Was ist so schlimm am Wort "lecker"?

Über das Wort "lecker" können sich viele Leute furchtbar aufregen. Es sei viel zu "deutsch" und viel zu wenig "österreichisch", finden sie. WIENERIN-Redakteurin Ursula Neubauer aber verwendet´s gern. Ein Plädoyer für "lecker"!

Was ist so schlimm an "lecker"?

Letztens hatte ich einen Buchtipp in der WIENERIN getextet (es ging um Nachspeise) und in meiner Beschreibung kam das Wort "lecker" vor. Woraufhin mir von einer Leserin prompt erklärt wurde, dass "lecker" in einem österreichischen Frauenmagazin nichts verloren hätte. Denn der Begriff wäre viel zu "deutsch".

Seh ich aber anders. Erstens finde ich nämlich, wenn es um die Beschreibung von "lecker" geht, dann schwächelt unser ur-österreichischer Wortschatz ein bisschen. Ich würde ja durchaus auch mal was anderes verwenden, wenn denn was Passendes da wäre. Aber: Bei "wohlschmeckend" seh ich gleich Kaiserin Sissi an einer langen Tafel vor mir, "köstlich" klingt für mich irgendwie geschwollen und "appetitlich" ist jetzt auch kein sprachlicher Leckerbissen. Von "schmackhaft" gar nicht erst zu reden ...

Keines sagt so schön kurz, modern und gut klingend, dass etwas "lecker" schmeckt - wie eben "lecker".

Die Sprache lebt halt auch

Und zweitens denke ich mir nichts dabei, "lecker" zu verwenden, weil es wie kaum ein anderes - ursprünglich eher deutsches Wort - längst im österreichischen Sprachgebrauch verankert ist. Sprache ist lebendig, die verändert sich ständig, auch der Duden ist im Jahr 2016 schon total großzügig. Laufend entstehen neue Wörter wie z.B. "googeln", warum also nicht einfach akzeptieren, dass "lecker" längst ein gut integrierter Bestandteil der österreichischen Sprache ist? Ich finde, das könnte man jetzt langsam mal.

Auch gerne die Leute über 50 - laut Untersuchungen von Sprachwissenschaftlern sind es nämlich vor allem Menschen 50+, die gegen Deutschlandismen ankämpfen. Was, glaubt man den Sprachwissenschaftlern, auch irgendwie wieder verständlich ist: Denn ausschlaggebend, wie man Sprache bewertet, ist, in welcher Sprache man selbst sozialisiert wurde.

 

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