Warum Zahnprobleme unseren ganzen Körper beeinflussen

Schwindel, Tinnitus oder Schlaflosigkeit - unsere Zähne können Kettenreaktionen im Körper auslösen. Wie Zahnprobleme unseren Organismus beeinflussen.

Zähne Probleme

Stell dir vor, du wachst jeden Tag mit Kopfschmerzen auf. Du trinkst genug, schläfst eigentlich gut, bist gesund und machst regelmäßig Sport. Trotzdem ist da jeden Morgen dieses dumpfe Gefühl im Kopf. Schon einmal auf die Idee gekommen, dass die Zähne daran schuld sein könnten? Zahnärztin und Autorin Annette Jasper beschäftigt sich seit Jahren mit ungewöhnlichen Patientengeschichten und hat einige davon in ihrem Buch Verzahnt festgehalten. Ihre Botschaft: "In unserem Organismus funktioniert alles in Regelkreisen. Ob ein Mensch gesund oder krank ist, hängt davon ab, inwieweit sein System im Gleichgewicht ist. Jede Störung wirkt sich auf das Ganze aus."

Zähne und Organe - ein komplexes Gebilde

Jeder Zahn in unserem Mund ist einem Organ zugeordnet. Die Schneidezähne sind mit Niere und Blase verbunden, die Eckzähne mit Lunge und Dickdarm und die Backenzähne mit Magen, Milz, Herz und Dünndarm. Wie das? "Unsere Zähne sind über unsere Zellen und das Bindegewebe mit unserem Körper verbunden. Die Reizweitergabe läuft wie bei einer Elektroleitung", so Annette Jasper. Fehlt ein Zahn, wurde er ersetzt oder sind einzelne Zähne krank, gerät ein eigentlich perfektes System aus dem Takt. Dazu kommen Probleme, die aufgrund der Keime, die durch einen kranken Zahn oder eine Zahnfleischtasche in den Körper eindringen, entstehen -und eine riesige Gruppe funktioneller Probleme, die auftreten, wenn der Biss nicht stimmt oder wenn wie beim Zähneknirschen mit den Zähnen Stress abgebaut wird.

Was Krankheiten mit Zähnen zu tun haben

Die Kopfschmerzpatientin in Annette Jaspers Buch leidet unter CMD, was für Craniomandibuläre Dysfunktion, eine Fehlsteuerung des Kausystems, steht und weitverbreitet ist, obwohl die meisten von uns noch nie etwas davon gehört haben. Die Symptome sind so vielfältig, dass sie gerade deswegen oft sehr spät erkannt werden. Wird über die sehr kräftige Kiefermuskulatur ständig Druck auf das Rückenmark ausgeübt, kann das die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und Nerven im Innenohr reizen - schon hat man ein Schwindelgefühl. Auch Ohrenschmerzen oder sogar eine Hörminderung können die Folge sein. Fast immer ist die Ursache eine Verschiebung des Halswirbels. Gefährdungsgrad für BüroarbeiterInnen: hoch. Wir können diese Art von Fehlhaltung des Kiefers nämlich nur schwer kontrollieren. Meistens merken wir nicht einmal, dass wir oft stundenlang in der gleichen Haltung am Computer sitzen und dabei die Zähne aneinanderpressen, das Kiefer anspannen oder unnatürlich nach vorne schieben. Eine verspannte Kaumuskulatur ist uns damit so gut wie sicher. Aber auch Rückenschmerzen bis hin zum "Bandscheibenvorfall" im Kiefer können die Folge sein. So gut wie immer aber machen sich Zahnprobleme im Körper bemerkbar. Wie lange es dauert, bis sie als das erkannt werden, was sie sind, ist sehr unterschiedlich. "Die wenigsten Menschen suchen gleich einen Zahnarzt auf, wenn sie körperliche Probleme haben. Deshalb vergehen oft Monate bis Jahre, bis der Zahnherd entdeckt und dann auch noch mit anderen Prozessen im Organismus behandelt wird", sagt Jasper. Auf seinen Körper zu hören und bei Schmerzen vielleicht einmal mehr um die Eck(zähn)e zu denken, lohnt sich also. Und in der Zahnpflege Faktenwissen Mythen vorzuziehen sowieso.

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