Was ist gesünder: Dienst nach Vorschrift oder Überstunden?

Eine neue Studie zeigt, dass die Hälfte der Österreicher Dienst nach Vorschrift, sprich keine Überstunden, macht. Wir haben Gesundheitscoach Andrea Schuh gefragt, was der gesündere Zugang zur Arbeitswelt ist.

Dienst nach Vorschrift oder Überstunden – was ist besser für Körper und Geist?

Andrea Schuh: Das kann man so nicht sagen. Kurzfristige Belastungen kann der Mensch gut kompensieren, aber eine Dauerbelastung, also wenn eine Person über einen sehr langen Zeitraum sehr viele Überstunden anhäuft, macht die Person langsamer. Wir haben nur eine bestimmte Menge an Energie und wenn diese verbraucht ist, führt der Weg direkt ins Burnout.


Wenn ich täglich eine Überstunde mache, bin ich dann auch gefährdet?

Eine Überstunde macht fast jeder. Ob das zu viel ist oder nicht, ist sehr individuell. Jede Person ist anders und hat unterschiedliche Belastbarkeitsgrenzen. Es gibt Menschen, die sind gleich überfordert und andere halten viel aus. Das hängt aber auch vom Privatleben ab: Wie ist die Partnerschaft, ist jemand finanziell abgesichert... Wenn die Arbeit stressig ist und das Privatleben aber ausgeglichen, dann werden Belastungen allgemein besser überstanden.


Kann ich auch ohne Überstunden Karriere machen?

Die Menschen, die ich im Bankenwesen und in der Privatwirtschaft kenne, und die Karriere machen, die investieren immer mehr als acht Stunden täglich. Manager haben All-Inklusive-vertrage und müssen zusätzlich zu den Stunden im Büro auch zu Veranstaltungen und Geschäftsessen am Abend gehen, denn auch Netzwerken gehört dazu.


Wie stehen die Firmen zu Überstunden?

Einige Firmen versuchen sogar zu verhindern, dass Überstunden angehäuft werden. Es gibt Auffangsysteme, welche den Mitarbeitern nach einer gewissen Zeit z.B. nach 10 Stunden per SMS mitteilen, dass sie jetzt heimgehen sollen.

Im Jahr 2009 haben etwa 840.000 Menschen in Österreich Psychopharmaka verschrieben bekommen. Wie viele Menschen haben ein Burnout?

Über 1 Million Menschen in Österreich sind Burnout-gefährdet. Heute sind schon viele Krankenstände auf seelische Erkrankungen zurück zu führen. Und die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher. Denn viele körperliche Schmerzen gehen wahrscheinlich auch auf seelische Spannungszustände zurück.


Wie kann man ein beginnendes Burnout erkennen?

Ein Burnout verläuft in verschiedenen Phasen ab: Das beginnt mit einer emotionalen Erschöpfung und dem Gefühl, ich schaffe nichts mehr, mir ist das alles zu viel bis hin zu körperlichen Beschwerden wie Herzklopfen, Verspannungen etc. Und dieses Gefühl, diese Probleme kommen nicht von heute auf morgen. Das schleppen die Menschen lange mit sich mit und werden dann in weiteren Phasen zynischer, sogar richtig sarkastisch gegenüber anderen. Zum Schluss können sie gar nichts mehr leisten.


Wie sollte man dann reagieren?

Wenn man sich hineinhört und man erkennt derartige Zeichen, dann sollte man der Sache auf den Grund gehen. Wo kommend die Gedanken und Empfindungen her. In welcher Situation passiert das? Man sollte, wenn man solche Verhaltensmuster erkennt, für sich selbst das Stoppschild setzen und bewusst nicht alles machen, sondern Prioritäten setzen. Das mache ich und der Rest kann noch liegen bleiben.


Ist jeder gleich stark gefährdet?

Menschen, die sehr pflichtbewusst sind, sind mehr gefährdet. Also jene Menschen, die versuchen alles zu machen. Sie haben eine hohe Leistungsbereitschaft, haben das Gefühl, wenn sie stark sind, dann geht das schon. Dabei übersehen sie die eigenen Grenzen. Im Übrigen sind Frauen durch die Doppelbelastung von Beruf und Familie mehr gefährdet. Zum täglichen Arbeiten kommt der Einkauf, die Hausarbeit, die Kinder dazu und das alles summiert sich. Die meisten Burnouts gibt es in der Altersgruppe von 31 bis 50 Jahren. Das beginnt schon damit, dass junge Menschen studieren sollen, im Ausland gewesen sein müssen, drei Jahre Berufserfahrung brauchen – das sind sehr, sehr viele Ansprüche.


Was kann man als Ausgleich zum Beruf für sich machen?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen suchen diesen im Sport und brauchen Bewegung, andere finden ihren Ausgleich im sozialen Umfeld, der Familie. Ein Generalrezept gibt es nicht.

Andrea Schuh

Die Expertin

Andrea Schuh ist Pharmareferentin, nlp-Resonanz®-Master-Practitioner, Resonanz-Coach, Resonanz-Gesundheitscoach sowie Lebens- und Sozialberaterin und macht Coachings für Menschen zu gesundheitlichen Themen und mit chronischen Erkrankungen
Kontakt: Health + Life Gesundheitsmanagement, Mariahilfer Straße 103/21, Stiege 1, 1060 Wien, 01/ 53 553 59

 

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