Was ist bei der Pflege dunkler Haut zu beachten?

Eine Dermatologin erklärt, welche Hauterkrankungen eher bei dunkler Pigmentierung auftreten, gibt Tipps für die tägliche Skincare-Routine und räumt mit gängigen Mythen auf.

Was ist bei der Pflege dunkler Haut zu beachten?

Können dark skinned BIPoC* getrost auf Sonnencreme verzichten? Welche Produkte sollten in der Skincare-Routine dunkler Hauttypen nicht fehlen (und welche lieber gemieden werden)? Wie erkenne ich einen Hautausschlag auf dunkler Haut?

Als schwarze Person/Person of Color* in einer weißen Mehrheitsgesellschaft ist es oft nicht leicht, an Informationen und Produkte passend zum eigenen Hauttyp zu kommen bzw. Ärzt*innen ausfindig zu machen, die sich auch mit nicht-weißer Haut auskennen. Wir haben mit Univ.-Prof. Dr. Angelika Hofer, Professorin für Dermatologie an der Med Uni Graz, über die Bedürfnisse dunkler Haut gesprochen - und viel Neues gelernt:

*BIPOC , BPOC und POC sind Abkürzungen aus dem Englischen, die für Black and Indiginous and People of Color, Black and People of Color bzw. für People of Color stehen.

WIENERIN: Es kursiert immer wieder der Mythos, dass sich helle und dunklere Haut in der Beschaffenheit unterscheiden bzw. dass dunkle Haut etwas dicker, fester wäre – kompletter Blödsinn oder ist da was dran?

Angelika Hofer: Mythen dieser Art stammen von Untersuchungen, die größtenteils schon viele Jahre alt sind. Die Studienlage ist zu diesem Thema leider auch heute noch nicht so umfassend, in einzelnen Bereichen weiß man aber schon ein bisschen mehr: Dicker ist die Haut bei dunkel pigmentierten Personen nicht, aber man sagt schon, dass es mehr Zellschichten gibt, da die Zellen ein bisschen kompakter miteinander verbunden sind. Das kann dazu führen, dass bestimmte Erkrankungen leichter auftreten können als bei heller pigmentierten Personen.

Auch bei der Unterhaut, der Dermis, gibt es Unterschiede. Etwa bei den Enzymen, die Bindegewebsfasern abbauen, auch die Aktivität der Zellen ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein wenig unterschiedlich, woraus sich erklärt, dass Personen mit dunkel pigmentierter Haut eine besondere Neigung zu Vernarbungen haben.

Welche Hauterkrankungen treten eher bei dunklen Hauttypen auf?

Diverse Pigmentstörungen - auch einfach, weil sie bei dunkler Haut auffälliger sind als bei heller Haut - und was die tiefere Hautschicht betrifft, Haarwurzelentzündungen, die ebenfalls zu Vernarbungen führen können. Das liegt daran, dass die Haare bei dunkler pigmentierten Personen etwas anders aufgebaut sind als bei heller pigmentierten Menschen. Die Haare sind oft stärker gekräuselt, im Aufbau nicht ganz so rund, sondern haben eher eine elliptische Form, wodurch sie den Haarwurzelschaft ein bisschen mehr irritieren, etwa wenn ein starker Zug an die Haare kommt. Das bewirkt, dass die Haarwurzel empfindlicher wird und es häufiger zu Entzündungen kommt, in manchen Fällen auch zum Haarausfall.

Was man immer wieder bei älteren Menschen mit dunkler Haut sieht: Papeln im Gesicht, also winzige, erhabene Verdickungen der Haut wie sie etwa Morgan Freeman hat. Sie sind vollkommen harmlos, manchmal kosmetisch störend. Das Gleiche sehen wir bei heller haut nie - dafür kommt es hier zu Altersflecken.

In vielen Fällen kann man nicht sagen, ob diese Erkrankungen bzw. Erscheinungen auftreten, weil jemand dunkle oder helle Haut hat oder weil die genetische Neigung innerhalb einer bestimmten Bevölkerungsgruppe weitergegeben wurde.

Pigmentstörungen, Vernarbungen – kann man etwas dagegen tun?

Man kann auf jeden Fall vorbeugen, das ist hier das Wichtigste. Sind Vernarbungen einmal da – egal, ob helle oder dunkle Haut, lassen sie sich nur schlecht behandeln. Es ist hier auch wichtig, gut zu beraten. Habe ich Patient*innen, die ein dunkler Hauttyp sind und es ist ein operativer Eingriff nötig, kläre ich darüber auf, dass die Narbe an bestimmten Stellen leichter zu einer Verdickung führt als an anderen.

Das sollte man zum Beispiel auch beim Piercen und Tätowieren beachten. Wenn Tattoos nicht gut gemacht sind und es zu Entzündungen kommt, können durchaus heftige Vernarbungen entstehen. Es ist wichtig, Verletzungen sachgerecht zu behandeln und zu schauen, dass sich das Ganze nicht noch zusätzlich entzündet und Narben die Folge sind.

Einige Personen versuchen, ihren Hautton bei Pigmentstörungen mit bleichenden Cremes wieder anzugleichen. Das Problem bei solchen Cremes ist, dass sie fleckige Reaktionen hervorrufen können und darüber hinaus oft sehr gesundheitsschädigend sind. Manche dieser Cremes enthalten Quecksilberverbindungen oder Hydrochinon, eine Substanz, die die Zellen sehr massiv schädigt. Der Einsatz dieses Wirkstoffes ist aufgrund seiner starken Nebenwirkungen mittlerweile weltweit reglementiert und nur in sehr geringer Konzentrationen in Bleichcremen zugelassen.

Wie kann man Pigmentflecken vorbeugen? Geht das überhaupt?

Wenn Menschen, die Hautentzündungen haben - speziell jene mit dunkler Haut-, in die Sonne gehen oder Entzündungen lange bestehen, entstehen in den entsprechenden Arealen häufig dunkle Flecken, die dann bleiben. Es ist also wichtig, diese Entzündungen zu verhindern und z.B. auch Akne gut vorbeugend zu behandeln (Poren durch entsprechende Pflege öffnen, …), sodass es erst gar nicht zu schweren Pickeln und starken Entzündungen kommt. Sollten doch Entzündungen auftreten, als dunkler Hauttyp lieber für ein paar Tage zu starke Sonne meiden.

Auch bei Pflegecremen mit Duftstoffen (Bergamotteöl), die in der EU nicht zugelassen sind, sollte man Acht geben. In Kombination mit Sonnenlicht kann es an den Hautstellen, auf welche diese Duftstoffe aufgetragen wurden, zu bleibenden dunklen Verfärbungen kommen.

Bei einem Hautausschlag auf weißer Haut sieht man rote Flecken. Wenn eine dunkel pigmentierte Person einen Hautausschlag hat, sieht man allerdings braune Flecken in verschiedener Färbung. Hier ist es wichtig, umzudenken.

von Univ.-Prof. Dr. Angelika Hofer

Stimmt es, dass Menschen mit dunklem Hauttyp lange in der Sonne bleiben können, ohne dass es ihre Haut schädigt?

Je mehr Pigmentierung in der Haut ist, desto länger kann man sich in der Sonne aufhalten, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen oder das Hautkrebsrisiko zu erhöhen. Bei sehr stark pigmentierten Personen ist die Wahrscheinlichkeit für Sonnenbrand tatsächlich gering. Sonnencreme ist dennoch sinnvoll, eben auch, um diese vermehrten Flecken nach Entzündungen zu vermeiden.

Was oft vergessen wird: Da die Haut aufgrund der dunklen Pigmentierung weniger Sonne aufnimmt, kann der Körper schwieriger Vitamin D produzieren. In Äquatornähe reicht die Sonne immer aus, um auch in sehr dunkel pigmentierter Haut Vitamin D-Bildung sicherzustellen. Bei uns ist das oft nicht der Fall, weshalb es nicht schaden kann, in einer Laborkontrolle den Vitamin D-Spiegel feststellen zu lassen und das Vitamin D ggf. zu substituieren.

Das Melanomrisiko ist bei dunkler Haut zwar im Großen und Ganzen gering - dort, wo die Haut dunkel pigmentiert ist -, jedoch ist man nicht vor Melanomen im Handflächen-, Fußsohlen-, oder Geschlechtsbereich geschützt.

Wie erkennt man Melanome auf dunkler Haut?

Auch bei sehr dunkler Haut sind Muttermale meist immer noch erkennbar, da die Haut in diesem Bereich noch eine Spur dunkler ist. Melanome fallen üblicherweise durch Wachstum auf und werden mit der Zeit erhaben. In der Regel fällt auf, dass eine Veränderung stattfindet.

Und wie sieht es mit Hautausschlägen aus?

Das ist für uns Ärzt*innen tatsächlich oft schwierig: Bei einem Hautausschlag auf weißer Haut sieht man rote Flecken. Wenn eine dunkel pigmentierte Person einen Hautausschlag hat, sieht man allerdings braune Flecken in verschiedener Färbung. Hier ist es daher wichtig, umzudenken, denn braune Flecken bedeuten bei hellen Hauttypen eigentlich immer, es ist etwas Altes, etwas, das schon in Abheilung ist, nichts Akutes.

Ich stelle mir dann beispielsweise die Frage: Was könnte das sein, wenn das hellrote Flecken wären? So kann man eher einschätzen, wie akut die Erkrankung ist und findet leichter eine Diagnose. Es gehört auf jeden Fall etwas Übung dazu.

Ein bekanntes Beispiel ist die Röschenflechte, eine Viruserkrankung, die häufig bei jungen Erwachsenen auftritt. Während die Erkrankung bei Personen mit weißer Haut relativ ähnlich abläuft, sieht man, dass Menschen mit dunklem Hauttyp oft sehr unterschiedliche Verläufe zeigen, manchmal ist das Gesicht ist befallen, das sonst eher selten befallen ist, oft tritt die Röschenflechte auch wiederholt auf, etc.

Warum sieht man Anzeichen der Hautalterung bei Schwarzer Haut erst später?

Hautalterung entsteht in erster Linie durch UV-Licht. Es sorgt dafür, dass Collagen abgebaut und das Bindegewebe brüchiger wird, elastische Fasern vermehren sich, hinzu kommt der Abbau von Hyaluron – dadurch entstehen Falten. Die dunkle Pigmentierung bzw. der höhere Anteil an Melanin fängt UV-Strahlung besser ab, weshalb Anzeichen der Hautalterung bei sehr dunkel pigmentierten Menschen oft rund zehn Jahre später auftreten.

Haben Sie spezielle Tipps für die Hautpflege-Routine?

Personen mit dunkler Pigmentierung neigen oft ein bisschen mehr zu fettiger Haut, auch die Neigung zu Akne ist des Öfteren vertreten, daher wäre es wichtig, fette Salben im Gesicht zu vermeiden. Diese sorgen dafür, dass es zu Entzündungen kommt. Man sollte allerdings dennoch rückfetten, etwa mit einer milden Hyaluron-haltigen Pflegecreme. Ist dunkle Haut trocken, sieht sie oft etwas gräulich aus, durch eine Feuchtigkeitspflege erzielt man eine sehr schöne Farbintensität. Gegen Akne kann zusätzlich ein mildes Peeling, z.B. ein chemisches mit einer milden Salizylsäure, helfen. Bei der Sonnencreme ist LSF 15 für sehr dunkle Haut ausreichend.

Bei Anti-Aging-Produkten wie Vitamin A-Säure-Präparaten würde ich raten, genau darauf zu achten, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, um bleichende Substanzen zu vermeiden. Alles, was im heimischen Handel zu bekommen ist, kann man grundsätzlich problemlos verwenden sofern keine Grunderkrankung vorhanden ist.

In Lehrbüchern sind allgemein viel zu wenige Personen mit dunkler Haut mit den betreffenden Hauterkrankungen abgebildet.

von Univ.-Prof. Dr. Angelika Hofer

Sie haben ja bereits erwähnt, dass es Übung braucht, um Krankheitsbilder auf unterschiedlichen Hauttypen zu erkennen - lernt man das im Studium überhaupt?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich bin ja selbst Lehrbeauftragte für Dermatologie an der Med Uni Graz und meine Stundent*innen haben mir schon oft gesagt, sie wollen mehr Fotos von Erkrankungen auf dunkler Haut sehen – das ist also etwas, das wir jetzt ganz aktiv betreiben.

In Lehrbüchern sind allgemein viel zu wenige Personen mit dunkler Haut mit den betreffenden Hauterkrankungen abgebildet. Vermutlich, weil das Bild nicht so einprägsam ist wie bei heller Haut, aber natürlich müsste man beides zeigen. Ich versuche, das in meinen Vorlesungen auch umzusetzen.

Ich denke auch, dass allgemein mehr Studien notwendig sind, zum Beispiel, um festzustellen, warum bestimmte Erkrankungen wie etwa Keloide eher bei dunkler Haut auftreten. Die Forschung sollte sich mehr damit auseinandersetzen, wie man dunkel pigmentierte Personen bestmöglich schützen kann, ob Unterschiede in der Therapie von dunkler und heller Haut nötig sind, etc. – da wissen wir ja bislang kaum etwas. Es ist eine Thematik, die eindeutig untererforscht ist, jedoch ist definitiv der Bedarf da.

 

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