Welche Hochzeitsbräuche sind überholt?

Und welche passen einfach nicht zu dir und deinem*deiner Partner*in? So wird eure Hochzeit individuell richtig für euch.

Welche Hochzeitsbräuche sind überholt?

Allein letzten Samstag haben drei ehemalige Schulkolleginnen von mir geheiratet. Drei. Laut Schätzungen werden heuer so viele Menschen wie noch nie heiraten – Grund dafür ist nicht nur, dass heiraten wieder modern ist, sondern auch dass die Hochzeiten, die in den letzten Jahren aufgrund von Covid-19 verschoben wurden nachgeholt werden. Es wirkt, als hätte die Pandemie Beziehungen verändert. Entweder es gab Trennungen oder alles wurde noch fixer mit Verlobungen, Kindern oder gemeinsamen Immobilien. Alle hatten das Bedürfnis nach dem nächsten Schritt. Entweder voneinander weg oder aufeinander zu.

Was passt zu uns?

Aber gerade weil wir so eine Menge an Hochzeiten vor uns haben, ist es vielleicht an der Zeit zu hinterfragen: Welche Hochzeitsbräuche machen wirklich noch Sinn und genießen wir, und welche sind nicht mehr zeitgemäß. Die Antworten darauf sind gar nicht so einfach und muss am Ende jede*r für sich selbst beantworten. Aber gerade, weil wir seit unserer Kindheit mit dem Thema Hochzeiten konfrontiert werden, ist es manchmal gar nicht so einfach für sich zu klären, was man wirklich will und mit welchen Wünschen man einfach sein ganzes Leben lang gebrainwasht wurde.

Individuell

Manchmal passen die bestehenden Hochzeitsbräuche nicht zu dem Paar, das sich das Ja-Wort geben möchte. Dann macht es Sinn, einfach neue Bräuche zu überlegen, anstatt etwas in die Hochzeit zu integrieren, das sich wie ein Fremdkörper oder eine Kostümierung anfühlt. Paarpsychologin Esther Perel hat bisher in ihrem Leben drei Trauungen vollzogen. Ihr ist es wichtig, dabei für jedes Paar neue Traditionen zu finden, die sie und ihre Beziehung verkörpern.

Eines ihrer Lieblingsbeispiele ist dabei: "Ich habe das Paar angewiesen, sich die Ringe gegenseitig zur Hälfte anzustecken und sie dann den Rest des Weges selbst herunterzuschieben. Ich habe dies getan, weil es ein Symbol für ihre Beziehung ist. Wir heiraten, um rechtsverbindlich zu erklären, dass wir uns füreinander entschieden haben und dass wir uns dafür entschieden haben, von einander geliebt zu werden. Wir haben Hochzeiten, um diese Entscheidungen in unserer Gemeinschaft zu kontextualisieren. Wie wir diese Entscheidungen ehren und feiern wollen, bleibt uns überlassen."

Weg damit

Gewisse Traditionen sind einfach nicht mehr zeitgemäß: Brautjungfrauen, die sich mehrere Wochen Zeit nehmen und viel Geld bezahlen müssen, um diesen Job erfüllen zu können. Kleiderordnungen, die keine Vielfalt von Körpertypen und Geschlechtsausdrücken zulassen. Die Verpflichtung jede Person mit einem*einer Partner*in anreisen zu lassen, auch wenn das Brautpaar diese Person gar nicht kennt oder Bräute, die den Tag nicht genießen können, weil sie einem Perfektionismus nachjagen, der unerreichbar ist.

Wie erkennt man aber, dass man gewisse Traditionen und Bräuche übernimmt, weil sie einem wichtig sind und nicht, weil man das Gefühl hat, sie gehören dazu? Esther Perel hat dazu einige Fragen vorbereitet, die man sich selbst während der Hochzeitsvorbereitungen stellen kann und die helfen, dieses Problem zu klären:

  • Was genießt du am meisten an einer Hochzeit? Welcher Teil berührt dich am meisten?
  • Was findest du überflüssig, gefällt dir nicht und langweilt dich?
  • Welche Traditionen hältst du für überholt oder problematisch?
  • Wie wichtig ist es dir, deine*n Partner*in bei einer Hochzeit an deiner Seite zu haben? Erlebst du eine Hochzeit anders, wenn du allein dort bist?
  • Was kommt dir in den Sinn, wenn du an Hochzeiten denkst, die dich inspiriert und berührt haben?
 

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