Weg mit der Beziehung, her mit der neuen Frisur!

Nach der Trennung die neue Frisur - wir sprechen mit Friseurin Katharina Strassl über Trennungsrituale und Neuanfänge vor dem Spiegel.

trennung-frisur-haarschnitt

Wenn es ein Trennungsklischee gibt, das sich ewig hält, dann ist es die Trennungsfrisur. Was es damit auf sich hat, haben wir versucht, bei einer Frau zu erfahren, die es wissen muss: Haarprofi Katharina Strassl empfängt uns in ihrem geschäftigen Wiener Salon in der Wiedener Hauptstraße. Sie selbst trägt eine sportliche Kurzhaarfrisur und ist bestens gelaunt.

WIENERIN: Ich habe gehört, es gibt genau zwei Frisuren, die die wichtigsten im Leben einer Frau sind -die Hochzeitsfrisur und die Scheidungsfrisur. Ist das so?

Kathi Strassl: Ist so. Aber die Hochzeitsfrisur ist eigentlich nur so ein kurzer Moment, etwas für einen Tag. Die Scheidungsfrisur ist viel emotionsbeladener -das ist ein neuer Lebensabschnitt, der da eingeläutet wird.

Woher kommt denn dieses Bedürfnis nach der neuen Frisur nach einer Trennung?

Na ja, du kannst sagen, es ist so dieses Abschneiden der alten Zöpfe, unter Anführungszeichen. Die Frau bereitet sich auf etwas Neues vor, hat eine neue Wohnung, die richtet sie sich so ein, wie sie es immer schon wollte. Es kann ihr keiner mehr dreinreden. Und sie kann jetzt endlich die Haarfarbe tragen, die sie immer schon haben wollte. Bei vielen ist es so, dass nach wie vor die Männer die Frauen gern mit langen Haaren haben, die Frauen natürlich schon fünfmal gern einen Kurzhaarschnitt ausprobiert hätten und jetzt halt die Gelegenheit haben und sagen: "So, jetzt mach ich endlich das, was ich immer schon wollte!"

Hängen das Innere und das Äußere zusammen?

Immer. Die Hochzeitsfrisur, da wird wirklich tief in die Trickkiste gegriffen - da werden Wimpern verlängert, Extensions für die Nägel; es ist fast ein Verkleiden manchmal - für dieses Einen-Tag-Prinzessin-Sein. Die Scheidungsfrisur ist genau die andere Abteilung: Das heißt, die Frau findet sich selbst und ihre Identität neu. Woran erkennst du es, dass sich eine Frau verändert hat? Das ist die einzige Möglichkeit, sich schnell nach außen sichtbar zu verändern.

Kommen auch Männer zum Trennungsfrisurschneiden?

(Lacht.) Wirklich selten. Es ist auch selten so, dass der Mann bei mir sitzt und sagt: "Du, ich würd gern was anderes haben, aber meine Frau mag das ned." Also da sind sie auch zu stolz - quasi: "Ich bin der Mann, und wenn ich das jetzt will, dann mach ich das jetzt." Frauen ticken da nicht so. Die nehmen bei den Haaren wirklich sehr viel Rücksicht auf die Wünsche der Männer.

Die Friseurin ist auch so was wie eine Seelentrösterin. Was brauchen Frauen in der Trennungsphase?

Wir Friseure, wir sind komplett neutral. Wir sind sozusagen einer der wenigen Orte, wo die Frau hingehen kann, wo keine Freundin involviert ist, keine Familie - und da kann sie sitzen und Dampf ablassen. Ich hab schon ein paar Kundinnen gehabt, die erst zum Schneiden da waren und dann zu mir gekommen sind und gesagt haben: "Katharina, hast du kurz Zeit auf einen Kaffee? Ich brauch haartechnisch nix, will nur reden."

Was rätst du denn bei so einer "einschneidenden" Entscheidung wie der Trennungsfrisur? Wann kann man die treffen?

Die Frauen spüren das selber. Also wenn eine Frau so weit ist, dass sie sich vom Mann trennt und alles durchzieht und wieder die Zügel in der Hand hat, dann weiß sie ganz genau, was sie will. Da ist die Frisur vielleicht so der letzte Befreiungsschlag für sie.

Vielleicht zum Schluss: Hast du auch schon selbst ganz klassisch "Trennungsfrisuren durchgemacht"?

(Lacht.) Nein. Weil ich erstens immer die Frisuren hatte, die ich gern gehabt hätte, durch den Job. Wär mir auch nie in den Sinn gekommen, dass sie noch viel kürzer wird! (Deutet auf ihren Kurzhaarschnitt.) Aber vielleicht sollte ich erzählen: Ich hatte früher so lange Haare (zeigt auf die Mitte ihrer Oberarme) - und bei jeder Trennung bin ich kürzer geworden (lacht).

Soll ich die Antwort nehmen?

Nimm sie! (Lacht laut.)

 

Aktuell