Warum wir in Zeiten von Corona unbedingt masturbieren sollten

Nicht nur die Gesichtsmaske am Abend tut gut. Ein Orgasmus gehört zur Selfcare in Heimisolation dazu und stärkt auch noch unser Immunsystem.

Warum wir in der Corona-Quarantäne masturbieren sollten

Memes spiegeln meistens gut wider, was uns gerade so beschäftigt. Folgt man den tausenden Accounts, die in den letzten Wochen zum Thema Sex, Masturbation und Sex Toys posten, scheinen Selbstisolation und Quarantäne ziemliche Stimmungsmacher zu sein. Online-Shops wie Amorelie melden ein dickes Umsatzplus dank Online-Verkäufen von Sex Toys aller Art. Und gute Nachrichten gibt's auch für unser Immunsystem.

Rein gesundheitlich gesehen, sind mehr erwünschter Sex und Selbstbefriedigung immer eine gute Sache, meint Alexandra Kautzky-Willer, Gendermedizinerin am Wiener AKH: "Studien haben gezeigt, dass Orgasmen tatsächlich das Immunsystem stärken. Beim Orgasmus kommt es zum Anstieg verschiedener Hormone wie Adrenalin, Prolaktin aber auch Dopamin. Epinephrin und Endorphinen."

Eine Studie an Männern hat gezeigt, wie sich ein masturbationsbedingter Orgasmus auf das Immunsystem auswirkt. "Man hat die weißen Blutkörperchen, die Lymphozyten und Leukozyten gemessen und gesehen, dass es zu einem Anstieg von einigen Hormonen kommt, die beim Orgasmus ausgeschüttet werden. Prolaktin ist ein wichtiges Anti-Stress-Hormon. Adrenalin ist für die Erregung zuständig und bringt den Kreislauf in Schwung. Gleichzeitig kam es auch zu einem Anstieg von natürlichen Killerzellen im Blut. Damit meint man weiße Blutkörperchen und zytotoxischen T-Zellen, die die eigene Abwehr stärken und die man auch gegen Viren einsetzt. Der Effekt war ungefähr 45 Minuten messbar", so Kautzky-Willer.

Frauen und Masturbation - gibt's das? (Ironie off)

Während sich Studien zum männlichen Orgasmus auf Masturbation konzentrieren, geht es bei Frauen um Reproduktion und heterosexuellen Sex mit Penetration. Studien zum weiblichen Orgasmus dank Sextoy, Selbstbefriedigung oder Stimulation ohne Penetration (was die heteronormative Sichtweise auf das Thema etwas zurechtrücken würde) sind leider nicht vorhanden.

Kautzky-Willer: "Aus Amerika gibt es Studien, wo man das Sexualleben von Frauen über zwei Jahre beobachtet und Antikörper im Speichel gemessen hat. Die, die regelmäßig Sex hatten, hatten 30 Prozent mehr Immunglobuline G, also die Antikörper, die man gegen Viren und Bakterien braucht. Man nimmt an, dass beim Sex und dem Austausch von Körperflüssigkeiten das Immunsystem etwas hochgefahren wird, auch um den Körper vor einer Infektion zu schützen. Bei Frauen kommt es außerdem zu immunologischen Veränderungen damit die Einnistung der Eizelle begünstigt wird und es zu Schwangerschaften kommen kann." Der weibliche Orgasmus als alleiniges Studienobjekt hat bis jetzt aber niemanden genug interessiert.

Trotzdem kann man die positiven körperlichen Effekte eines Orgasmus laut der Gendermedizinerin auch auf Frauen umlegen: "Wann immer man sich glücklich fühlt, weil man ein erfülltes Sexleben hat, ob mit sich selbst oder in einer Paarbeziehung, verbessert das den Gesundheitszustand. Natürlich werden auch bei Frauen Glückshormone wie Serotonin, das Kuschelhormon Oxytocin, das Anti-Stress-Hormon Prolaktin oder eben Endorphine freigesetzt, die glücklich machen. Das alles reduziert Stress und stärkt damit das Immunsystem.“

Sex oder Solo-Sex – in jedem Fall eine gute Idee

Paare sollten sich laut der Medizinerin auch in dieser Krisenzeit bewusst Zeit für die Beziehungsarbeit nehmen. "Man weiß ja, dass viele Beziehungen im Urlaub zerbrechen, weil die Menschen plötzlich 24/7 aufeinander kleben. Man sollte versuchen die Sache insofern positiv zu sehen, als dass man sich jetzt auch vermehrt der Lust widmen kann."

Und wenn frau allein in Selbstisolation sitzt? Wie wird der Kopf für Sexual Selfcare frei? "In einer Stresssituation Lust zu empfinden ist für Frauen oft schwieriger als für Männer. Bei Männern reicht oft ein Porno oder ein Foto im Internet und sie sind bereit. Bei Frauen ist die Sache komplizierter. Man kann auf jeden Fall versuchen, ganz bewusst den Kopf auszuschalten und es als Teil der gesunden Selbstliebe sehen", so Kautzky-Willer. "Alles was uns entspannt, ist gut. Das kann ein Bad, aber auch das Sextoy sein." Hauptsache man stresst sich nicht damit. Dann kommt das starke Immunsystem von ganz allein.

 

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