Was braucht man in jedem Lebensalter für einen gesunden Lebensstil?

Vom Kleinkind bis ins hohe Alter – was brauchen wir in jeder Lebensphase besonders für einen gesunden Lebensstil? Eine Anleitung.

Lebensphasen

Erholsamer Schlaf, ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung – das alles sollten wir idealerweise ein Leben lang umsetzen, denn ein Healthy-Habits-Lifestyle, der im Einklang mit den eigenen Werten und dem Selbstbild steht, macht langfristig glücklich. Doch mehr als sechs Stunden unseres Tages basieren auf meist unbewussten Gewohnheiten, die fest in uns verankert sind – ob diese gesund oder ungesund sind, macht über die Lebensspanne gesehen einen großen Unterschied. Was brauchen wir in welchem Alter, besonders als Frau? Welcher Grundstock wird für die Gesundheit bereits in der Kindheit gelegt und was können wir im Erwachsenenalter tun, um hier mög­liche Defizite wieder auszugleichen? Wie sich gesunde Gewohnheiten ein Leben lang erlernen lassen, was Selfcare bereits für Kinder bedeutet und warum regelmäßige Arztbesuche – und damit Vorsorge – auch ohne Beschwerden ganz normal sein sollten.

Vom Baby bis ins Jugendalter

Gewohnheiten, die bereits im Kleinkindalter erworben werden, wirken sich nicht nur kurzfristig aus, sondern prägen auch wesentlich die späteren Ess- und Bewegungsgewohnheiten bis ins Erwachsenenalter. "Auch schwangere Frauen können bereits einen Teil zur gesunden Entwicklung ihres Babys beitragen, indem sie Stress vermeiden und auf die Ernährung achten. Das Baby lernt durchs Stillen bereits viele Geschmäcker aus dem Essen seiner Mutter kennen", erklärt Denise Tiringer, ärztliche Leiterin des Instituts für Frauengesundheit Santé Femme.

Dann lernen Kinder hauptsächlich durch Nach­ahmung, also durch das, was in der Familie vorgelebt wird. "Man gibt den Kindern schon früh ein gewisses Mindset mit. Wenn wir als Eltern gesunde Ernährung, Sport und auch Selbstfürsorge vorleben, dann speichert das das Kind ab – und kann ein Leben lang auf diesen Grundstock zurückgreifen", betont Monika Resch, Fachärztin für Kinder- und J­ugendheilkunde. Beim Thema Ernährung darf man als Eltern nicht verzagen, denn es gibt Phasen, in denen die Kleinen wählerisch werden. Dann empfiehlt es sich, hartnäckig zu bleiben, nichts aufzuzwingen, aber trotzdem immer gesunde Snacks (etwa frisches, saisonales Obst) anzubieten und dranzubleiben. Süßes sollte auch erlaubt sein – einfach einen entspannten Zugang zum Essen vorleben. "Wenn man gesunde und geerdete Menschen heranwachsen lassen möchte, gilt es, ein gutes Maß an einerseits Fürsorglichkeit und Schutz zu bieten, damit sich Kinder sicher und gut aufgehoben fühlen, und andererseits die Selbstständigkeit von Anfang an zu fördern – Kinder dürfen ruhig gefordert werden, aber die Freude steht im Vordergrund. Wenn es dem Kind keinen Spaß bereitet, ist das ein Zeichen, dass es zu viel ist. Kinder sind da sehr ehrlich", so Resch.

Und: Kinder sollten von Anfang an lernen, "sich zu spüren" – sie sollten ihre Gefühle ausdrücken dürfen (aufhören zu essen, wenn sie satt sind, schlafen können, wenn sie müde sind usw.). Das ist ein wichtiges Element für ein gesundes Leben und dafür, jederzeit gut für sich selbst sorgen zu können.

Vom Erwachsenen- bis ins hohe Alter

Ein möglichst langes, gesundes und unbeschwertes Leben zu führen – das wünschen wir uns alle. Um das zu erreichen, gibt es laut Habit Coach Eva Gruber drei Wirkungsfelder, die dafür zentral sind: "Damit es mir langfristig gut geht, schaue ich mir immer diese Bereiche im Leben an: Wohlbefinden, Beziehungen und Leistungsfähigkeit. Zur Erklärung: Beim ersten Punkt denkt jeder sofort an das körperliche Wohlbefinden – viel wichtiger ist allerdings die mentale Ebene. Diese sollte immer am Anfang stehen, denn wenn ich mich mental nicht wohlfühle, ist es schwierig, mich auf der körperlichen Ebene zu verändern."

Beim Punkt Beziehungen geht es um den Faktor ­Empathie – ebenfalls auf zwei Ebenen: "Nehmen wir das Beispiel Druckabfall im Flugzeug, da sagt die Flugbegleitung auch 'Setzen Sie sich die Sauerstoffmaske zuerst auf, bevor Sie anderen helfen' – also immer zuerst für sich selbst gut sorgen, bevor man sich um andere kümmert."

Der dritte Punkt, Leistungsfähigkeit, irritiert vielleicht auf den ersten Blick, denn viele verbinden Leistung mit Stress: "Hier meine ich allerdings die Fähigkeit, in sogenannten Hochphasen – also wenn wir etwa ängstlich, wütend oder unsicher sind – trotzdem einen klaren Kopf bewahren zu können und Entscheidungen fokussiert und mit Empathie zu treffen."

Neben diesen drei mentalen Stärken bilden die vier Säulen Ernährung, Schlaf, Bewegung und Entspannung die Basis für ein gesundes Leben. Sich ausgewogen und gesund zu ernähren ist eine Säule, Ausnahmen sind natürlich erlaubt und fördern das Wohlbefinden. Der Körper braucht tiefen Schlaf, um zu regenerieren. Bewegung stärkt die Abwehrkräfte, baut Stress ab und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vor. Wer einen gesunden Lebensstil pflegen will, sollte daher darauf achten, sich regelmäßig Auszeiten zu nehmen und das eigene Stresslevel möglichst gering zu halten. Und: Es ist nie zu spät, mit einem gesunden Lebensstil zu beginnen – man muss sich vielleicht vieles selbst beibringen und offen für Neues sein, aber auch hier kann man Unterstützung vom eigenen Umfeld oder von Gesundheitscoach*innen annehmen.

Frauengesundheit ein Leben lang

Ob in der Schwangerschaft, als Säugling, Kleinkind, Erwachsene oder Seniorin – eine gute Ernährung ist immer die Basis für Gesundheit. Doch unser Körper verändert sich im Laufe des Lebens, und dementsprechend gilt es auch, die Ernährung den unterschiedlichen Bedürfnissen anzupassen. "Eine Schwangerschaft ist meistens ein guter Einstieg in eine gesunde, ausgewogene Ernährung", meint die ärztliche Leiterin des Instituts für Frauengesundheit Santé Femme, Denise Tiringer.

Der Stoffwechsel einer Frau ist über das ganze Leben durch hormonelle Umstellungen und monatliche Schwankungen beeinflusst, mit der richtigen Ernährung kann man diesen gut unterstützen. "Jede vierte Frau über 50 hat Osteoporose. Oft wird das erst dann offensichtlich, wenn der erste Wirbel bricht. Lassen Sie es nicht so weit kommen und versuchen Sie, kalziumreich zu essen, nehmen Sie Vitamin D ein, tanken Sie täglich 15 Minuten Sonnenlicht und regen Sie durch leichtes Krafttraining die Knochenneubildung an", so die Expertin.

Bereits ab 35 produziert der Körper einer Frau weniger Sexualhormone. Die Folge: Der gesamte Stoffwechsel läuft etwas langsamer und es kommt leichter zu Gewichtszunahme. "Übergewicht, Bauchumfang und Körperfett sind Ursachen ernsthafter Krankheiten und verstärken die Symptome der Wechseljahre. Hier ist besonders auf die Ernährung zu achten – nehmen Sie ausreichend Proteine für die Muskeln zu sich, machen Sie Krafttraining oder Yoga für den Muskelaufbau, bauen Sie außerdem aktiv Stress ab – etwa mit Sport, Entspannungstechniken oder Meditation – und achten Sie darauf, ausreichend Schlaf zu bekommen", so Tiringer.

 

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