Was hat eine nackte Frau auf einer Skirenn-Werbung zu suchen?

Eine entblößte Frau in hilfloser Pose als Testimonial für eines der prestigeträchtigsten Damen-Ski-Rennen der Saison. Unser verdienter "Fail der Woche".

Was haben nackte Frauen mit Skirennen zu tun? Eigentlich nichts. In der Welt von Maler Christian L. Attersee offenbar sehr viel. In seinem Entwurf für das Werbeplakat der Rennveranstaltung, die Ende des Jahres am niederösterreichischen Semmering stattfindet, porträtierte der Maler erneut eine Skirennläuferin als Akt, völlig entblößt und in unterwürfiger Pose. Ein Motiv, das am Wochenende für heftige Diskussionen sorgte, nachdem es die Wiener Gemeinderätin Faika El-Nagashi und Journalistin Corinna Milborn öffentlich machten. Dem Werberat wurden außerdem bereits erste Beschwerden in der Causa entgegengebracht (hier möglich).

ÖSV und Niederösterreich in der Kritik

Nicht nur das Motiv des Künstlers wurde vielfach scharf kritisiert, auch die Auftraggeber des Werks, der österreichische Skiverband (ÖSV) und das Land Niederösterreich, sahen sich empörten Reaktionen ausgesetzt. Nun ließe sich im Falle des Künstlers noch mit künstlerischer Freiheit argumentieren, schließlich obliegt es dem Künstler zu malen, was ihm beliebt (und das waren bereits in der Vergangenheit, etwa 2013 zur Ski-WM in Schladming, Akte). Allerdings wäre es Aufgabe der Auftraggeber gewesen, das Werk entsprechend zu prüfen - schließlich war von Anfang an klar, dass dieses öffentlichkeitswirksam als Werbeplakat ausgestellt werden sollte.

Gerade an dieser Stelle hat sich der ÖSV, der sich lange Zeit schwertat mit den zahlreichen Missbrauchsvorwürfen aufzuräumen, keinen Gefallen getan. Es wäre eine Frage des minimalsten Feingefühls gewesen, nach allen Vorwürfen der letzten Monate, nicht mit einer splitterfasernackten Frau für ein sportliches Großereignis zu werben. Völlig abgesehen von der Tatsache, dass man sich als Athletin des österreichischen Teams fragen muss, welches sportliche Bild von Skifahrerinnen man als ÖSV damit in die Öffentlichkeit senden möchte.

Gleiches gilt für das Land Niederösterreich und dessen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die dasWerk Anfang Dezember der Presse vorstellte. Im Jahr 2018, in dem wir nicht endlich den Mut gefunden haben öffentlich über Sexismus und sexuelle Belästigung zu diskutieren, sondern in westlichen Ländern das Verbot von sexistischer Werbung längst politische Realität ist, sollte die Ablehnung eines solchen Sujets im Vorfeld selbstverständlich sein.

Eigenständig vs. hilflos

Der Künstler Attersee kann die Kritik indes nicht nachvollziehen. Er "betrachte den Entwurf zu dem Plakat als ein Kunstwerk für die Öffentlichkeit, in dem die Kraft, Eigenständigkeit und das Selbstbewusstsein der Frauen positiv gezeigt wird", so der Maler in einer gemeinsam Stellungnahme mit dem ÖSV an den österreichischen Werberat. Ähnlich argumentiert der ÖSV, der bedauert, "Befindlichkeit von Betrachtern" in irgendeiner Weise "unbeabsichtigt" verletzt zu haben.

Nicola Werdenigg, ehemalige Skirennläuferin und eine der ersten, die Missbrauchsvorwürfe gegen den ÖSV öffentlich machte, kann dieser Erklärung wenig abgewinnen. Sie kritisierte nicht nur die Aktdarstellung, sondern auch die sichtlich hilflose Pose der dargestellten Frau. Das Sujet sei "völlig deplatziert", "sexistisch" und würde "noch dazu einen Anfängersturz darstellen" und damit das Können der Athletinnen zusätzlich ins Lächerliche ziehen.

Im Internet ließ man es sich nicht nehmen auf humorvolle Art auf das umstrittene Sujet zu antworten. Anspielend auf die Vorstellung, wie die Öffentlichkeit wohl reagiert hätte, wenn man die Spitzensportler aus dem Herren-Ski-Team in einer derartigen Pose dargestellt hätte, tauchte wenig später in den sozialen Medien folgendes Sujet auf:

Letztlich ist die Frage, ob das Plakat nun in Ordnung ist oder nicht, keine feministische und schon gar keine, die mit den "Befindlichkeiten des Betrachters [sic]" zu tun hat. Es ist eine Respekt-Frage, an der die Auftraggeber kläglich gescheitert sind.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

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