Was du tun kannst, wenn dein*e Partner*in an Suizid denkt

Meghan Markle hat bereits im März über ihre Suizidgedanken gesprochen, jetzt teilt Harry seinen Teil der Geschichte. Wie du Partner*innen und Freund*innen helfen kannst, wenn diese über Suizid nachdenken.

Suizidale Gedanken

Nachdem Meghan Markle im Interview mit Oprah Anfang März über ihre Suizidgedanken sprach, erzählt Harry nun seine Seite der Geschichte und spricht damit vielen Menschen aus dem Herzen, deren Partner*in suizidale Gedanken haben. Meghan erklärte damals im Gespräch mit Oprah: "Ich schämte mich zu der Zeit, es auszusprechen und schämte mich, es Harry gegenüber zuzugeben - besonders, weil ich weiß, wie viel Verlust er erlitten hat. Aber ich wusste auch: Würde ich es nicht sagen, dann würde ich es tun. Ich wollte einfach nicht mehr am Leben sein. Und das war ein sehr klarer, beängstigender, ständiger Gedanke". Sie sprach mit ihrem Ehemann an dem Abend, an dem sie den Cirque du Soleil in der Royal Albert Hall am 16. Jänner 2019 besuchten. In seiner neuen Dokumentations-Serie "The me you can’t see" holt Prince Harry Promis vor den Vorhang, die über ihre psychischen Probleme berichten und spricht selbst über diesen Abend.

Wo bleibt die Hilfe?

Er lässt die Nacht am 16. Jänner 2019 Revue passieren: "Ich schäme mich ein wenig für die Art und Weise, wie ich damit umgegangen bin", sagt er in der Dokuserie. "Während meine Frau und ich in diesen Stühlen saßen und uns an den Händen hielten, begann Meghan in dem Moment, in dem das Licht ausging, zu weinen. Sie tat mir leid, aber ich war auch sehr wütend auf mich selbst, dass wir in dieser Situation feststeckten", sagte Harry. "Ich habe mich geschämt, dass es so schlimm geworden ist. Ich schämte mich, zu meiner Familie zu gehen. Denn um ehrlich zu sein, wie viele andere Menschen in meinem Alter wahrscheinlich auch, wusste ich, dass ich von meiner Familie nicht das bekommen würde, was ich brauche."

Wie könnt ihr helfen?

Wenn auch ihr mit Partner*innen zusammen seid, denen es nicht gut geht und die suizidiale Gedanken hegen, haben wir ein paar Tipps:

Seid aufmerksam

Die Forschung legt nahe, dass die Mehrheit der Menschen, die einen Suizidversuch unternehmen, etwas tun, um anderen ihre Absichten mitzuteilen, bevor sie handeln. Diese "Warnzeichen" bestehen aus verbaler und nonverbaler Kommunikation. Psychische und emotionale Erkrankungen wie Depressionen und bipolare Störungen sind oft mit Suizidgedanken verbunden. Das Risiko eines Suizids kann am größten sein, wenn die Depression der Person beginnt, sich zu bessern. Wenn euch Anzeichen auffallen oder ihr euch Sorgen macht, seid besonders aufmerksam, vertraut auf euer Gefühl und nehmt dieses auch Ernst.

Sprecht es an und redet darüber

Fast jede suizidale Krise hat in ihrem Zentrum eine starke Botschaft: "Ich kann den Schmerz nicht mehr ertragen", aber nicht unbedingt: "Ich will für immer tot sein!" Was die meisten suizidalen Menschen wollen, ist eine Möglichkeit, den schrecklichen Schmerz zu überstehen und jemanden, an den sie sich in diesen schrecklichen Momenten der Angst und Verzweiflung wenden können. Jemanden zum Reden zu haben, kann einen großen Unterschied machen. Das Reden über Suizid oder suizidale Gedanken wird niemanden dazu bringen, sich selbst zu töten. Nimm jede geäußerte Absicht, sich umzubringen, sehr ernst. Indem wir zuhören, was die Person in der Krise zu sagen hat, und indem wir direkte und offene Fragen stellen, zeigen wir unsere Bereitschaft, mit dieser Person über alles zu sprechen, einschließlich ihrer Gefühle über den Suizid.

Sucht professionelle Hilfe

Beteilige dich aktiv daran, die Person zu ermutigen, sofort ärztliche Hilfe oder eine psychiatrische Fachkraft aufzusuchen. Personen, die Suizid in Erwägung ziehen, glauben oft nicht, dass ihnen geholfen werden kann, daher musst du hier möglicherweise Überzeugungsarbeit leisten. Hilf der Person, eine*n sachkundige*n Psychiater*in oder eine seriöse Behandlungseinrichtung zu finden, und bring sie zur Behandlung.

Redet über Suizid

Fast jede*r denkt irgendwann in seinem Leben über Suizid nach. Wenn ihr euch also Sorgen macht, fragt ruhig direkt nach, ob der*diejenige vorhat, sich umzubringen. Wenn die Antwort "Ja" lautet, nimm die Antwort der Person ernst und frag genauer nach:

  • "Hast du dir überlegt, wie du es tun würdest?"
  • "Hast du Mittel oder Materialien zur Verfügung, um diesen Plan auszuführen?"
  • Wenn ja, "Was und wo sind sie?"
  • "Hast du entschieden, wann du es tun würdest?"

Wenn die Person einen konkreten Plan hat, die Mittel zur Verfügung stehen und der Zeitpunkt feststeht, solltest du die Person als stark suizidgefährdet einstufen und umgehend Hilfe holen.

Bleib bei ihr*ihm

Wenn dein*e Partner*in suizidale Gefühle geäußert hat, einen Plan und die Mittel zur Verfügung hat und einen Zeitpunkt festgelegt hat, sollten du ihn*sie ernst nehmen. Eine Person, bei der ein "hohes Risiko" für Suizid besteht, sollte nicht allein gelassen werden. Sprich weiter mit dieser Person und bleib bei ihr. Entferne Schusswaffen, Drogen oder scharfe Gegenstände, die für einen Versuch verwendet werden könnten, aus der Umgebung.

Helplines im Überblick

Du bemerkst depressive Gedanken oder fühlst dich gerade überfordert und möchtest mit jemandem sprechen? Folgende Telefon-Helplines bieten im Krisenfall Rat und Unterstützung:

Psycholog. Berufsverband (boep.or.at): 01 504 8000
Psychiatrische Soforthilfe: 01 313 30
Telefonseelsorge (erzdioezese-wien.at/telefonseelsorge): 142
Frauenhelpline (frauenhelpline.at): 0800 222 555
Kriseninterventionszentrum (kriseninterventionszentrum.at): 01 406 9595

 

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