Weinen gesund

Wenn die Tränen fließen, dann tun Sie etwas für Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden. Ja, Weinende leben gesünder und vor allem länger. Das wollen amerikanische Wissenschafter heraus gefunden haben. Ein Plädoyer für eine andere Art von Medizin!

"Ein Indianer kennt keinen Schmerz!", wer hat diesen Spruch nicht in seiner Kindheit bis zum Überdruss gehört? Armer Indianer - und vor allem arme Männer, die sich ihn heute noch immer zum Vorbild nehmen!

"Viele Männer unterdrücken ihre Tränen. Das ist ein Grund, warum sie so oft stresskrank zusammenbrechen", meinen amerikanische Wissenschafter vom Ramsey Medical Center, die im Rahmen einer Studie das Weinen von 200 Männern und Frauen untersucht haben.

Monatelang mussten diese ihre Tränen fließen lassen: Dabei stellte sich heraus, dass nur 55 Prozent aller Männer einmal im Monat weinen, während 94 Prozent aller Frauen heulen. Durchschnittlich fünf Mal im Monat lassen Letztere ihre Tränen laufen. Das Ergebnis war bei weiblichen wie männlichen Probanden dasselbe: Alle fühlten sich nach dem Weinen sofort besser. Wer häufig weint, der lebt gesünder und länger - so das dementsprechende Ergebnis der amerikanischen Wissenschafter.

Es gibt Weinen und Weinen

Knapp 100 Liter Tränenflüssigkeit produziert jeder Mensch im Laufe seines Lebens. Nicht immer muss er dafür weinen. "In erster Linie halten Tränen die Augen feucht", sagt Hans Haltmeier, Chefredakteur der "Apotheken Umschau", "wir blinzeln deswegen auch 10 bis 15 Mal pro Minute und verteilen dadurch die Feuchtigkeit gleichmäßig über die Hornhaut. So wird die Hornhaut auch ernährt und geschützt." Dieser Tränenfilm sorgt nicht nur dafür, dass wir klar sehen, sondern schützt vor Infektionen, weil die Tränen keimtötende Substanzen enthalten.

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Traenen sind gesund

Neben diesem ständigen Tränenfluss gibt es noch zwei Arten von Tränen: Die sogenannten Reflextränen - zum Beispiel beim Zwiebelschneiden - und die emotionalen Tränen. "Soweit bekannt, ist der Mensch das einzige Lebewesen, das Tränen nicht nur als Reflex auf die drohende Austrocknung oder Reizung des Auges bildet", meint Zahnarzt Dr. Johannes Nepp dazu.

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Dabei unterscheidet sich das gefühlsbedingte Weinen von den Reflextränen vor allem auch in der chemischen Zusammensetzung. Letztere enthalten mehr Proteine und andere Stoffe wie Prolaktin, ein Hormon, das bei Stress oder emotionaler Belastung produziert wird, oder schmerzlindernde Endorphie. In den Tränen vom Zwiebelschneiden sind diese Stoffe gar nicht vorhanden: Keine Hormone, keine Enzyme. Diese werden nur produziert, wenn es um wirkliche Gefühle geht und sich der Körper von "Stress-Giften" befreit.

Emotionen abbauen

Dass beim Weinen aufgestaute Emotionen abgebaut werden, sorgt für eine weitere Befreiung. Deshalb fühlt sich der Betroffene danach meist erschöpft, aber auch erleichtert. Diese "Seelen-Reinigung" ist genauso gesund wie die Körperliche. Hat der Volksmund also doch recht, wenn er sagt: Wer nicht weinen kann, wird an Leib und Seele krank!


 

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