Was gerade im Jemen passiert – und wie du helfen kannst

Laut den Vereinten Nationen sei es "die größte humanitäre Krise der Welt", die aktuell im Jemen passiert. Ein Überblick.

Humanitäre Krise im Jemen

Die Lage im Jemen ist katastrophal: Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung, Hungersnot, Cholera-Epidemie – jetzt kommt noch das Coronavirus hinzu. Das Gesundheitssystem bricht zusammen. Krankenhäuser werden bombardiert, Ärzt*innen fliehen, Menschen verhungern. Laut den Vereinten Nationen, die versuchen einen Friedensprozess einzuleiten, leidet Jemen damit unter der schlimmsten humanitären Krise seit 100 Jahren.

Wer gegen wen kämpft

Seit dem Ausbruch der Aufstände im Jahr 2011 herrscht im Jemen eine komplexe politische Militärkrise. Sehr, sehr vereinfacht heruntergebrochen (ausführlichere Informationen hier und hier) stehen auf der einen Seite die Huthi, die vom Iran unterstützt werden. Sie kämpfen gegen die international anerkannte Regierung. Auf Druck der Huthis war die damalige jemenitische Regierung bereits Anfang 2015 zurückgetreten. Seitdem lebt Präsident Abd Rabbu Mansur im Exil im saudi-arabischen Riad und versucht von dort – mit Unterstützung einer von Saudi-Arabien geführten Koalition – Macht zurückzugewinnen.

Nach Einschätzung der Hilfsorganisation Handicap International (HI) wird der Bürgerkrieg das Land um eine ganze Generation zurückwerfen: "Selbst wenn der Krieg im Jemen heute enden würde, werden die Menschen an den Folgen der zerstörten Straßen, Brücken, Krankenhäuser und Häfen Jahrzehnte lang leiden", so Eva Maria Fischer von HI gegenüber der Deutschen Presseagentur. Die Schäden an der Infrastruktur hätten die humanitären Bedürfnisse im Land zudem weiter verschärft.

Häufig wird der Krieg im Jemen auch als "Stellvertreterkrieg" bezeichnet, weil außenstehende Staaten dort ihre Interessen vertreten. Die Vereinten Nationen erheben den Vorwurf auf Verstoß gegen Menschenrechte, Amnesty International beschuldigt etwa die Vereinigten Arabischen Emirate unrechtmäßig gelieferte Waffen (auch aus europäischen Staaten) an Milizen im Jemen weiterzuleiten.

Wie Corona die Lage weiter verschärft

Große Hoffnungen lagen in einem Friedensabkommen vom vergangenen November, das allerdings nicht lange hielt. Trotz des Aufrufs von UN-Generalsekretär António Guterres zu einem Waffenstillstand hält der Krieg weiter an und bleibt eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt.

Die Corona-Pandemie verschlimmert die Lage weiter. Offiziell sollen im Jemen (Stand: 15. Juni) 728 Menschen mit dem Virus infiziert seien, 164 seien an Corona gestorben. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher, die vorliegenden Zahlen wenig aussagekräftig sein: Das Gesundheitssystem funktioniert im Jemen nicht mehr, Tests werden kaum durchgeführt. Jemen kämpfe zusätzlich auch gegen andere Infektionskrankheiten, etwa Cholera.

Wie die Situation aktuell ist

Fast eine halbe Million Menschen sind laut Angaben der UN schwer unterernährt. Alleine seit Jänner wurden zudem mehr als 94.000 Menschen vertrieben. Rund 80 Prozent der fast 30 Millionen Einwohner*innen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das Problem: Hilfsorganisationen werden immer wieder daran gehindert, ins Land zu kommen.

Wie du helfen kannst

Am wichtigsten ist aktuell finanzielle Unterstützung gegen die Hungersnot. Du kannst also etwa an Unicef oder Save the Children spenden. Zusätzlich (oder wenn dir finanzielle Hilfe nicht möglich ist), kannst du Petitionen unterschreiben – etwa jene von Amnesty International "Stop the Flow of Weapons to Yemen" oder die "Stop the War and end the Famine in Yemen" auf change.org. Mehr Infos außerdem in folgendem Posting:

 

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