Was können Sie am besten?

Vor Kurzem erzählte mir eine Freundin von einem Gespräch mit ihrem vierjährigen Sohn, das sie sehr getroffen hat. Es ging darum, was sie aus seiner Sicht am besten kann. Die Antwort war erschreckend. WIENERIN-Redakteurin Eva Jankl begibt sich auf Spurensuche.

Was tut man nicht alles für die lieben Kleinen: Man wäscht ihnen jahrelang den Popo, füttert sie über Monate zu jeder Tages- und Nachtzeit, gewöhnt sich an ein Schlafminimum, tritt im Job kürzer, spielt das Taxi, wenn sie zu Freunden wollen oder diese zu ihnen ... Die Liste könnte ich jetzt unendlich weiterführen. Was bekommt man zurück? Sehr vieles. Kinderlachen zum Beispiel oder bedingungslose Liebe. Das ist auch wunderbar und auch sehr, sehr schön. Aber es ist eben nicht alle positiv, was zurück kommt.


So hat mir eine Freundin vor einigen Wochen von einem Gespräch mit ihrem vierjährigen Sohn anlässlich des Muttertages erzählt. In diesem hat sie ihn unter anderem gefragt, was sie selbst aus seiner Sicht am besten kann. Die Antwort war erdrückend, nämlich „Schimpfen“.


Wie der Kleine auf diese Antwort kommt, ist mir bis heute ein Rätsel. Diese Freundin ist ein ausgesprochen geduldiger und warmherziger Mensch und schimpfen höre ich sie nur ganz selten. Und wenn, dann in Situationen, in denen es wirklich gerechtfertigt ist - wie zum Beispiel, wenn der Kleine eine Straße mit dem Laufrad überquert, ohne auf seine Mutter zu warten, was in diesem Alter einfach viel zu gefährlich ist. Nichtsdestotrotz lautete seine Antwort so. Und es ging noch weiter, denn ihre zweitbeste Fähigkeit - laut Sohn - ist es Wäsche aufzuhängen. Wenn es jetzt eine Wäscheaufhängolympiade gegeben hätte, bei der sie Siegerin geworden ist, könnte man diese Wahl noch verstehen, aber so? Wer will schon „Wäsche aufhängen“ als zweitbeste Fähigkeit zugeschrieben bekommen? Diese Freundin steht mit beiden Beinen fest im Beruf, macht tausend andere Dinge und der Haushalt läuft halt so nebenher. Im Vergleich dazu: Die besten Fähigkeiten des Vaters belaufen sich auf Essen kochen und ausgehen – auch das entspricht nicht dem Bild, das ich von ihm habe. Immerhin ist er ein Universitätsprofessor. Jemand, der mit Leib und Seele Dinge erforscht und anderen erklärt. Etwas, was sein Kind natürlich nur zum Teil mitbekommt, da er nie im Hörsaal sitzt.


Meine Neugier trieb mich dazu an, meine eigene Tochter (die zufällig im selben Alter ist) auch diese Frage zu stellen. Was kann Mama eigentlich am besten? Ob die Antworten besser waren? Nicht wirklich. Denn 1. Kochen, 2. Spiele spielen und 3. den Namen meiner Tochter zu schreiben sind jetzt auch nicht gerade Schmeicheleien. Vor allem muss man zum Thema Kochen wissen, dass meine Tochter vor allem Speisen wie bloße Nudeln, Palatschinken oder Würstel bevorzugt und keine Haubenküche. Zwar mag ich dem Kelch von wegen Schimpfen sei meine Spezialität noch einmal entgangen sein. Aber seien wir uns ehrlich: Wahrscheinlich ist sie nur nicht auf die Idee gekommen, etwas Negatives zu nennen.


Und was können Sie am besten? Fragen Sie Ihre Kinder! Oder wissen Sie was: Lassen Sie es doch besser bleiben.

 

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