Was du tun kannst, wenn dich Instagram unglücklich macht

Du merkst, dass dir Instagram nicht gut tut, willst die App aber nicht löschen? 6 Tipps für einen achtsamen Umgang mit der Plattform.

Instagram, Social Media, Achtsamkeit, Handy, Smartphone

Während gefühlt alle gerade total Zen auf Yoga-Retreat in Bali sind, legst du einen Sprint hin, um die vollgestopfte U-Bahn noch zu erwischen? Die Matcha-Lattes der anderen sind bei dir eher der Coffee-To-Go, den du bei deinem Sprint gerade erfolgreich über deine Bluse gekippt hast?

Das Problem hierbei ist gar nicht, dass eine der beiden Momentaufnahmen objektiv gesehen besser sein muss als die andere, sondern dass über Instagram die Grundlage für Zufriedenheit scheinbar schon vordefiniert wird. Ganz nach dem Motto: Bali macht glücklich, dein Leben nicht. Das Problem dabei: Auf Instagram wird uns vorgegaukelt, Menschen würden ihr Leben mit uns teilen. Dass UserInnen eher High- als Lowlights auf die Plattform stellen, ist uns allerdings nur auf einer rationalen Ebene bewusst. Die App scheint daher nichtsdestotrotz unseren Selbstwert durch Schönheitsdruck, Unzufriedenheit und Frust immer wieder auf die Probe zu stellen. Trotz diverser Aktionen für mehr Realität auf Instagram zeigen zahlreiche Studien (wie etwa jene der Royal Society for Public Health in Kooperation mit dem Young Health Movement), dass das „soziale“ Foto-Netzwerk unglücklich macht, wenn man zu viel Zeit in der App verbringt.

Wer sich dennoch nicht von der App verabschieden will, kann das eigene Nutzungsverhalten verändern – und damit wieder mehr Freude in den Feed bringen.

Wir müssen uns fragen: Was macht der Inhalt mit mir?

Bloggerin Marion Payr

1. Herrin des Feeds werden

An Instagram macht uns nicht die App per se, sondern der Content, der uns in den Feed gespielt wird, unglücklich. Viele folgen Accounts, deren Beiträge als ästhetisch, schön und ansprechend wahrgenommen werden. Damit basteln wir uns selbst ein Feed, das uns mit normschönen, farblich perfekt abgestimmten Postings bespielt. Bloggerin Marion Payr vom Account @ladyvenom hatte selbst lange Zeit genau dieses Nutzungsverhalten, wie sie gegenüber WIENERIN erklärt: „Ich bin lange vielen solchen Accounts gefolgt, wo das Mädchen im wehenden Kleid vor Kulisse zu sehen war. Wenn man mit Leuten spricht und sie fragt, warum sie diesen Account folgen, kommt immer das Argument ‚Ich finde das halt schön‘. Ja eh. Ich finde das auch schön, aber wir müssen uns fragen: Was macht der Inhalt mit mir?“ Er tut nicht gut, wie sie vor ca. 1,5 Jahren merkte. „Da hatte ich einen Moment, wo ich sehr vielen Accounts entfolgt bin. Die hatten zwar objektiv alle schöne Fotos und die waren auch technisch vielleicht gut gemacht, aber sie machen mich halt unglücklich“, stellte die Reise-Instagrammerin fest.

Das heißt konkret: Entfolge allen Accounts, die bei dir Frust, Neid, Unzufriedenheit und Ähnliches auslösen. Und vor allem: Hab‘ dabei kein schlechtes Gewissen. Warum das Ausmisten des Newsfeeds so wichtig ist? „Weil der Algorithmus (Anm.: das programmierte System, nach dem Instagram Inhalte für uns aussucht) von uns lernt. Meine Explore-Page auf Instagram war früher voll mit hübschen Mädels auf Reisen, mittlerweile sind es hauptsächlich schöne Naturaufnahmen. Es säubert sich mit der Zeit ein bisschen“, weiß Marion Payr.

Tipp: Wenn dir die Inhalte von Personen, die du privat gut kennst, nicht gut tun und du durch ein Entfolgen oder Blockieren niemandem zu nahe treten willst, kannst du FreundInnen etwa auch einfach über die „Stummschaltung“ aus deinem Feed entfernen.

2. Bewusst liken

Nach dem Aussortieren deines Feeds kannst du ebendiesen ganz bewusst mit neuen Inhalten wieder befüllen. Folge Accounts, die für dich bereichernde Inhalte teilen. 'Like' ganz bewusst Fotos, die du auf den ersten Blick vielleicht nicht als „ästhetisch“ oder „schön“ bewerten würdest – eben, weil sie vielleicht realistischer sind. Das hilft dir auch, dein eigenes Verständnis von Schönheit zu überdenken und verschiedenen Formen von Ästhetik mehr Raum zu geben – und das gelingt besser, je öfter du realistische Inhalte siehst. Daher gilt: Bewusst liken! Ein Doppelklick auf ein Bild ist für den Instagram-Algorithmus nämlich nicht nur ein „Gefällt mir“, sondern vielmehr auch eine Aufforderung á la „Zeig‘ mir mehr davon in meinem Feed!“

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3. Zeitlimit setzen

Wie die oben genannte Studie zeigt: Je mehr Zeit wir auf der Fotobloggingplattform verbringen, desto eher hat sie (negative) Einflüsse auf unsere mentale Gesundheit. Setz‘ dir daher ein tägliches oder wöchentliches Zeitlimit. In der aktuellen Version der App ist es mittlerweile möglich, eine Benachrichtigung zu erhalten, wenn die tägliche Dosis Instagram erreicht ist.

4. Instagram freie Morgen-  und Abendroutine

Trotz bewusst zusammengestelltem Feed und größtenteils bereicherndem Content, kann Instagram auslaugend wirken. Wer direkt nach dem Aufwachen zum Handy greift und bis zum Einschlafen durchs Feed scrollt, steht bereits mit erhöhtem Stresslevel auf und geht damit schlafen. Besser: Gönn‘ dir und deinem Körper nach dem Aufwachen und vor dem Schlafengehen etwa zwei Stunden Instagram freie Zeit.

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5. Notifications ausschalten

Versuche, die Plattform bewusst zu nutzen. Ruf‘ dir beim Öffnen der App immer wieder in Erinnerung, dass du dich jetzt bewusst für einen gewissen Zeitraum dem Content aussetzt und die App dann wieder schließt. Das gelingt leichter, wenn dich Push-Benachrichtigungen der App nicht immer wieder dazu animieren, wahllos die App zu öffnen. 

6. Account deaktivieren

Wenn du trotz allem merkst, dass dich Instagram unglücklich macht, ist es vielleicht an der Zeit, deinen Account einmal zu deaktivieren. Du kannst dein Profil ganz einfach für eine gewisse Zeit ruhend stellen und die App löschen. Keine Sorge: Solltest du wieder Lust auf die Inhalte bekommen, ist dein Profil immer noch da. Mit einer Deaktivierung des Accounts werden nicht automatisch alle Daten und Beiträge gelöscht.

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