Warum zählt ein 'Nein' nur, wenn du 'einen Freund' hast?

Schauspielerin Jameela Jamil ärgert sich öffentlich über Männer, die kein "Nein" akzeptieren und zeigt, wie gefährlich unsere Angst vor Zurückweisung enden kann.

Jameela Jamil

"Sorry, bin schon vergeben" - ein Satz, den wohl jede Hetero-Frau schon einmal als Vermeidungstaktik gegen ungewollte Flirtversuche "beharrlicher" Männer verwendet hat. Denn als Frau hat man schnell gelernt, dass ein ehrliches "ich hab kein Interesse" bei den meisten Anmachen einfach nichts bringt. Stattdessen scheinen viele flirtwillige Männer nur dann Ruhe zu geben, wenn man die Verbindung zu einem potenziellen "Anderen" vorschiebt. Und plötzlich verwandelt sich die Beharrlichkeit in Respekt - schließlich ist das Subjekt der Begierde ja schon an einen anderen Mann gebunden.

Da drängt sich als Frau natürlich schnell die Frage auf, warum ein selbstbestimmtes Verneinen in solchen Situtationen einfach nicht genug ist, warum es immer noch einen Anderen braucht, um in Frieden gelassen zu werden.

Ein "Nein" ist nicht genug

Jameela Jamil, amerikanische Schauspielerin und Aktivistin, hat Erfahrungen wie diese selbst oft genug gemacht und erzählt auf Twitter, was passierte als sie einmal nicht einen anderen Mann als Ausrede gegen einen Flirtversuch verwendete:

"Ich habe als 19-Jährige einmal 'danke, nein danke' zu einem Mann gesagt, ohne eine Entschuldigung parat zu haben - und er hat mir daraufhin ins Gesicht geschlagen. Seitdem sage ich immer, dass ich einen Freund habe - egal, ob es stimmt oder nicht. Frausein ist verdammt beängstigend. Wir bewegen uns auf sehr dünnem Eis", stellt Jamil klar.

Jamil ist nicht die einzige, die solche Belästigungen oder Gewalt in Folge einer Anmache erlebt hat. Unter ihrem Posting erzählen tausende Frauen von ähnlichen Erlebnissen und zeigen damit, dass das gesellschaftliche Stigma der Zurückweisung in vielen Fällen nicht nur unangenehm für Männer sondern vielfach gefährlich für Frauen werden kann.

Der fehlende Ring am Finger

So erzählen die Frauen von Situationen, in denen sie explizit auf ihren Beziehungsstatus angesprochen wurden oder Anmerkungen über einen "fehlenden" Ring am Finger anhören mussten. "Ein Mann hat mich einmal während einem Arbeitsevent am Weg zur Toilette gestoppt und gemeint 'er würde ein Date suchen'. Als ich meinte 'ich kann dir nicht helfen' und weitergehen wollte, hat er mich am Handgelenk gepackt auf meinen leeren Ringfinger gezeigt und gemeint 'scheint, als könnte ich dir schon helfen'." schreibt eine verärgerte Nutzerin.

Erobern bis zum bitteren Ende

In Reaktion auf die erschreckend lange Diskussion, die Jamil mit ihrem Tweet auslöste, plädierte die Schauspielerin anschließend für einen sensibleren Umgang mit Zurückweisung, der schon im Kindesalter beigebracht werden müsse. "Zurückweisung darf sich nicht so anfühlen, als müsstest du dafür im Boden versinken, wenn jemand -nett- 'nein' sagt", so Jamil.

Freilich spielen aber auch vorgelebte Rollenbilder aus der Popkultur einen Part im Flirt-Verhalten einiger Männer. Die Figur des Jägers, der einer Frau nachstellt, obwohl diese ihr klares Desinteresse ausgedrückt hat, findet sich auch 2019 noch in zahlreichen Filmen oder Serien. Im Gegensatz zum Film, in dem sich die Frauen irgendwann "erweichen" lassen, sieht das Leben aber anders aus: die Ablehnung wird selten ernst genommen, im schlimmsten Fall müssen Frauen sich vor einer gewalttätigen Reaktion fürchten, wie Jamil und viele weitere Frauen einmal mehr beweisen. Es wird wohl noch dauern bis das Klischee des erfolgreichen Eroberers endlich gebrochen ist. Bis dahin heißt es "Nein heiß Nein" - und zwar ganz egal, ob du einen Freund hast oder nicht.

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