Was wir von Heidi Klum lernen können

Wer jetzt billiges Heidi-Bashing erwartet, sollte lieber nicht weiterlesen.

Heidi Klum ist für mich kein Hassobjekt. So, jetzt ist es draußen. Wie oft habe ich schon über die immer fröhliche Deutsche diskutiert. Eine "Sklaventreiberin" sei sie, die mit dem "echten Modelleben" nichts zu tun hat. Oder wie Karl Lagerfeld einmal sagte: "Die kenn ich nicht, die war nie in Paris." Ganz ehrlich, wer immer noch glaubt, bei Germany´s Next Topmodel ginge es ums Modeln, hat aber auch wirklich gar nichts verstanden.

Heidi Klum ist eine Selbstvermarkterin der ersten Güte, von der sich auch die derzeitigen Insta-Fame-Models wie Kendall Jenner und Gigi Hadid noch eine Scheibe abschneiden könnten. Wenn sie am Fernsehbildschirm erscheint, muss ich einfach hinschauen. Warum? Weil sie den Trend zur crossmedialen Vermarktung der eigenen Person schon früh verstanden hat und ihn wie keine andere für sich (aus)nutzt. Wer jetzt "Selbstvermarktung, igitt" schreit, werfe den ersten Stein und löscht vorher lieber gleich den persönlichen Insta-Account. Aber von vorne.

Nur eine kann "Germany´s next Topmodel" werden

Dass das Finale die fadeste „Folge“ der ganzen Staffel ist, wissen wir. Dass Toni gewinnen wird, auch.

Wenn einem nichts mehr einfällt macht man – richtig – eine Rückblende. Das ist das Konzept von Soap Operas, um sie in die Länge zu ziehen und auch GNTM hat das gestrige Finale unter das Motto „The Final Flashback“ gestellt. Dazu ein Magier, ein paar Dragqueens (der „Love Wins“ Walk im Stil der Regenbogenparade war immerhin eine Botschaft für Millionen-TV-ZuschauerInnen) und viele fade, durch Stars wie Shawn Mendes, Rita Ora und Vincent Weiss begleitete „Walks“ und „Shootings“. Da hilft auch keine Verleihung des "Best Personality Awards" (was auch immer das sein soll). Und natürlich der für Thomas Hayo ganz offensichtlich schon fast körperlich unangenehme, künstlich inszenierte Konkurrenzkampf zwischen ihm und Michael Michalsky. Heidi schafft an, alle spuren brav. Und genau darum geht´s.

Wer ist hier der Boss?

Trotzdem kann ich der Kunstfigur Heidi Klum, so unsympathisch sie manchmal auch rüberkommt (und obowhl sie zweifelsohne falsche Botschaften an junge Frauen und Mädchen sendet), auch etwas Positives abgewinnen.

Ich bewundere sie, weil sie sich ganz offen so gar nicht drum schert, was irgendjemand über sie denkt oder sagt. Wenn Heidi Klum mit Tom Kaulitz (der gestern neben Klum-Mama Erna sitzen durfte) turtelt, ist sie eine "bemitleidenswerte Ü-40-Jährige, die nicht alt werden kann". (Ein steinalter Mann der mit einer blutjungen Frau liiert ist, interessiert natürlich niemanden).

Ich bewundere sie, weil sie in jeder einzelnen Folge auch nicht nur den Hauch eines Zweifels daran lässt, wer in der Sendung die Chefin ist. Das setzt sich auch in der Finalshow fort. „Ich werde euch gleich MEINE Entscheidung mitteilen“, sagt Heidi. Und Thomas Hayo stimmt brav mit ein: „Heidi, DEINE Entscheidung möchte ich jetzt nicht treffen müssen.“ Keine Sorge, Thomas. In die Verlegenheit wirst du so schnell nicht kommen. Die den Juroren von Heidi zugedachte Rolle ist nämlich: Konkurrenzkampf spielen, wenn es zwischen den Mädchen zu harmonisch wird. Entscheidungen treffen? Come on! (Thomas Hayo-Voice.)

Heidi hat schon vor Jahren damit aufgehört, jedem gefallen zu wollen. Und zumindest das können sich junge Mädchen gerne von ihr abschauen.

 

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