Welchen Einfluss haben Teenie-Serien, die Mental Health-Themen behandeln?

Mental Health-Probleme finden langsam, aber sicher Einzug in Mainstream-Filme und -Fernsehen. Gerade Teenie-Serien setzen sich intensiver mit Mental Health auseinander. Wie verändert das den Umgang der Gesellschaft mit diesem Thema?

Mental Health

Es ist inzwischen einige Jahre her, als Netflix mit der Teenie-Serie 13 Reasons Why für Aufsehen und Aufschrei gesorgt hat. Drei Minuten lang war der Selbstmord von Hannah Baker, der Hauptfigur, gezeigt worden, bis er schließlich zwei Jahre später aus der Serie geschnitten wurde. Schon vor Erscheinen der Serie warnten Expert*innen davor, dass das Schauen der Serie die mentale Gesundheit von jungen Menschen verschlechtern könne, der Österreichische Psychotherapie-Verband sprach eine Warnung aus und Staffel zwei bekam vor jeder Folge Warnhinweise. Auch Eltern hätten sich im Vorfeld mehr Information über die Serie gewünscht.

Beginn eines Gesprächs

Was dabei spannend ist, ist dass Jugendliche selbst die Serie durchaus hilfreich fanden. In einer Studie der Northwestern University wurden 5.000 Jugendliche befragt, die angaben, die Serie hätte ihnen geholfen, harte Themen zu verstehen und zu verarbeiten. Die Hälfte der Befragten sagte zusätzlich, sich im Anschluss bei Personen entschuldigt zu haben, die sie schlecht behandelt hätten. Eine weitere Studie der UCLA’s Center of Scholars and Storytellers (CSS)ergibt, dass nach dem Schauen der Serie 92 % der Zuseher*innen nach Informationen zu Mental Health-Themen suchten und die Serie ein Gespräch rund um diese Themen anstieß, die sie beschäftigten.

Suizid ist keine Lösung

Große Kritik bekam die Serie allerdings für die Darstellung und Romantisierung von Suizid. Die Serie ist eine einzige Schuldzuweisung, die einerseits wichtige Themen wie Depressionen, sexuelle Gewalt und Selbstmordgedanken behandelt, aber auch darstellt, dass Suizid immer Schuldige und Auslöser hat und ein Ausweg ist.

Denselben Fehler machte Netflix einige Jahre später erneut mit Chilling Adventures of Sabrina. In der letzten Folge begeht der Freund der Hauptperson Selbstmord, um für immer mit ihr vereint zu sein, nachdem sie stirbt. Der Tod wird nicht gezeigt, aber das Ende wird als Happy End für das junge Paar dargestellt und vermittelt damit problematisch und ganz klar, dass der Freitod keine Tragödie, sondern romantisch ist.

Enttabuisierung von Psycho-Therapie

Auch die Teenie-Serie Never Have I Ever von Netflix behandelt die psychischen Probleme von Devi, die ihren Vater verloren hat. Wenn man die Serie als Erwachsene sieht, dann ist man immer wieder genervt von dem irrationalen Verhalten des Mädchens und dem Drama, das sie aus jeder Situation macht. Versetzt man sich aber kurz 10-15 Jahre zurück, ist verständlich, wieso die Darstellung dieses Teenagers eine ganze Generation berührt und die Serie ein Hit ist. Das Mädchen ist in Therapie und arbeitet dort nicht nur den Tod ihres Vaters, sondern auch die Probleme auf, die ihre Teenage-Jahre mit sich bringen. Das setzt einen neuen Maßstab im Hinblick auf die Enttabuisierung von Psycho-Therapie und zeigt, dass dieses Alter für viele herausfordernd ist.

Fulminante Charaktere

Gerade die Darstellung der Probleme in Never Have I Ever sind zum Teil gewöhnungsbedürftig, da viele ernste Themen und Probleme einfach weggelacht oder in einen leichteren Kontext transportiert werden. Sieht man aber, wie dies mit einer jüngeren Zielgruppe resoniert, so merkt man, dass diese Weise auch beweist, dass psychische Probleme kein Grund sind, ein Leben ohne Spaß zu führen. Die Persönlichkeit dieser Menschen oder Figuren ist vielschichtig, die Probleme sind nur ein Teil davon und machen sie nicht aus. Und gerade Charaktere mit Mental Health Issues können runde, ganzheitliche Hauptpersonen sein, die mehr sind als Drama. Das zu sehen und zu verinnerlichen ist ein erster wichtiger Schritt zu mehr Akzeptanz, den eine ganze Generation gerade macht.

 

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