Was ist der Unterschied daran, wie Millenials und Gen Z mit Mental Health umgehen?

Haben junge Menschen heute mehr psychische Probleme oder sind sie nur sichtbarer, da diese Generation offener damit umgeht?

Was ist der Unterschied daran, wie Millenials und Gen Z mit Mental Health umgehen?

Vor einigen Wochen war ich mit meinem Cousin, der einige Jahre jünger als ich und ein klassischer Gen Z ist, Essen. Zwischen Vor- und Nachspeise erzählte er mir von seinen psychischen Problemen in einem Ton, der so nonchalant war, dass ich nur staunen konnte. Nicht weil mir psychische Probleme und der Umgang damit unbekannt waren. Ich selbst war einige Jahre in Behandlung gewesen, aber der Unterschied, wie ich damit umgegangen war, war massiv. Monatelang hatte ich niemandem in meinem engeren Umfeld darüber gesprochen und ich hatte eine Weile gebraucht, bis dieses Thema für mich nicht mehr mit Scham behaftet war. Er allerdings erzählte es, als wäre es ein gebrochenes Bein. Und ich fand es großartig.

Generation Therapie

Was ist der Unterschied, wie meine Generation, die nur ein knappes Jahrzehnt älter ist als er, mit dem Thema umgeht? Obwohl das Interesse an psychischer Gesundheit seit Jahren zunimmt und Millennials als "Therapie-Generation" bezeichnet werden, setzen sich Generation Z wie keine Generation zuvor für sich selbst ein. "Wir erleben wirklich von einer ganz neuen Generation, wie wir über psychische Gesundheit sprechen", sagt Vaile Wright, Psychologin und Sprecherin der APA gegenüber Bustle. "Das fing schon vor der Pandemie an und hat sich seitdem noch verstärkt."

Härtefall Covid-19

Selbst für diejenigen, die es nicht gewohnt sind, über psychische Gesundheit zu sprechen, rückte COVID-19 das Thema aus der Not heraus in den Mittelpunkt. In einer Studie aus dem Jahr 2021, an der etwa 2.100 amerikanische Erwachsene teilnahmen, berichteten 81 % von mindestens einem Symptom einer Depression, wobei jüngere Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren ihre psychische Gesundheit am ehesten als schlecht oder mittelmäßig einstuften. Der U.S. Surgeon General hat sogar eine Empfehlung zur "Krise der psychischen Gesundheit von Jugendlichen" herausgegeben.

Mehr Awareness

Dabei ist es aber nicht so, dass die Zahl der jungen Menschen mit Problemen massiv in die Höhe gegangen sind. Junge Menschen heute sind nur nicht mehr bereit diese zu verstecken. Während Millenials bereits begannen mehr darüber zu sprechen und auch Stars dieser Generation von ihren Problemen berichteten, wird Gen Z noch lauter und spielt das gesamte Thema auch vermehrt in die sozialen Medien. Besonders Tiktok ist voller Videos, in denen junge Menschen von ihren Problemen berichten, bei der Diagnose helfen und dadurch das Thema entstigmatisieren.

Und während Expert*innen vor Selbstdiagnosen warnen, ist dieser offene Umgang mit psychischen Problemen auch erfrischend und für viele sehr hilfreich. Die Hürde sich Hilfe zu suchen sinkt dadurch und es wird auch klarer gemacht, dass einem nichts "extrem schlimmes passiert sein muss" damit die eigenen Probleme valide sind und ernstgenommen werden dürfen.

Andere Therapieart

Die Generation Z ist auch eher bereit, ihre psychischen Probleme zu erkennen und zu benennen, sagt Janelle Peifer, zugelassene klinische Psychologin, Assistenzprofessorin für Psychologie an der Universität von Richmond und Gründerin des Zentrums für integrative Therapie und Wellness. "Das tatsächliche Vorhandensein psychischer Probleme ist also nicht unbedingt höher, aber die offene und transparente Diskussion dieser Probleme ist möglicherweise ausgeprägter", sagt sie. Dies wirkt sich auch auf ihre Einstellung zu Schule, Arbeit und Behandlung aus.

Caitlin Billings, Psychotherapeutin und zugelassene klinische Sozialarbeiterin, sagt, dass sich ihre Klient*innen der Generation Z - und sogar einige der Millennials - eine Beziehung wünschen, die nicht gestelzt ist. Die alten Grenzen - die Dinge unpersönlich zu halten und so weiter - sind out. "Sie wollen, dass ich fluche, sie wollen, dass ich aus dem Stegreif etwas sage", sagt Billings. Und sie fügt hinzu, dass ihre Gen Z-Kunden offen für Interventionen und Vorschläge sind. "Sie wollen verstehen: Warum habe ich eine PTBS-Diagnose? Sie wollen die Liste mit Symptomen genau durchgehen, sich anschauen was sie erfüllen und wirklich verstehen, woher das kommt und warum sie das haben."

 

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