstsein. "Es macht mich aber auch traurig, weil ich weiß, dass ich mich durch die Frauen, die ich auf den Sozialen Medien sehe, unter Druck gesetzt fühle. Zu denken, dass ich ohne Sex nicht genug bin, tut mir weh", erklärt sie.

Offline gehen, ist Selfcare

Die R&B-Sängerin ermutigt gleichzeitig zur Selbstreflexion. Sie lässt die schwierigen Seiten von Sex und Weiblichkeit in ihrem Album nicht aus: Manche Frauen haben das Gefühl immer perfekt aussehen zu müssen, um auch gegen den Social Media Druck anzukommen. Was zu Unsicherheiten, übertrieben femininem Auftreten und unerreichbarem Perfektionismus führt. So kommt zum Pick-Me Girl jetzt "That Girl" dazu. Das Girl, das jeden Morgen einen grünen Smoothie trinkt, meditiert, Selfcare macht, gesunde Bowls isst und – wichtig – neben all dem immer Zeit für eine top gestylte Instagram Story hat. Klingt stressig? Ist es auch. Deshalb am besten auch mal offline gehen. Denn auch das ist Selfcare.

 

Aktuell