Was passiert, wenn ich beim Kältetelefon anrufe?

Etwa 15.000 Menschen in Österreich sind obdachlos. Gerade im Winter wird aus Leben auf der Straße oft ein Überleben. Das Caritas Kältetelefon kann für einige in der kalten Zeit die Rettung bedeuten.

Kältebus der Caritas

Viele Leute möchten helfen, wenn sie in der kalten Jahreszeit einen Menschen ohne Schlafplatz auf der Straße sehen, wissen aber nicht genau wie. Dabei ist es dank des Caritas Kältetelefons eigentlich ganz leicht. Wir haben bei Susanne Peter, der Projektleiterin des Kältetelefons nachgefragt, wie ein Anruf beim Kältetelefon abläuft, welche Angaben man als Anrufer*in machen muss und in welchen Fällen man lieber gleich die Rettung holt.

WIENERIN: Was ist das Kältetelefon und seit wann gibt es das?

Susanne Peter: Das Kältetelefon gibt es seit 2012. Ziel des Kältetelefons ist, dass Passanten uns Plätze von Obdachlosen melden, damit wir diese Menschen aufsuchen und ihnen einen Schlafplatz vermitteln können. Im ersten Jahr waren es, glaube ich, um die 500 Anrufe, im letzten Jahr bereits zwischen 6.000 und 7.000.

Wie viele Anrufe hatten Sie heuer schon?

Das Kältetelefon läuft jetzt seit 13. November und wir sind bei knapp bei 2.300 Anfragen.

Wie funktioniert das genau? Welche Angaben muss ich machen?

Tagsüber von 6 Uhr Früh bis Mitternacht sind Freiwillige am Telefon, in der Nacht ist das Kältetelefon beim Notruftelefon der Caritas angesiedelt. Wichtig ist, dass wir genau wissen, wo sich der Klient oder die Klientin befindet.

Befindet sich ein Klient beispielsweise irgendwo auf der Donauinsel, ist es wichtig, dass wir auch eine Telefonnummer des Anrufers haben. Für den Anrufer ist vielleicht ganz klar, wo der Ort genau ist, weil er täglich dort vorbeigeht. Wenn wir dann in der Nacht dort hinkommen, haben wir womöglich keine Ahnung, wo das sein soll, das heißt, wir würden dann auch zurückrufen. Was wir noch wissen müssen, ist, wie der Klient ausgestattet ist: Ist das ein Zelt oder hat der nur eine dünne Decke? Da müssen wir dann auch die Wichtigkeit reihen, wenn wir zum Beispiel ein Zelt gemeldet kriegen und jemanden, der nur mit einer leichten Decke zugedeckt ist, dann fahren wir eher den Klienten mit der Decke zuerst an, und dann erst, den, der im Zelt schläft. Mit einem Zelt ist man natürlich geschützter. Darum ist es also wichtig, dass wir eine genaue Beschreibung bekommen. Auch was er anhat, ist eine nützliche Info, da wir auf diese Weise hin und wieder draufkommen, dass wir den Klienten oder die Klientin schon kennen. Manchmal kommt es auch im Gespräch heraus, dass es bereits ein Notfall ist. Dann versuchen wir die Passanten zu motivieren, die Rettung zu holen.

Es kommt auch immer wieder vor, dass jemand anruft, der einen Schlafplatz braucht und selbstständig dorthin fahren könnte – das können wir über das Kältetelefon organisieren. Wir brauchen dann den Namen und das Geburtsdatum des Klienten und können dann Notquartiere anrufen und ihm sagen, Notquartier XY hat einen Platz und er kann dorthin.

Sollte man als Anrufer dann bei Person bleiben, bis jemand kommt?

Auf keinen Fall, weil wir nicht voraussagen können, wann wir dort sein werden. Manchmal ist es so, dass wir eine Stunde später dort sind. Es kann aber auch sein, dass wir erst am nächsten Tag dazu kommen. Es war zum Beispiel im letzten Jahr einmal so, dass wir mit einem Klienten eine ganze Nacht beschäftigt waren. Der wäre uns in dieser Nacht erfroren. Das war mit Rettung und Krankenhaus...bis er dann stationär aufgenommen war eine lange Geschichte, also fast die ganze Nacht. Das heißt, wir wissen nicht, was uns erwartet und wie lang wir beim einem Klienten sind. Es kann auch sein, dass der Anrufer gerade im 19. Bezirk ist und wir aber gerade im 23. Wir versuchen, so zeitnah wie möglich vor Ort zu sein, aber wir sind keine Blaulicht-Organisation. Wir können nicht sagen, wir sind innerhalb von 10 Minuten vor Ort, das geht auf keinen Fall.

Wie oft kommt es vor, dass tatsächlich jemand erfriert?

In einem Jahr ist jemand bereits im November erfroren. Die Problematik ist, es sind nicht unbedingt Minusgrade, die dazu führen, dass man erfriert, sondern wenn die Klientinnen oder Klienten in einem schlechten Allgemeinzustand sind, vielleicht viel getrunken haben, sich nicht gescheit in ihren Schlafsack legen, kann es natürlich vorkommen, dass jemand erfriert. Glücklicherweise ist das nur ganz, ganz selten der Fall. Eben weil es auch sehr viele Notquartiersplätze gibt. Diesen Winter haben wir wieder um 900 Notquartiersplätze mehr. Das Ziel ist, dass wirklich niemand erfriert. Deswegen gibt es das Kältetelefon, damit man sowas verhindert.

Wann sollte man die Rettung holen?

Ich denke, das Kältetelefon anzurufen, ist immer gut, weil man da dann auch meistens über die Freiwilligen mitkriegt, wenn es bereits ein Fall für die Rettung wäre.

Also wenn jemand in einem komischen Zustand ist um zum Beispiel nicht im Schlafsack eingekuschelt, sondern halb unten halb oben liegt, etliche Taschen rundherum, nicht ansprechbar ist - dann sollte man die Rettung holen. Da reicht dann auch ein Schlafplatz nicht mehr aus. Da ist jemand, der wahrscheinlich zu viel getrunken hat und Gefahr läuft, zu erfrieren. Also wenn jemand wirklich nicht mehr ansprechbar ist, dann ist das nix fürs Kältetelefon. Worauf wir auch immer wieder hinweisen: Lieber einmal mehr die Rettung anrufen als zu wenig. Der Anrufer muss die Rettung ja nicht zahlen, Viele glauben, dass man das dann selbst zahlen muss, was aber nicht stimmt.

Gibt es noch andere Kontaktmöglichkeiten?

Man kann uns auch ein Mail schreiben, Anrufen ist uns aber lieber, weil wir dann Fragen stellen können, etwa: Wie schaut er aus, wo befindet er sich genau, etc. Mit dem Nachfragen kommt dann auch manchmal raus, dass es sich bereits um einen Notfall handelt.

Die Nummer des Kältetelefons lautet: 01 480 45 53. Das Telefon ist von November bis Ende April rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche besetzt. Alternativ kann auch ein E-Mail an kaeltetelefon@caritas-wien.at geschickt werden.

 

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