Wenige Frauen in Führungspositionen

96 Prozent der Vorstände in börsennotierten Unternehmen in Österreich sind Männer. Das belegt eine neue Studie des Beratungsunternehmens EY. EY-Partnerin Elfriede Baumann im Gespräch über Ursachen und Frauenquoten.

Nur 4 Prozent der Vorstandsposten in börsennotierten Unternehmen werden von Frauen besetzt. Warum ist diese Zahl so niedrig?

Elfriede Baumann: Der geringe Frauenanteil in Chefetagen ist in erster Linie ein Indiz dafür, dass es noch ein weiter Weg bis zur Gleichberechtigung ist. In vielen gesellschaftlichen Bereichen hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Österreich auch schon viel getan: Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist in den letzten 20 Jahren um 10 Prozentpunkte auf 71 Prozent gestiegen, seit der Jahrtausendwende ist der Frauenanteil bei den jährlichen Universitätsabschlüssen konstant höher als jener der Männer und in vielen Unternehmen ist ein klarer Mentalitätswandel hin zu mehr Frauenförderung erkennbar. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche Bereiche des Gesellschafts- und Wirtschaftslebens, in dem dieser Wandel noch nicht bzw. nicht ausreichend angekommen ist. Noch immer verdienen Frauen in Österreich um fast 24 Prozent weniger als Männer, aufgrund von überdurchschnittlich häufiger Beschäftigung in Teilzeitarbeitsverhältnissen ist die Gefahr der Altersarmut bei Frauen deutlich größer und in Führungspositionen großer Unternehmen sind Frauen noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Wer qualifizierte Frauen für eine bestimmte Position sucht, findet sie auch. Es geht darum, die Anstrengungen zu verstärken, diese Frauen jetzt auch gezielt in die Chefetagen zu bringen.


Wäre eine Frauenquote sinnvoll?

Elfriede Baumann: Die Frage nach der Frauenquote ist fast wichtiger als die Frauenquote selbst, weil das Thema dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommt und die öffentliche Diskussion auf Verbesserungsmöglichkeiten gelenkt wird. Sie zeigt auch, dass Gleichberechtigung kein Selbstläufer ist. In staatsnahen Betrieben und im öffentlichen Dienst macht eine Quote Sinn. In der Privatwirtschaft ist das schwierig, weil es je nach Branche ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen gibt. Aus meiner Sicht ist es zielführender, schon bei der Ausbildung anzusetzen. Wenn sich noch mehr Unternehmen ernsthaft – und nicht nur zur Imagepolitur – dazu bekennen, dass sie Frauen in Führungspositionen wirklich wollen und auch etwas dafür tun, wäre schon ein großer Schritt getan.

Die Frage nach der Frauenquote ist fast wichtiger als die Frauenquote selbst.
von Elfriede Baumann

Was könnte sonst getan werden, um diese Zahlen zu verbessern?

Elfriede Baumann: In erster Linie braucht es jenen Mentalitätswandel, den man bei vielen Unternehmen zumindest in Ansätzen schon bemerken kann: Es braucht das klare und vom gesamten Vorstand mitgetragene Bekenntnis zu mehr Frauen in Führungspositionen und einen verbindlichen Plan mit messbaren Zielen, wie man das erreichen will. Wenn Selbstverpflichtungen mehr sind als ein Lippenbekenntnis, funktioniert das auch. Zu diesem Umdenkprozess gehört auch, Frauenförderung als das zu sehen, was sie ist: Eine große Chance für das Unternehmen, und kein Hemmschuh. Unternehmen mit gemischtgeschlechtlichen Führungsteams sind nachweislich erfolgreicher, die wirtschaftliche Performance steigt mit der Intensität der Frauenförderung. Neben der Mentalitätsfrage braucht es vor allem Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass sich Frauen nicht mehr zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen und dass eine Schwangerschaft kein Karriereknick ist. Gleichberechtigung funktioniert nur durch einen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft. Auf der einen Seite geht es zum Beispiel darum, flächendeckende Ganztags-Kinderbetreuungsplätze zu schaffen, auf der anderen Seite müssen flexible Arbeitsmodelle und Karenzregelungen angeboten werden.

Zur Person

Elfriede Baumann ist die für Human Resources verantwortliche Partnerin bei EY Österreich. In ihrer Funktion als Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin leitet sie den Bereich „Utilities/Public/Health“. Elfriede Baumann ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 28 und 23 Jahren.

 

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