Warum zufrieden das neue glücklich ist

Nicht dem großen Glück nachjagen, sondern schauen, dass wir zufrieden sind. Das hält Autorin Christina Berndt für gscheiter. Wir haben mit ihr über ihr Buch "Zufriedenheit" gesprochen und gefragt, wie man sie denn erreichen kann.

Wir wollen zufrieden sein ...

Was bedeutet Zufriedenheit aus Ihrer Sicht überhaupt?

Christina Berndt: Ich denke, da geht es immer um ein Abklopfen von Realität und Wünschen. Also: Welche Ansprüche habe ich erfüllt und welche nicht. Je näher wir mit der Wirklichkeit an dem sind, was wir wünschen, desto zufriedener sind wir.

Und welche Wege führen zu mehr Zufriedenheit?

Naja, ich kann meine Ansprüche senken oder etwas tun, damit ich sie erreiche. Und dieser zweite Weg, der fällt uns oft leichter, dieses Mehr-schaffen, damit man mehr erreicht, das ist uns irgendwie näher. Deshalb halte ich es für wichtig, öfter mal zu sagen, Mensch, das muss doch nicht alles sein, man muss nicht ständig Riesen-Luftschlösser bauen und denken, das und das muss ich auch noch erreichen, sondern manchmal reicht auch weniger.

Aber Ziele zu haben, ist doch auch wichtig, oder nicht?

Ziele zu haben ist ein wichtiger Quell für Zufriedenheit. Aber es muss eben nicht immer um die großen Ziele wie "Wie erklimme ich jetzt die Karriereleiter" sein. Es geht mehr um Sinnfindung, dass ich auch weiß, wofür ich lebe, und dass ich diese Dinge tue. Und auch da gilt: Das muss nicht der Riesensinn sein, ich muss nicht Friedensnobelpreisträger werden, aber ich kann für mich kleine Ziele formulieren, mit denen ich gut in Einklang leben kann und die machen mich sehr viel zufriedener.

Alle Gefühle dürfen sein

Sie schreiben in Ihrem Buch auch, dass es wichtig ist, negative Gefühle zu akzeptieren. Warum?

Weil das Schlimme an der Traurigkeit z.B. ist ja, dass man sie nicht haben will. Wenn man sich Gefühle anschaut wie Stress, Wut, Frust, dann ist das wirklich Nervige dran ja, dass man sie nicht haben will. Dass man sich dagegen wehrt. Und wenn man dann sagt, na gut, das Leben ist kein Ponyhof, niemand ist rund um die Uhr glücklich, da hatte ich jetzt einen Misserfolg, darüber freu ich mich nicht, da geht´s einem gleich ein bisschen besser.

Was ist noch wichtig, um zufrieden sein zu können?

Dankbarkeit. Dazu gibt es auch viel empirische Forschung. Dankbarkeit ist mit das Wichtigste für Zufriedenheit, sie ist ein wirklich ganz wichtiges Gefühl, weil wir dadurch unseren Geist auf Dinge fokussieren, die gut sind und wofür wir dankbar sein können. Dann können wir auch Träume, die vielleicht unerfüllbar sind, leichter loslassen. Unsere Gehirnzellen sind auch lernfähig, d.h. wir können das üben - also wenn wir stärker auf die guten Dinge achten, die uns begegnen, dann wird das automatisch in unser Denken integriert und durch solche Techniken kann man sogar traurige Verstimmtheit verringern.

Das Buch "Zufriedenheit" von Christina Berndt ist im dtv-Verlag erschienen und kostet € 15,40.

 

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