Was passiert mit dem Blut, das wir aus der Menstruationstasse ins Klo leeren?

Menstruationstassen sind umweltfreundlicher und gesünder - aber gilt das auch für das Abwassersystem? Schließlich kippen wir bei jedem Wechsel an die 30 Milliliter Blut ins Klo. Wir haben nachgefragt.

Bis vor ein paar Jahren kannte sie keiner - doch heute sind sie in aller Munde: Menstruationstassen erfreuen sich größter Beliebtheit, und das nicht ohne Grund. Sie sind umweltfreundlicher, gesünder als Tampons oder Binden und sobald man sich an die Handhabung gewöhnt hat, auch einfacher: Man kann sie 10 Stunden am Stück tragen und muss nicht so oft an das Wechseln seiner Monatshygiene denken. Das in der Tasse aufgefangene Blut wird in die Toilette geleert. Um einiges billiger sind sie außerdem auch.

Umweltfreundlich in Produktion und Entsorgung

Menstruationstassen sind sowohl aufgrund von Produktion und Entsorgung umweltfreundlicher als Einweglösungen wie Tampons oder Binden. In Deutschland produzieren alle Frauen zwischen ihrem 15. und 45. Lebensjahr laut der Firma Lunapads zusammen mehr als 20.000 Tonnen Abfall mit Wegwerfhygieneartikeln. Tampons und Binden machen weltweit einen großen Teil des Mülls auf Stränden aus. Aber auch in der Produktion sind Monatshygieneartikel prolematisch: Sie bestehen aus Viskose, die wiederum aus Holz gewonnen wird. Die chemischen Prozesse zur Zellstofffasergewinnung sind sehr energie- und wasserintensiv. Besonders bei der sogenannten Delignifizierung (der technische Prozess zur „Entholzung“ der Faser) kommen Chemikalien zum Einsatz.

Welche Auswirkung hat der Trend eigentlich auf unser Abwasser?

Auf vielen Ebenen sind Menstruationstassen also Binden und Tampons überlegen. Die Tassen fangen das Blut innerhalb der Scheide auf und es wird anschließend unkompliziert in die Toilette geleert. Aber welche Auswirkung hat das vermehrte Menstruationsblut, ausgelöst durch den Menstruationstassentrend, eigentlich auf das Abwassersystem? Immer wieder hört man Bedenken und Gerüchten, dass das Blut eine negative Auswirkung auf das Abwasser hätte.

"Alles, was aus dem häuslichen Abwasser kommt, darf über die Kanalisation entsorgt werden", so Josef Gottschall von Wien Kanal. "Die 30 Milliliter Blut, die eine Tasse auffängt, fallen ganz klar unter die Richtlinie der häuslichen Verwendung laut Allgemeiner Abwasseremissionsverordnung". Er schätzt die Entsorgung absolut unbedenklich ein, Wien Kanal transportiert das Abwasser zur Wiener Hauptkläranlage Simmering, wo das Wasser gereinigt wird.

Die Hauptkläranlage Wien Simmering wurde 2005 um eine zweite biologische Reinigungsstufe erweitert, wodurch es zu einem weitgehenden Abbau von hormonell wirkenden Substanzen kommt. "Die ebs.wien hauptkläranlage reinigt das gesamte Abwasser der Wienerinnen und Wiener unter penibler Einhaltung sämtlicher gesetzlicher Vorschriften und Grenzwerte", teilt Karl Wögerer von der Öffentlichkeitsarbeit mit.

Und wie ist das mit den Hormonen im Wasser?

Aufgrund des vermehrten Verwendens der Anti-Baby-Pille kam es in den letzten Jahren zu vielen Überschriften, dass vermehrt Östrogen im Wasser festgestellt wurde - dahingekommen war es durch die Ausscheidungen von Frauen, die die Pille nehmen. Das hat auch schon Auswirkungen gezeigt: Bei männlichen Fischen wurde schon ein Verweiblichen festgestellt, das heißt ihre männlichen Geschlechtsteile wurden kleiner und ihre Spermien weniger reif. Bei Menschen wurden bisher keine negativen Auswirkung festgestellt. (Ob eine Auswirkung auf die geringere Zeugungsfähigkeit von Männern besteht, konnte noch nicht wissenschaftlich bestätigt werden).

Laut Dr. Karl Tamussino, Leiter der klinischen Abteilung für Gynäkologie am der Universitäts-Frauenklinik Graz, ist es nahezu ausgeschlossen, dass es durch die Verwendung von Menstruationstassen zu relevanten Mengen von Östrogenen im Wasser kommt. Der Östrogenspiegel im Blut ist zum Zeitpunkt der Menstruation im Vergleich zum restlichen Zyklus niedrig.

Es ist also völlig unbedenklich, die Menstruationstasse übers Klo zu leeren - noch ein Vorteil gegenüber Tampons, die leider noch viel zu oft über die Toilette runtergespült werden.

 

Aktuell