Welche Versicherungen brauche ich?

Über Geld spricht man nicht? Doch! Die WIENERIN hat ganz genau nachgefragt, welche Versicherungen man haben sollte, wo man diese abschließt und worauf man dabei achten sollte.

Health Insurance

Gabi Kreindl ist Expertin für Finanzdienstleistungen und bereits seit den 1990er Jahren Teil des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Kreindl ist ausgebildete Versicherungsmaklerin; sie testet und bewertet Finanz- und vor allem Versicherungsprodukte. Dabei liegt ihr das Thema Frauen und Finanzen besonders am Herzen.

WIENERIN: Fangen wir gleich mit der wichtigsten Frage an: Welche Versicherungen sollte man haben?
Gabi Kreindl: Das lässt sich nicht so pauschal sagen, denn das ist von der individuellen Situation abhängig. Prinzi­piell sollte man sich bei der Auswahl überlegen: Was sind die größten Schäden, die auf mich zukommen könnten, die möglicherweise meine Existenz bedrohen? Ist genug Vermögen vorhanden, um bei einer Berufsunfähigkeit durch Krankheit oder nach einem Unfall mit einer bleibenden Invalidität auch ohne finanzielle Unterstützung gut zu leben? Wenn ja, brauche ich theoretisch gar keine Versicherung in diesen Bereichen.

Wir versichern eher eine Brille als gegen bleibende Invalidität.

von Gabi Kreindl

Woher weiß ich, was mögliche Risiken sein könnten?
Das ist abhängig von der Lebenssituation. Wir haben im Verein für Konsumenteninformation einen Risikocheck entwickelt, in den man eingibt, wie das Leben aussieht, und dann sieht man, welche Versicherungen man unbedingt braucht. Man checkt, welche finanziellen Möglichkeiten man hat, und nimmt die wichtigsten Versicherungen zuerst. Dann kann man noch Zusatzversicherungen wählen, die nicht so wichtig sind. Wir neigen dazu, Versicherungen zu wählen, die nicht so dringend nötig sind – wir versichern eher eine Brille als gegen eine bleibende Invalidität. Das würde ich nicht empfehlen.

Wo sollte ich diese Versicherungen dann abschließen?
Unsere eindeutige Empfehlung ist, dass man sich eine*n unabhängige*n Versicherungsmakler*in nimmt. Der*Die Makler*in hört sich an, welche Bedürfnisse, Probleme und Wünsche du hast, und sucht Versicherungen raus, die dazu passen. Dadurch, dass er*sie nicht an eine Versicherungsfirma gebunden ist, hast du eine viel größere Chance, dass du ein Produkt bekommst, das wirklich zu dir passt, und dass unabhängig alle Fragen beantwortet werden. Manche Makler*innen verlangen ein Honorar – das ist für eine gute Beratung und provisionsfreie Produkte okay. Bei der üblichen Vermittlung erhält der*die Vermittler*in eine Abschlussprovision, die ja letztlich auch dich als Kund*in zahlen.

Ergibt es Sinn, alle paar Jahre die Versicherungen zu wechseln?
In manchen Sparten ja, da ist es sinnvoll und wichtig. Wenn ich umziehe oder mein Auto neu versichere, sollte ich mich auf jeden Fall informieren, was es so für Angebote gibt. Es gibt aber Versicherungen, die man einmal abschließt und dann laufen lässt, beispielsweise eine private Krankenversicherung oder Lebensversicherungen.

Manche schließen eine Er­lebensversicherung ab und denken, sie sind abgesichert.

von Gabi Kraindl

Worauf muss man bei Lebensversicherungen achten?
Wir unterscheiden zwei Arten von Lebensversicherungen: Es gibt Ab­lebensversicherungen – wenn die versicherte Person stirbt, bekommen die Hinterbliebenen Geld oder ein Kredit wird abgedeckt; und dann gibt es Lebensversicherungen, die dem Kapitalaufbau dienen sollen, womit beispielsweise für die Pension angespart wird. Die oft angebotene Mischform, die Er- und Ablebensversicherung, ist nicht bedarfs­gerecht. Wir raten zu klarer Trennung von Absicherung und Kapitalaufbau.

Worauf sollte man in Bezug auf Versicherungen noch achten?
Dass dieselben Themen nicht mehrfach versichert sind. Nehmen wir eine Reiseversicherung: Vielleicht hat man diese bei einer ÖAMTC-Mitgliedschaft dabei und bei der ­Kreditkarte, weiß aber trotzdem nicht genau, was versichert ist. Das sollte man sich einmal anschauen und sicherstellen, dass die kostspieligen unwahrscheinlicheren Punkte eher versichert sind als die wahrscheinlicheren kleinen Dinge: Ein verlorener Koffer wird mich nicht in den finanziellen Ruin treiben, eine ärztliche Behandlung in den USA inklusive Sondertransport vielleicht schon.

Welche Hilfeleistungen gibt es, wenn sich das Thema groß und schwierig anfühlt?
Man muss es Schritt für Schritt angehen – es ist so ein gutes Gefühl, wenn es erledigt ist! Wir helfen auch: Wir bieten, wie vorhin erwähnt, den Risiko­check unter konsument.at/risiko-check an, weiters haben wir ein Buch geschrieben, in dem wir Checklisten zu jeder Versicherungssparte gesammelt haben. Es heißt Gut versichert, kostet knapp 20 Euro, und damit kann man sich gut vorbereiten. Und wir helfen in der VKI-Beratung gerne, wenn es Fragen zu Versicherungs­produkten oder Pro­bleme mit der Kostenübernahme im Schadensfall gibt.

Was ist daran gefährlich?
Menschen schließen oft eine kombinierte Er- und Ab­lebensversicherung ab, in die sie zum Kapitalaufbau einzahlen, und wiegen sich in Sicherheit. Sie denken, dass ihre Hinterbliebenen im Todesfall ausreichend abgesichert sind. Das ist aber nicht wirklich der Fall, denn der Betrag, der im Todesfall ausbezahlt wird, würde nicht reichen, um beispielsweise eine junge Familie zu versorgen oder einen Kredit zu decken. Man muss sich solche Verträge genau ansehen und wissen, was man hat und ob man abgesichert ist.

Wichtige Versicherungen

Private Haftpflichtversicherung: Versicherte Person fügt Gegenständen oder Personen Schäden zu.
Kfz-Haftpflicht­versicherung: Schäden mit Auto, Moped oder Motorrad an fremden Dingen oder Personen.
Risiko-Ablebensversicherung: Finanzielle Absicherung von Hinterbliebenen im Todesfall.
Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Monatliche Rente bei Berufs- oder Erwerbs­unfähigkeit.
Private Unfallversicherung: Kostenersatz nach einem Freizeitunfall und bei bleibender Invalidität.

 

Aktuell