Was du als Nachbar*in gegen häusliche Gewalt tun kannst

Zivilcourage, anyone? Wie einfach es ist, nicht weg zu schauen, zeigt ein Video des Projekts Stadtteile ohne Partnergewalt.

Bild zeigt hand einer Frau, die damit ihr Gesicht verdeckt

Da ist es wieder, das dumpfe Poltern aus der Nachbarwohnung. Die Stimmen, die immer lauter werden, und schließlich Schreie. Auch Ende 2019 gilt immer noch, was Studien seit Jahrzehnten, belegen: Der gefährlichste Ort für Frauen ist nicht der dunkle Park, sondern die eigene Wohnung. Allein in diesem Jahr wurden in Österreich bereits 18 Frauen ermordet – von ihren Ehemännern, Partnern oder Ex-Partnern. Gewalt im sozialen Nahraum ist die häufigste Gewaltform gegen Frauen.

Umso wichtiger sind jene, die Opfern und Tätern am nächsten sind: ihre Nachbar*innen. „Diese Gewalt passiert im Verborgenen aber nie vollkommen unbeobachtet“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser Maria Rösslhumer. „Wenn die Polizei nach Morden die Nachbarinnen und Nachbarn befragt, dann heißt es oft: Ja doch, wir haben etwas gehört.“

Der Verein hat deshalb Anfang des Jahres das Projekt Stadtteile ohne Partnergewalt(StoP) im 5. Bezirk Magareten gestartet. Ziel ist es die Bewohner*innen des Bezirks zu ermutigen, bei Gewalt nicht zu schweigen, sondern aktiv einzugreifen. „Viele wollen helfen, aber wissen nicht, wie sie es richtig machen sollen“, sagt die Sozialarbeiterin Hannah Wachter, die das Projekt koordiniert und Nachbar*innen regelmäßig in Wohnhäusern über Partnergewalt aufklärt.

Was man gegen Gewalt gegen Frauen tun kann? - Hinschauen! Hinhören!

Nachbar*innen würden oft zögern, die Polizei zu rufen, weil sie nicht wissen, was danach passiert. Manche haben negative Erfahrungen gemacht oder sind verunsichert, weil Opfer ihre Hilfe nicht wie erwartet angenommen haben. Einige fürchten sich auch einzugreifen aus Angst, ihnen könnte etwas passieren. „All diese Bedenken sind verständlich und berechtigt“, sagt Maria Rösslhumer. „Es gibt aber Methoden, die einem dabei helfen, couragiert zu sein und die man lernen kann.“ Wie einfach das geht, zeigt der Verein nun mit einem Kampagnen-Video.

Trigger-Warnung: Das Video enthält Darstellungen häuslicher Gewalt.

Zu allererst gilt: Hinschauen und hinhören. Sind Schreie im Haus zu hören, sollen Nachbar*innen den Fernseher nicht lauter drehen, sondern genau darauf achten, was passiert. Werden sie Zeug*innen von Gewalt, dann sollen sie eingreifen, indem sie klingeln oder an die Tür klopfen. Wer sich nicht traut, die Gewalt direkt anzusprechen, kann bereits mit einer paradoxen Intervention helfen. Das kann beispielsweise die Frage Können Sie mir Zucker borgen? oder Wie spät ist es? sein. „Es ist wichtig, dass Nachbarn und Nachbarinnen achtsam sind, was sagen und was tun, bevor schwere Gewalt passiert“, sagt Rösslhumer. Dabei gäbe es natürlich zu beachten, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Vermutet man, dass eine Straftat passiert, rät Rösslhumer immer die Polizei zu rufen.

Wer sich unsicher ist, wie er/ sie in solchen Situationen reagieren soll, kann auch Rat holen. Die Polizei gibt unter der Service Nummer 059-133 unverbindlich Auskunft. Auch die Frauenhelpline 0800 222 555 hilft weiter.

Wo man StoP finden kann

Das Konzept des Nachbarschaftsprojekts StoP wird seit vielen Jahren in verschiedenen Hamburger Vierteln und in Dresden umgesetzt. In Margareten sind seit dem Start über 30 Organisation zu Projektpartner*innen geworden. Darunter der Verein ZARA, die Bezirksvorstehung und das neunerhaus. Alle zwei Wochen veranstaltet die Initiative Frauen- und Männertische, bei denen sich Bewohner*innen über ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam Strategien und Projekte gegen Partnergewalt erarbeiten können.

 

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