Was tun bei Schulangst?

Schule ist nicht für alle Kinder angenehm. Wenn Bauchschmerzen schon am Sonntagabend anfangen oder Übelkeit am Schulweg zum Alltag gehört, könnte eine Schulangst das Problem sein.

Kleines Mädchen versteckt sich hinter dem Bett

Die Schule geht wieder los, doch für manche Kinder ist das schwieriger als für andere. Wir haben die Kinderpsychologin Karoline Wekerle (psychologie-wekerle.at) gefragt, was man beachten sollte, wenn ein Kind Angst vor der Schule hat und folgende Dinge gelernt:

1. Angst ist nicht gleich Angst

Man unterscheidet zwischen Schul­phobie und Schulangst. „Bei der Schulphobie gibt es die Angst vor einer Trennung von den Eltern“, erklärt Kinderpsychologin Karoline Wekerle. „Das Kind hat die Befürchtung, dass Mama und Papa nicht mehr wiederkommen. Die Schule ist nur der Symptomträger für die Trennungsangst“, so Wekerle. „Bei der Schulangst geht es eher um soziale Ängste – vor der Gruppe, bestimmten Lehrern, Prüfungen oder Mobbing.“

2. Eine Frage der sozialen Kompetenz

Wenn eine echte Schulangst vorliegt, habe das fast immer etwas mit mangelnden sozialen Kompetenzen zu tun, so Karoline Wekerle. „Dann muss man schauen: Kann das Kind auf andere zugehen und Freundschaften knüpfen? Kann es eigene Wünsche äußern? Kann es mit Gefühlen wie Wut umgehen?“ Fehlt es an diesen Fähigkeiten, weil das Kind sie bisher nicht üben konnte, kann das zu Ängsten führen. Oft können auch sehr kleine Dinge Auslöser für Probleme sein: „Wenn ein Kind sehr behütet ist und plötzlich in die Schule gehen muss und altersgemäße Dinge noch nicht gelernt hat – wenn da dann 26 Kinder sind und die Lehrerin sagt: ‚Okay, jetzt nehmen alle ihre Jacken und packen ihre Schultaschen!‘, und das Kind das noch nicht gelernt hat …“

3. Das Kind stärken

Wie stärkt man ein Kind am besten? „Indem man ihm etwas zutraut“, sagt die Psychologin. „Wenn es mal sieben oder acht ist, kann es zum Bäcker um die Ecke gehen oder bei Freunden übernachten – das war früher ganz normal. Kinder wollen auch selber was ausprobieren; natürlich altersgemäß.“
Nicht hilfreich sei es, dem Kind alles abzunehmen oder es bei akuter Schulangst zu Hause bleiben zu lassen. „In unserer Zeit versucht man oft, dem Kind alle Beschwernisse aus dem Weg zu räumen. Grundsätzlich würde ich empfehlen, das Kind zu unterstützen, schwierige Situationen selbst zu meistern.“

4. Das sind die Do's und Dont's

„Kinder machen sehr viele Ängste durch. Das ist normal in den ‚Klippenjahren‘ – das sind die Übergänge vom Kindergarten in die Volksschule und dann ins Gymnasium“, erklärt Wekerle. Auf keinen Fall, sagt Wekerle, solle man daher die Angst des Kindes entwerten, etwa nach dem Motto: „Geh, da ist ja eh nix dabei!“ „Man sollte dem Kind helfen, das Problem aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

5. Wann braucht das Kind psychologische Unterstützung?

„Manche Dinge lösen sich schnell auf“, so die Psychologin. „Aber wenn das Kind psychosomatische Beschwerden hat oder es jeden Morgen Konflikte übers In-die-Schule-Gehen gibt, dann sollte man sich professionelle Unterstützung holen – wenn man merkt: Man schafft es einfach nicht mehr, das Kind gut zu begleiten.“ Ohne ­professionelle Hilfe könne sich so eine Angst auch verfestigen. „Wenn das eine schwere Sache ist, kann man dem Kind einiges verbau­en, wenn man nichts macht. Dann schleift es das ins Erwachsenenleben mit.“

 

Aktuell