Wenn die Schwägerin die Krallen ausfährt

Eigentlich gilt die Beziehung zur Schwiegermutter als schwierig. Dabei ist das zwischen Schwägerinnen oft mindestens genauso mühsam. Wir haben mit zwei Frauen gesprochen, die mit ihrer Schwägerin so gar nicht können.

Dass man mit der Schwiegermutter nicht so gut kann, darüber wird oft gesprochen. Darüber, dass es mit der Schwägerin Schwierigkeiten gibt, eher selten. Wir haben deshalb nachgefragt - bei zwei Frauen, die wissen, wie sich Schwägerinnenzwist anfühlt. Sarah versteht sich mit der Schwester ihres Ehemannes nicht, Lene mag die Freundin ihres Bruders nicht. Ein aufschlussreiches Doppelinterview:

WIENERIN: Lene, vielleicht fangen wir ganz von vorne an, als die Freundin deines Bruders dazukam …

Lene: Das war von Anfang an schwierig – als er sie ­kennenlernte, haben wir beide noch im Elternhaus gewohnt, er war 18, ich 19. Und sie war einfach von einem Tag auf den anderen da – ohne sich vorzustellen. Bis meine Mutter nach ein paar Wochen gesagt hat, so gehe das nicht, erst dann hat er sie offiziell vorgestellt. Aber ich hatte nie das ­Gefühl, dass sie sich inte­grieren wollte.


Sarah: Das hab ich schon immer versucht. Ich hab mich total bemüht, weil ich jemand bin, der nicht ­gerne aneckt und harmonische Beziehungen mag. Als gleich am Anfang verbale Giftpfeile von der Schwester meines Mannes kamen, hab ich immer versucht, einzulenken, hab ihr sogar zum Geburtstag eine Torte gebacken und solche Dinge. Aber das ist mit Füßen getreten worden, und sie hat versucht, die anderen in der Familie gegen mich aufzuhetzen – das hat wehgetan.


Warum, glaubst du, war das so?


Sarah: Weil sie eifersüchtig war. Das hat sie mir auch irgendwann gestanden. Dass sie böse zu mir war, weil ich ihr den Bruder weggenommen habe. Das war entschuldigend gemeint, auch wenn das Wort Entschuldigung nicht gefallen ist und verändert hat sich leider so gut wie nichts. Sie hat immer schlecht über mich geredet und tut es heute noch.


Wie ist das bei euch, Lene? Hast du jemals das Gefühl gehabt, dein Bruder wäre dir weggenommen worden?


Lene: Nein, so hab ich das nie empfunden. Meine Position als Schwester hat mir seine Freundin nie weggenommen, und ich hab nach wie vor das Gefühl, wenn wirklich der Hut brennt, ist sie natürlich Ansprechpartnerin Nummer eins, aber dann komme gleich ich. Wir mögen uns, glaub ich, einfach nicht und haben grundsätzlich unterschiedliche Weltanschauungen.

"Es ist natürlich seine Wahl"


Dann war die Entscheidung ­deines Bruders für diese Frau wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen für dich?


Lene: Natürlich. Das war im ganzen Freundeskreis schwer nachzuvollziehen. Wir hatten dieselben Freunde, ich bin mit ihnen noch immer viel unterwegs, aber mein Bruder nicht mehr. Da hat sich schon viel verändert. Sie hat einfach, auch innerhalb der Familie, eine ganz eigene Position – die der Außenseiterin. Und das spüren alle stark, wobei ich auch irgendwie glaube, sie wollte nie richtig dazugehören.


Sarah: Lustig, ich glaube, bei uns war es so, dass egal, was ich getan habe, die Schwester meines Mannes einfach immer schlecht über mich geredet hat. Und ich bin in die Rolle der „Bösen“ gedrängt worden. Weil ich manchmal Dinge direkt an- und ausspreche, die die Familie meines Mannes niemals aussprechen ­würde. Er ist immer der Gute und war es auch so gewohnt, der Familien­meinung einfach zu entsprechen.


Lene, wie geht es deinem Bruder mit der Situation?


Lene: Der ist sehr feinfühlig und spürt die Anspannung natürlich. Wenn’s dann zum Beispiel um Probleme mit meinen Eltern geht, hält er sich raus – und hat dann aber natürlich Konflikte an beiden Fronten. Da ist er sicher nicht zu beneiden.


Und Sarah, wie macht das dein Mann?


Sarah: Er duldet viel um des lieben Friedens willen. Er steht hundertprozentig zu mir, will aber natürlich auch seiner Familie gegenüber loyal sein. Früher haben wir viel gestritten deswegen – das waren unsere einzigen Streits. Jetzt versuchen wir, uns besser abzukapseln, Abstand zu halten. Im Moment haben wir wieder so eine Situation: Unser zweites Kind ist erst ein paar Wochen alt und seine Schwester möchte gerne Taufpatin werden. Für mich kommt das nicht infrage, er hätte es geduldet, weil er sich vor dem Konflikt mit der Familie fürchtet. Aber in dem Fall hab ich mich durchgesetzt, wir haben jetzt eine andere, wirklich tolle Taufpatin für unsere Tochter.

"Abkapseln geht als Paar leichter als als Familie"


Du hast gesagt, ihr versucht, euch abzukapseln. Geht das als Familie genauso gut wie als Paar?


Sarah: Nein, das stimmt, seit meine Kinder auf der Welt sind, ist da einfach mehr Verletzungsgefahr, mehr Angriffsfläche, weil es nicht mehr nur um mich geht. Und sie ist ja ihre Tante – wobei, unlängst hat ein Bekannter so einen schönen Begriff geprägt: Er hat von der Fototante gesprochen. So eine ist sie auch, also eine, die 1.000 Fotos machen möchte mit dem Neffen und der Nichte, zum Herzeigen, und die immer Bussis haben will, aber sich sonst nicht kümmert. Das ist traurig mit anzuschauen.


Lene: Mein Bruder hat inzwischen auch eine dreijährige Tochter, und ich versuche, so gut es geht, mich aus der Erziehung rauszuhalten. Durch das Kind geraten die Schwägerin und meine Mutti – weil sie wie so eine typische Schwiegermutter und Oma halt versucht, ihnen viel zu helfen – öfter aneinander als früher. Und dann versuchen sie beide, mich als Sprachrohr zu benutzen,das belastet mich schon. Und auch, dass es ihm offenbar nicht richtig gut geht in der Beziehung, ist als Schwester natürlich hart mit anzusehen.


Wie äußert sich das denn?


Lene: Einmal, als er Alkohol getrunken hatte, hat er auch über Trennung gesprochen, aber dass er doch nicht gehen könne wegen der Tochter. Das hat mich überrascht, weil ich gar nicht gedacht hätte, dass er mit dem Gedanken spielt. Das tut mir natürlich weh, aber ­mittlerweile denk ich: Er ist für sein Glück verantwortlich, und wenn das sein Weg ist, dann soll er ihn bitte so gehen.


Sarah: Ich wünschte auch oft, meine Schwägerin wäre einfach zufriedener mit ihrem Leben – als sie zum Beispiel mal verheiratet war, da hatte ich eine Zeit lang meine Ruhe. Also, ich wünsche es mir, meiner Familie und ihr natürlich wirklich auch von Herzen (lacht).

 

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