Was beim Sex erlaubt ist - und was nicht

Wie offensiv darf ich meine Sexabsichten äußern? Muss ich das Handy beim Sex ausschalten? Und: Soll ich einem One-Night-Stand ein Frühstück servieren? Stilfragen und stilvolle Antworten in Sachen Liebesleben.

1. Einladung zum Sex

Oder: Wie konkret darf ich meine Sexabsichten äußern? Also, Sie sollten trotz aller sexuellen Offenheit nicht mit der Tür beziehungsweise ihren One-Night-Stand-Absichten ins Haus fallen. Konkrete Äußerungen sind unerotisch und abtörnend. Egal, von wem sie kommen. Weil ein „Willst du Sex mit mir?" auch keinem Mann schmeichelt. Besser: nonverbal vorgehen. Klare Signale senden. Aber dezent. Also nicht den Blick zum Hosenschlitz wandern lassen, sondern lieber Augenkontakt suchen. Lächeln. Wenn er auch Lust auf Sie hat, wird er die Signale erkennen und auf Sie zukommen. Vielleicht wechseln sie ein paar Worte. Und eventuell streifen Sie ganz zufällig über seinen Unterarm.

Und: Auch wenn die komplette Liebesgeschichte innerhalb einer Nacht abläuft, sollte die richtige Reihenfolge eingehalten werden: vorstellen, sich kennenlernen, ins Bett gehen.

2. Die Anzahl der Sexpartner

Oder: Was antworte ich auf die Frage: Wie viele Lover hattest du schon? Erstens: Die Frage ist völlig unangebracht. Das geht keinen etwas an außer einen selbst. Zweitens: Sex hat nichts mit Buchhaltung zu tun. Und drittens: Es hat niemand etwas davon, die Zahl zu kennen. Allenfalls wird die Neugier befriedigt, sonst garantiert nichts. Und es sagt vor allem nichts über die Qualität dieser Begegnung aus. Dennoch wird die Frage häufig gestellt. Für den Fall, dass Ihnen ein Mann mit der Verflossenenfrage auf den Zahn fühlt: Kontern Sie! Etwa mit: „Ein bisschen Geheimnis steht jeder Frau!"

Anzeigepflichtig sind hingegen: Ex-Frauen und -Männer und Kinder. Diese Menschen spielen noch immer eine Rolle im Leben, darüber sollten Sie sprechen. Was ebenfalls nicht verschwiegen werden sollte: bestehende Beziehungen.

3. Die Sache mit der Reinlichkeit

Oder: Darf ich einen Mann vor dem Sex unter die Dusche schicken? Eines gleich vorweg: Prinzipiell hat ein Mann beim Date frisch gewaschen zu erscheinen. Aber angenommen, Sie haben vorher noch im Club abgetanzt. Beim Entkleiden der neuen Eroberung schlagen Ihnen Dunstwolken aus Schweiß, Bier und Zigaretten entgegen. Und Sie sehen Ihre Lust schon hinter Schwaden aus Gestank verschwinden? Dann können Sie ihn Richtung Waschgelegenheit lenken. Ein eleganter Schachzug (falls Sie bei sich zu Hause sind): „Ich spring mal schnell unter die Dusche, kommst du nach?" Oder: „Solltest du dich noch frisch machen wollen, hier ein Handtuch für besonders liebe Gäste ..."

Frauen haben erwiesenermaßen ein viel intensiveres Geruchsempfinden als Männer und lassen sich eher von Übelgeruch abtörnen.

Frauen haben erwiesenermaßen ein viel intensiveres Geruchsempfinden als Männer und lassen sich eher von Übelgeruch abtörnen. Andererseits gibt es natürlich auch Frauen, die durch den Schweißgeruch eines Mannes erregt werden. Im Zweifelsfall aber lieber einmal zu oft einseifen als einmal zu wenig.

4. Die rote Heimsuchung

Oder: Muss ich ihm sagen, dass ich meine Tage habe? Pickel und Periode haben eines gemeinsam: Sie kommen zur Unzeit. Besonders gern vor einem Date. Falls Sie am Tag des Tages Ihre Tage haben, können Sie es ansprechen oder nicht. Es gibt kein Gesetz der Welt, das besagt, dass Sie müssen! Falls Sie sich dafür entscheiden, dann aber rechtzeitig. Noch bevor er über das Bändchen stolpert. Spätestens bei der Frage „Tun wir's oder nicht?" wäre der richtige Zeitpunkt, Ihren Besuch darauf hinzuweisen. Nach dem Motto: „Ich komme gern mit zu dir, ich hoffe es stört dich nicht, dass ..." Da es noch immer Männer gibt, die sich vor Blut ekeln, ist es fair, ihnen die Entscheidung zu überlassen.

Angenommen, Ihre Periode steht Ihrem Sexglück nicht im Wege, dann sollten Sie aber bitte nicht den Fauxpas begehen, ein Handtuch herauszukramen und unterzulegen - das ist der Abtörner schlechthin, Sie sind ja nicht bei einer OP. Ach ja: Für alle, die ihr Leintuch sauber halten wollen: Verwenden Sie einen Soft-Tampon! Gibt's in der Apotheke, hat kein Rückholbändchen und bleibt beim Sex an seinem Platz!

5. Rrrring, das Handy klingelt

Oder: Was soll ich tun, wenn mein Handy das Liebesspiel stört? Eigentlich gehört es zum guten Ton, das Mobiltelefon abzustellen, wenn Sie Besuch haben oder zu Besuch sind. Es sei denn, Sie sind Ärztin und haben Notdienst oder ein krankes Kind zuhause! Dringend angebracht ist das Abdrehen während eines Schäferstündchens! Der Gastgeber tut gut daran, den Anrufbeantworter lautlos zu stellen. Denn es kann einer kalten Dusche gleichkommen, wenn weitere Anwärterinnen, eifersüchtige Partnerinnen oder die Mutter dazwischenreden - da wird der Akt schnell ad acta gelegt. Für den Fall, dass Sie das alles vergessen haben, weil der Sex so unerwartet über Sie kam: Lassen Sie es läuten! Irgendwann hört jedes Telefon zu klingeln auf. Für Menschen mit schwachen Nerven: Bevor Sie das Gebimmel endgültig zur Weißglut treibt, entfernen Sie sich halt in Dreigottesnamen und eliminieren Sie den Störenfried. Was Sie aber bitte schön auf gar keinen Fall und unter keinen Umständen tun sollten, ist abheben und fragen: „Hallo, wer spricht?", das ist eine glatte Todsünde. Der kurze Plausch mit der Mutter und die anschließende Fortsetzung des heißen Liebesspiels kommen nur in Filmen vor. Das ist pure Fiktion!


6. Der gefakte Orgasmus

Oder: Darf ich einen Höhepunkt vortäuschen? Das ist eine der häufigsten Knigge-Fragen. Bei der Beantwortung gibt es unter Experten eine gespaltene Meinung. Die einen sagen: Das ist sehr schlechtes Benehmen. Denn: Sie sollten Ihrem Partner kein X für ein U vormachen. Spielen Sie kein Theater, sondern folgen Sie Ihren Gefühlen. Und: Sie haben bestimmt keine Verpflichtung, Ihren Lover als guten Liebhaber dastehen zu lassen. Es ist ein Irrglaube, dass zu gutem Sex ein Orgasmus gehört. Sie müssen nicht kommen - und der Mann auch nicht. Dennoch zeigen die Statistiken, dass auf beiden Seite ganz gern geschauspielert wird. Frauen machen es häufig, um ihren Partner nicht zu kränken. Deshalb lautet die zweite Meinung: Hin und wieder darf man ruhig flunkern, solange es die Ausnahme bleibt und nicht zur Grundhaltung wird. Wenn Sie den Eindruck haben, es ist eh gut, nur das letzte Eckerl fehlt, dann ist es schon mal legitim. Aber sicher nicht als Standardprogramm, weil ein Mann dann nie kapieren wird, was Sie brauchen, um wirklich einen Höhepunkt zu erreichen.

Auf Dauer, wenn es in Richtung Beziehung geht, ist es auch nicht fair, dem Mann ständig etwas vorzuspielen. Dann ist es gescheiter zu sagen: Es ist toll, es ist fein, zum Höhepunkt komme ich aber nicht so einfach. Lass uns doch mal experimentieren ...

7. Die Selbstbefriedigung

Oder: Darf ich mich selbst stimulieren? Mal angenommen, er ist an seinem Ziel angelangt und fällt nach erfolgter Ejakulation wie ein Maikäfer von Ihnen runter. Nur leider sind Sie zu diesem Zeitpunkt erst gerade mal auf halber Strecke angekommen. Was tun? Ist es legitim, dass Sie jetzt einfach Hand an sich legen? Ja, sagen die Fachleute. Aber noch besser wäre, ihn zum Mitmachen einzuladen. Vielleicht kann er ja seine Zunge einsetzen, wenn's mit seinem besten Stück nichts mehr wird. Und Finger hat er auch noch. Aber es ist völlig okay, wenn Sie sich an ihn kuscheln und dabei selbst stimulieren. Was Sie nicht tun sollten, ist, sich demonstrativ abzuwenden und ihn von Ihrem Tun auszuschließen. Besser wäre eine Fortsetzung der sexuellen Begegnung.

Wenn Sie den Sex mit sich selbst praktizieren, dann dürfen Sie sich nicht beschweren, wenn er es bisweilen auch tut.

Und: Drücken Sie auf keinen Fall mit Ihrer Selbstbefriedigung Ihre Unzufriedenheit aus. Ist er gar nicht mehr in Stimmung - aus physiologischer Sicht ist seine Erregungskurve zu diesem Zeitpunkt bekanntlich im Keller -, dann darf er sich aber auch nicht wundern, wenn Sie selbst aktiv werden. Allerdings: gleiches Recht für alle.
Wenn Sie den Sex mit sich selbst praktizieren, dann dürfen Sie sich nicht beschweren, wenn er es bisweilen auch tut.
Oder vielleicht haben Sie ja Lust, ihm zur Hand zu gehen.

8. Unangebrachte Fragen

Oder: Wie ehrlich muss ich auf die Frage „Wie war ich?" antworten? Es sollte sich herumgesprochen haben, dass man so etwas nicht fragt. Aber anscheinend gibt es Männer, die gelobt werden wollen, weil sie etwas bewerkstelligt haben. Doch die Liebe ist keine Performance, für die es Applaus gibt - und kein Wettkampf, für den A- und B-Noten vergeben werden.

9. Der Morgen danach

Oder: Muss ich meinem One-Night-Stand ein Frühstück servieren? Sie können, müssen aber nicht, sagen die Fachleute dazu. Ein vollzogener Beischlaf inkludiert keineswegs die Einladung zu einem Frühstück. Es hängt ganz allein von Ihrem Gefühl ab. Spielregeln gibt es diesbezüglich keine. Werden Sie sich am besten klar, ob Sie mit diesem Mann am nächsten Morgen aufwachen wollen. Unabhängig davon, wie gut der Sex war. Sollten Sie zweifeln, dann trennen Sie sich lieber noch in der Nacht. Nach einer angemessenen Verabschiedung. Am besten sagen Sie „Es war fein mit dir, ich würde mich aber gern ausschlafen" oder „Ich muss morgen früh raus, es wäre mir lieber, wenn du jetzt gehst". Und machen Sie sich um Himmels willen keine Gedanken, von wegen: „Ich kann ihn ja nicht um drei in der Früh in die Nacht hinaus- schicken." Natürlich können Sie! Wenn Sie bei ihm sind, stellt sich die gleiche Frage. Entscheiden Sie selbst, ob Sie lieber bleiben (sofern er einverstanden ist) oder gehen wollen. Sie müssen sich für Ihre Wahl nicht rechtfertigen.

Ein vollzogener Beischlaf inkludiert keineswegs die Einladung zu einem Frühstück.

Ach ja: Er ist in keiner Weise dazu verpflichtet, Ihnen ein Taxi zu rufen, geschweige denn, es zu bezahlen - und schon gar nicht muss er Sie eigenmächtig nach Hause fahren. Sollten Sie sich beide auf ein gemeinsames Frühstück geeinigt haben, ist das eine Draufgabe. Aber setzen Sie ihn spätestens aus der Wohnung, wenn Sie zur Arbeit gehen. Wie auch immer das Zusammensein war, verabschieden Sie sich freundlich, aber ohne jede Versprechung, die Sie dann nicht halten werden. So viele „versehentlich" Verliebte haben schon so viele Stunden vergeblich auf einen versprochenen Anruf gewartet. Das muss nicht sein!

Auch wenn die komplette Liebesgeschichte innerhalb einer Nacht abläuft, sollte die richtige Reihenfolge eingehalten werden: vorstellen, sich kennenlernen, ins Bett gehen.
Zunge weg von Generalbeichten. Die sind völlig überflüssig und bringen außer Kopfweh nur Kopfweh.
Falls Sie am Tag des Tages Ihre Tage haben, können Sie es ansprechen oder nicht. Es gibt kein Gesetz der Welt, das besagt, dass Sie müssen!
Was Sie auf gar keinen Fall und unter keinen Umständen tun sollten, ist abheben und fragen: „Hallo, wer spricht?", das ist eine glatte Todsünde.
Hin und wieder darf man ruhig flunkern, solange es die Ausnahme bleibt.
 

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