Weekend in Hamburg

Ab jetzt reist miss mit Restplatzbörse jeden Monat in eine europäische Stadt und verrät euch die besten Citytipps. Reisewillige und Kurzentschlossene müssen hier einfach nur weiterlesen. Den Rest erledigen wir.

FREITAG, 10.00

Was wäre ein Besuch in Hamburg ohne blaue Schiffersmütze? Die, die schon die Beatles in den 60ern getragen haben, als sie hier ihre Karriere starteten. Deswegen ist Walther Eisenberg der Mützenmacher (Steinstraße 21) der erste Stopp. Ich entscheide mich für das Modell Fleetenkieker. Nur, gleich mitnehmen ist nicht, denn die Modelle werden maßangefertigt.

12.00

Für einen super Überblick über die Stadt steige ich am Hauptbahnhof in einen Hop-on-Hop-off-Bus. Am besten sind die roten (www.die-roten-doppeldecker.de)! 90 Minuten dauert die Fahrt, vorbei z. B. An der Speicherstadt, Hafencity, St. Georg (in diesem Kiez wurde der berühmteste Hamburger, Hans Albers, geboren) und das Alsterufer. Die Designerin Jil Sander und Wolfgang Joop haben hier ihre Villen.

13.30

Von den Landungsbrücken geht's zur Hafenrundfahrt. Unbedingt mit den kleinen Barkassen fahren, denn nur die können durch die schmalen Kanäle der Speicherstadt fahren. Im Hafen in Dock 12 liegt übrigens die neue Yacht, die sich Roman Abramovic gerade um mehrere Milliarden Euro bauen lässt. Tipp: Fischbrötchen sollte man bei den Landungsbrücken nicht essen, das ist alles nur Touri-Fraß. DIE Matjesbrötchen gibt's bei Meeres-Kost am Fischmarkt in Altona (Große Elbstraße 135).

16.00

Im oft verregneten Hamburg wimmelt es vor Einkaufspassagen. Auf 20 Kilometern kann frau shoppen, ohne nass zu werden. Die beste Gegend dafür ist übrigens der Jungfernstieg.

19.00

Die Reeperbahn ist nur 700 Meter lang, trotzdem ist sie die schrillste und bekannteste Meile St. Paulis. Und wer könnte mir die besser zeigen als Kiez-Größe und Travestie-Künstlerin Olivia Jones? Also habe ich Olivia's Safari gebucht. In eineinhalb Stunden geht's erst zum Sexshop. „Achtung, alles was angefasst wird, muss gekauft werden, inklusive Personal", warnt uns Jones vor. Dann geht's vorbei an der Davidwache, Deutschlands bekanntester Polizeistation, auf ein Bierchen zur Tanke, dann weiter zur Herbertstraße. Frauen haben da keinen Zutritt. Wer sich reinschmuggelt, kriegt einen Eimer Wasser drübergeschüttet. „Allerdings ist da nicht immer nur Wasser drin", weiß Jones. Während die Männer unserer Gruppe die Damen in den Schaufenstern bewundern, gehen wir mit Olivia auf ein Schnäpschen in die Rutsche (Friedrichstraße 22).

Die Tour endet bei Olivia's Wilde Jungs (Große Freiheit 32). Hier dürfen ausnahmsweise nur Frauen rein. Ist auch eine Männer-Strip-Bar. Neu bei der Tour dabei ist der „Blonde Hans", ein Kiez-Urgestein, das seit 40 Jahren auf St. Pauli lebt, schon mit den Beatles gesoffen hat, mit Domenica, Deutschlands bekanntester Prostituierten liiert war und wegen eines Bandenkrieges mal kurzfristig nach Rio flüchten musste ...

Weiter geht´s auf Seite 2.

Anreise und Unterkunft:
- Air Berlin fliegt 3 x täglich direkt von Wien nach Hamburg. Flüge für Jänner gibt’s ab € 95.

- Die Kiez-Tour „Olivia’s Safari“ gibt’s jeden Do., Fr. und Sa. Dauer: 100 Minuten. Preis: € 41. Wer „Olivia’s Safari light“ bucht, bekommt als Tourguide ihre beste Freundin Jean Rogers, € 36. Achtung: Olivias Touren sind ca. zwei Monate im Voraus ausgebucht. Online buchbar unter www.olivia-jones.de.

- Das miss-Team empfiehlt das Hotel Yo-Ho, gelegen zwischen dem hippen Schanzenviertel und Eimsbüttel. DZ gibt’s ab € 99. Für unter 26-Jährige gibt’s die „young rate“ um € 75 (Frühstück exkl.), www.yoho-hamburg.de.
Entzückend: das Bed & Breakfast Schlafschön. DZ ab € 95, www.schlafschoen.com.

Die gesamte Reise ist buchbar bei restplatzboerse.at.

22.00

Erst geht's zum Dinner ins NIL (Neuer Pferdemarkt 5). Hier im Schanzenviertel reiht sich eigentlich ein nettes Lokal an das andere. Ein Hamburger Kollege empfiehlt mir trotzdem die 20 Up Bar des Empire Riverside Hotels (Bernhard-Nocht-Straße 97). Tatsächlich ist der Blick über die nächtliche City aus dem 20. Stock sensationell.

SAMSTAG, 10.00

Der typische Hamburger beginnt das Wochenende im Schanzenviertel und zwar so: Erst geht's zum Flohmarkt im alten Schlachthof (Feldstraße 30, jeden Samstag ab 8.00 Uhr), dann in eines der netten Cafés zum Brunch am Schulterblatt. Ich war z. B. in der Hoffski Müsli Bar (Bartelsstraße 8). Danach lässt es sich wunderbar shoppen (besonders in der Marktstraße!). Alternative: Brunch in der Turnhalle im Stadtteil St. Georg (Lange Reihe 107).

13.00

Schon wieder etwas Hunger! Also schau ich bei (TV-)Starkoch Tim Mälzer vorbei. In seiner Bullerei (Lagerstraße 34b), einem umgebauten Schlachthof, hab ich Glück, dass ich einen Platz ergattere. Besser reservieren. Und, keine Angst, die Preise sind okay!

14.00

Die Hafencity ist der neueste und 106. Stadtteil und unbedingt einen Besuch wert. Die Preise für Apartments sind astro nomisch. Kostenlos: von den Magellan-Terrassen den Sandtorhafen entlangspazieren und einige der Schiffe besichtigen. Wer Zeit hat, sollte eine Baustellen-Tour der Elbphilharmonie machen. Das Monster-Bauprojekt soll 2012 eröffnet werden und kostet jetzt schon 700 Milliarden Euro statt der geplanten 149 Milliarden.

15.00

In der Hafencity in die HVV Hafen-Fähre, Linie 62 einsteigen (Station: Sandtorhöft) und mit einem normalen U-Bahn-Ticket (€ 3) bis zur Station Dockland fahren und von dort zur Strandperle (Övelgönne 60) spazieren. Hier kann man auch im Winter auf Klappstühlen den Blick aufs Wasser genießen und Alsterwasser (so was wie Radler) trinken. Wer ein Astra Bier will, sollte es wie die Einheimischen machen und eine „Knolle" bestellen. Tipp: Die U3-Linie fährt zwischen Landungsbrücken und Rödingsmarkt direkt an der Elbe entlang und gilt nicht umsonst als schönste U-Bahn-Strecke Europas!

Weiter geht´s auf Seite 3.

17.00

Die St. Michaelis Kirche ist das Wahrzeichen Hamburgs. Tipp: Wenn's dämmert, ist der Blick vom 106 Meter hohen Turm besonders schön. Der Aufstieg zu Fuß kostet € 3,50 Eintritt und einen Muskelkater. Weniger anstrengend ist der Besuch in der gegenüberliegenden historischen Gasse Krayenkamp 10.

18.00

Gleich gegenüber vom Michel ist der Old Commercial Room (Englische Planke 10). Hier gibt's das beste Labskaus der Stadt. Das ist gepökeltes Rindfleisch, das durch den Fleischwolf gedreht wurde. Sieht nicht appetitlich aus, schmeckt dafür aber umso besser.

22.00

Zuerst geht's auf einen (okay, es waren zwei) Mai Tai ins Cube (Lange Reihe 88), dann auf die Reeperbahn. Clubbing spielt sich fast zur Gänze nur hier ab. Empfehlenswert: Mondoo (Reeperbahn 136), Neidclub (Reeperbahn 25) oder das Uebel & Gefährlich in einem alten Bunker (Feldtstraße 66).

SONNTAG, 3.00

Nachtschwärmer müssen am Hans-Albers-Platz auf eine Stehpizza gehen. Kostet € 2, trieft vor Fett, schmeckt aber top und hilft gegen Kater.

5.00

Schlafen ist nicht. Weiter geht's zum berühmten Fischmarkt. Der findet jeden Sonntagmorgen von 5.00-9.30 Uhr statt (Achtung: im Winter von 7.00-9.30 Uhr). Hier gibt's so ziemlich alles zu kaufen, was nicht niet- und nagelfest ist. Außerdem spielen in der alten Markthalle regelmäßig Bands auf. Echte Hamburger gehen hier nach dem Ausgehen hin. Oder echte Wiener, so wie ich, die um 6 Uhr morgens den ersten Flieger erwischen müssen und lieber gleich wach bleiben. ...

 

Aktuell