"Was finden denn alle an diesem glatten, blonden Frauenbild?"

Sie gilt als lustigste Deutsche, verarscht Helene Fischer ebenso wie AfD-WählerInnen und hat neben bissigen Pointen vor allem ein Anliegen: Frauen Platz zu geben. Wir trafen die "AlphaPussy" auf einen Spritzer in Wien und wissen jetzt, warum wir "fickbar" bleiben müssen.

Comedy und politisches Kabarett sind bei ihr Flirt und Infight in einem. Denn Carolin Kebekus ist wirklich hochbegabt, wenn es um die gute Pointe geht, mit der sie Sexismus, Rassismus und andere gesellschaftliche Verrücktheiten thematisiert. Dafür lieben sie Millionen ZuseherInnen. Und hassen sie ebenso viele (vorzugsweise in Facebook-Foren).

Daher war es auch keine Überraschung, dass nach ihrem herrlich komischen wie harten Auftritt in der ZDF-Reihe Die Anstalt das Internet überging vor lauter Hass. Sie hatte gewagt, zu artikulieren, dass "Frauen von 15 bis 75 fickbar bleiben müssen". Dass ihre "fuckability" wichtig sei für den gesellschaftlichen Erfolg. Wir haben mit ihr über solche Shitstorms, die "Maskulisten" und die Frage gesprochen, warum Helene Fischer ein so beliebtes "Opfer" von ihr ist. Und warum sie denn unser "Meidlinger L" so gut kann.

Pussy heißt wörtlich ja Muschi. Oder umgangssprachlich so was wie Feigling und Weichei. Ihr aktuelles Programm heißt "Alpha-Pussy" und Sie sind bekannt für Tabubrüche. Wie passt das zusammen?

Carolin Kebekus: Ich benutze das Wort, um es zu brechen. Ich mag den Widerspruch. Und tatsächlich war mein Spitzname immer schon Pussy. Ich bin mit Jungs aufgewachsen und wenn ich mich nicht mit dem Skateboard hinter ein Auto hängen wollte, dann war ich die Pussy. Aber das war nie bös gemeint, es war mein Spitzname. Und wenn ich das Wort verwende, kann es kein anderer mehr als Schimpfwort gegen mich verwenden. Das macht es zu einem starken Wort.

"Wir müssen fickbar bleiben, sonst haben wir versagt!" So hieß Ihre Nummer damals in Die Anstalt, in der Sie Sexismus und den Druck auf Frauen thematisiert haben. Ich musste echt lachen über diese harte Comedy, das Netz hat Sie mit Hass überschüttet. Was ist davon hängen geblieben?

Ich hab selten so viel Hass abgekriegt, das stimmt. Aber das Lustigste war, dass die Leute gesagt haben: "Jetzt werdet mal wieder politisch. Was ist denn das für ein Thema, Feminismus?" Weil wenn man sagt: "Hey Leute, es gibt da eine Ungerechtigkeit und es wär cool, wenn's einfach gerecht wär", dann gilt man ja gleich als hysterisch. Quasi: Die kriegen den Hals nicht voll. Allein, wenn zwei Menschen heiraten und die Frau ihren Namen behält, dann heißt es gleich: "Der hat sie nicht unter Kontrolle."

Man muss also vorsichtig sein, dass man den Leuten mit zu viel Feminismus nicht auf den Sack geht. Und seit der Sendung kenne ich auch die "Maskulisten". Das ist eine Vereinigung von Männern, die sagen, dass Frauen einfach biologisch unterlegen sind, und deswegen ist das schon gerecht, dass die weniger verdienen und weniger Ansprüche haben sollten. Ja, die gibt es wirklich.

Und kennen Sie persönlich auch den Druck, das ewig begehrenswerte und fruchtbare Weibchen sein zu müssen?

Klar, ich bin jetzt 37 und natürlich denke ich mir: Wie lange bin ich denn fürs Fernsehen noch interessant? Nicht für die Bühne, das kann ich noch ewig machen, weil das so unmittelbar ist, aber fürs Fernsehen? Und ich bin bestimmt viel selbstbewusster als früher, aber ich kaufe immer noch so viel Bullshit bei Douglas oder so. Ich hab auch jetzt so Haardinger zum Reinklipsen, weil ich weiß, das sieht besser aus als nur meine normalen Haare -und die nerven jetzt schon (lacht und kratzt sich am Kopf).

Sie bezeichnen sich als Feministin, in einem Interview mit der FAZ sagten Sie, "Feminismus, das klingt so unrasiert und ungebumst" - welche Art von Feminismus ist die Ihre?

Das war natürlich ironisch, weil Feminismus für viele so hysterisch klingt. Irgendwie hat das Wort so was Radikales, was Männerhassendes. Wenn ich sage, ich hätte gern einen geilen Job und eine Familie - und dann habe ich auch noch gerne Sex mit Männern. Das ist für viele nicht vereinbar. Für mich bedeutet Feminismus einfach nur, dass alle Menschen gleich behandelt werden.

Sie sind bekannt für Ihre Parodien von Helene Fischer oder Heidi Klum. Was muss man denn tun, um Ihr "Opfer" zu werden?

Na ja, ich sitz nicht rum und warte, bis jemand in mein Beuteschema passt. Aber ich sehe Germany's Next Topmodel und sehe, was es mit Mädchen macht, die das gucken. Und ich sehe Helene Fischer, diese durchgestylte, perfekte Frau, und frage mich: Was finden denn plötzlich alle an diesem glatten, blonden Frauenbild? Ohne Makel, ohne Kritik, die wie ein Engel von oben kommt und auch auf Teufel komm raus ja nichts Politisches sagt. Dabei: Wie geil wär denn das, wenn Helene, die fünfmal hintereinander die Köln Arena bespielt, sagen würde: "Jeder, der mit rechter Hetze um die Ecke kommt, kriegt von uns eine auf die Fresse." Wie geil wär das!

Sie spielen Ihr neues Programm AlphaPussy viermal in Österreich, zweimal in Wien. Verbinden Sie etwas mit der Stadt?

Ja, ich bin oft in Wien, weil eine meiner besten Freundinnen aus Wien kommt. Von ihr habe ich das Meidlinger L gelernt (imitiert das L bestechend echt) und weiß, dass ein Mückenstich hier "Gösndippl" heißt.

Na, dann hätte ich Ihnen den Spritzer ja gar nicht als Weißweinschorle übersetzen müssen. Trinken Sie denn Wein oder als Kölnerin sowieso Kölsch?

Ja, eindeutig. Meine Oma hat schon immer gesagt: "Du bist halt ein richtiges Biermädchen."

ALPHAPUSSY-TOUR

Die neue Show von Carolin Kebekus, AlphaPussy, gastiert viermal in Österreich: 27.10. in Graz (Stadthalle), 28.10. in Salzburg (Arena) und zweimal in der Wiener Stadthalle (29.10., 30.10.).

TICKETS: carolinkebekus.de.


 

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