Was sind die 7 Säulen der Resilienz?

Psycholog*innen unterscheiden sieben Säulen bzw. Teilbereiche, die zur eigenen Resilienz beitragen. Je mehr diese ausgeprägt sind und gestärkt werden, desto besser ist man für belastende Situationen und Krisen gerüstet.

Sieben Säulen der Resilienz

Es gibt ­Erlebnisse oder ­Situationen, die das eigene Leben stark ins Wanken bringen, die uns den Boden unter den Füßen weg­ziehen, wo plötzlich nichts mehr so ist, wie es einmal war – sei es durch den Verlust des Jobs oder eines geliebten Menschen, eine Trennung oder die Diagnose einer ­schweren Krankheit. Die einen hadern ­lange oder zerbrechen gar an den ­ver­änderten ­Lebensumständen, ­andere wiederum schaffen es, das Neue ins eigene Leben zu integrieren, und wachsen an solchen Krisen­zeiten.

Der Unterschied liegt laut moderner Psychologie in der eigenen Fähigkeit der Resilienz. Psycholog*nnen unterscheiden sieben Säulen bzw. Teilbereiche, die zur eigenen Resilienz, also zur eigenen mentalen Widerstandsfähigkeit, beitragen. Je mehr diese ausgeprägt sind und gestärkt werden, desto besser ist man für belastende Situationen und Krisen gerüstet. Welche das sind, erfahrt ihr hier:

1. Optimismus

Wer auch in persönlichen Niederlagen oder schwierigsten Momenten etwas Gutes sehen kann, lässt sich davon nicht so schnell entmutigen. Ein Satz von Oscar Wilde beschreibt diese innere Einstellung sehr gut: "Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende." Jenen, denen das nicht so gut gelingt, hilft etwa ein Glücksjournal, um die positiven Dinge des Lebens bewusster wahrzunehmen.

2. Akzeptanz

Die ­Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind – vor allem Situationen, die sich nicht (mehr) ändern lassen –, ist oft der erste Schritt heraus aus dem tiefen Tal. Erst wer das eigene Schicksal in sein Leben integriert hat, kann beginnen, die Probleme in Angriff zu nehmen, und wird wieder handlungsfähig.

3. Lösungsorientierte Ziele

Indem man ein klares, sinnstiftendes Ziel vor Augen hat, richtet man automatisch den Blick nach vorne. Den Weg dorthin empfindet man als Bereicherung, und das hilft über schwierige Situationen hinweg.


4. Opferrolle verlassen

Als Opfer fühlt man sich ohnmächtig und alleine gelassen. Wer die Opferrolle verlässt, setzt sich mit den aktuellen Umständen auseinander und entwickelt Lösungen, wie man die Lage selbst und aktiv zum Positiven verändern kann.

5. Verantwortung übernehmen

Indem man wieder "in control" ist, kann man sich die belastende Situation objektiv anschauen und eigene Einflussmöglichkeiten erkennen und entsprechend handeln – und eventuell auch realistisch einschätzen, ob man selbst einen Teil zur gegenwärtigen Krise beigetragen hat.

6. Enge Bindungen

Enge Beziehungen einzugehen und sich jemandem wirklich anzuvertrauen schafft ein wichtiges Sicherheitsnetz für schwierige Zeiten; es hilft auch dabei, Krisen gelassener zu überstehen. Beziehungen zu pflegen, seiner Familie, Partner*in sowie FreundInnen aufmerksam zugewandt zu sein – das steigert auch das eigene Selbstwertgefühl und die innere Stärke.


7. Positive Zukunftsplanung

Ein positiver Blick in die Zukunft, vorheriges Einplanen eventuell auftreten­der Krisen wie etwa Scheidung oder Verschuldung (und was man in dem Fall tun würde) sowie zu wissen, dass man immer die Wahlmöglichkeit hat und seinem Schicksal nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern aktiv gegensteuern kann – all das hilft bereits im Vorhinein, besser durch eine Krise zu kommen.

ZUM MITMACHEN!

Meine Ressourcen – meine Resilienz.

Nimm ein Blatt Papier und notiere in drei Spalten deine persönlichen Kraftquellen. Schreibe "alles raus" – ohne lange ­da­rüber nachzudenken:

Dinge und Aktivitäten, die dir (schnell) gut tun: ein Bad nehmen, warme Socken anziehen, sich selbst Blumen kaufen, in die Buchhandlung gehen und stöbern, eine heiße Tasse Kaffee genießen, das Haustier streicheln, Lieblings­musik hören …

Menschen, die dich nähren und respektieren: die beste Freundin, deine Kollegin, eine alte Bekannte im Ausland – und die Namen von Menschen, die dir schon einmal in einer Situation geholfen oder Ihnen beigestanden haben …

Namen, Adressen und Telefonnummern von Expert*innen und Professionist*innen (professionellen Helfer*nnen) notieren: Hausärzt*n, Therapeut*in, Berater*in, Beratungsinstitute, Beratungseinrichtungen, Selbsthilfegruppen, Gruppen in sozialen Netzwerken.

Bewahren Sie diese Liste dort auf, wo Sie jederzeit Zugriff haben, um sie im Notfall als ressourcenstärkende "Erste Hilfe" nutzen zu können.

Quelle: Tipps von Sabine Felgitsch, Individualpsychologische Beraterin (AKABP) und Supervisorin (WKO) sowie Diplomierte Lebens- und Sozialberaterin.

 

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