Was Frauen wollen

Gesundes Essen, mehr Steckdosen und keine Männer neben sich: Die Wunschliste von weiblichen Geschäftsreisenden ist alles andere als außergewöhnlich. Schließlich sind sie unterwegs, um zu arbeiten.

1,2 Millionen ÖsterreicherInnen und Österreicher haben im Jahr 2011 eine Geschäftsreise unternommen, so besagt es die alljährliche Reise-Studie der Statistik Austria. 39,6% davon waren Frauen - der höchste Anteil an weiblichen Business Travelern seit dem Jahr 2000. Hinsichtlich der Geschäftsreiseausgaben von Frauen ist Österreich jedoch, gemeinsam mit Deutschland und der Schweiz, Nachzügler: 19% waren es da im Jahr 2010. Ein Anteil, der sich - glaubt man der Geschichte sowie Zielen von Unternehmen - in den nächsten Jahren ändern wird: Laut A.T. Kearney soll die Frauenquote bis 2020 auf rund 38 Prozent ansteigen. In den USA liegt sie jetzt schon bei knapp 50 Prozent, in Nordeuropa bei rund 40 Prozent und in Frankreich bei 35 Prozent.

Bedürfnisse ignoriert

Eine gute Gelegenheit, sich anzuschauen, was der Bedarf der Reisenden ist und wie man(n?) den Frauen Geschäftsreisen schmackhafter machen kann. Das dachte sich auch A.T. Kearney 2009 und hat erstmals 800 geschäftsreisende Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Herausgekommen sind kaum adressierte Bedürfnisse in Bezug auf Bahn-­ und Flugreisen zu Geschäftszwecken.

Was Frauen bei Geschäftsreisen wirklich wollen, erfahren Sie auf Seite 2.

Eines gleich vorweg: Den Frauen geht es bei der Geschäftsreise tatsächlich darum zu arbeiten. Funktionalität wird über Schnick-Schnack gestellt.

Dass man während der ganzen Fahrt produktiv sein kann, das ist auch einer der Hauptgründe, warum die Frauen für kürzere Strecken (bis zu 400 Kilometer) die Bahn bevorzugen. Über 60 Prozent der Befragten fahren dabei in der ersten Klasse. Flugreisen hingegen punkten mit der kurzen Reisezeit, die die meisten allerdings - Einsparungen und Firmenpolitik sei dank - in der Economy Class verbringen. Kein Problem für die Reisenden selbst: Sie halten solche Richtlinien für angemessen.

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Weniger glücklich sind die Geschäftsreisenden hingegen mit einigen Serviceleistungen der Anbieter: Bei Zugreisen mangelt es ihrer Meinung nach an Pünktlichkeit, Komfort und Sauberkeit. Hohe Lautstärke und die Nicht-Einhaltung ausgewi­esener Ruhezonen sind weitere Themen, die den Frauen negativ aufstoßen. Dabei wären die Befragten, von denen ein Viertel "gern" oder "sehr gern" reist, durchaus bereit, für Zusatzservice zu zahlen. Vor allem für einen Internetzugang, (gesünderes) Essen und - bei Flugreisen - für eine verbesserte Sitzplatzwahl sowie eine Steckdose zur Stromversorgung würden die Damen tiefer in die Börse greifen.

Was Frauen von den Loyalitätsprogrammen halten, erfahren Sie auf Seite 3.

Zu laut, zu voll und ungesundes Essen: Nein, die Lounges der Fluggesellschaften punkten bei den weiblichen Geschäftsreisen ganz und gar nicht. Dementsprechend unattraktiv ist dieser Vorteil, der aus den jeweiligen Loyalitätsprogrammen gewonnen wird. Auch wenn die Mehrheit der Damen Mitglied in mindestens einem Bonus-Programm ist, wirklich angesprochen fühlt sie sich mit dem Angebot nicht. Statt Lounge-Zugang würden sich die Frauen eher verbesserten Buchungsservice oder spezielle Angebote für häufig genutzte Flugstrecken zu Familien und Freunden wünschen. Ganz oben auf der Wishlist steht auch die Berücksichtigung der Elternzeit beim Meilen­ beziehungsweise Statusverfall.

An den Wünschen vorbei

Als noch uninteressanter als die Bonus-Programme der Fluggesellschaften werden die von der Bahn gesehen: Weniger als die Hälfte der Frauen (43%) nimmt die Angebote in Anspruch. Einerseits, weil die Vorteile kaum bekannt sind, andererseits weil auch diese an den Bedürfnissen der Geschäftsreisenden vorbei gehen. Statt überfüllten, lauten Wartehallen wünschen diese sich individuell abgestimmte Reiseangebote, Zusatzservices wie gesundes Essen und Trinken an Bord und Unterstützung beim Gepäcktransport.

Da sage noch einer: Wir Frauen wissen nicht, was wir wollen!

 

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