Warum wir plötzlich alle das Bedürfnis haben, uns die Haare zu färben und Ponys zu schneiden

Okay, gib’s zu: Du bist auch schon vor dem Spiegel gestanden und hast dir überlegt, wie dir wohl Stirnfransen stehen würden (wir eh auch).

Junge Frau mit rosa Haaren

Egal, ob auf Twitter, Instagram oder Tik Tok (jaaa, eventuell haben wir uns in isolations-bedingter Verwirrung nun auch dem Trend gebeugt) – überall ist der Wunsch nach äußerlicher Veränderung bemerkbar, insbesondere im Haar-Department. Gibt man auf Tik Tok etwa "quarantine hair“ in die Suchleiste ein, stößt man auf eine Flut an Videos von Menschen mit Scheren in der Hand, Alufolie auf dem Kopf oder Überresten ihrer einstigen Haarpracht auf dem Boden verteilt. Das Ganze betitelt mit Captions von "Well what else is there to do…“ bis "WHAT HAVE I DONE?!“.

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Sicher, hier und da überkommt uns alle mal die Lust auf was Neues, aber warum haben wir gerade jetzt kollektiv das Bedürfnis, mit unseren Haaren zu experimentieren?

Wir wollen die Kontrolle haben

Die klinische Psychologin Dr. Chloe Carmichael erklärt das Phänomen gegenüber Elite Daily so: Ähnlich wie nach einer Trennung von unserem*r Partner*in oder nach einem anderen einschneidenden Erlebnis, haben wir auch jetzt das Bedürfnis, die Kontrolle zurückzuerlangen.

Momentan befinden wir uns alle in einer Situation, die wir so noch nie erlebt haben, es herrscht allgemein große Ungewissheit. "Die Leute suchen nach einer Möglichkeit, die Kontrolle über ihren Körper zu behalten und selbst etwas an seiner Frisur zu verändern, ist ein Weg das zu tun“, so Carmichael.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Psychologin Dr. Sanam Hafeez ergänzt, dass die derzeitige Corona-Pandemie und die damit einhergehende fehlende Kontrolle psychische Folgen wie Angstzustände und Depressionen verursachen kann. Gleichzeitig sollten wir aber nicht davon ausgehen, dass unsere beste Freundin mit schwierigen psychischen Belastungen zu kämpfen hat, nur weil sie sich von heute auf morgen die Haare abschneidet.

Viele sehen in der aktuellen Situation die Chance, endlich das zu tun, was sie schon lange vor hatten, sich aber bisher vielleicht nicht getraut haben. Hafeez erklärt weiter, dass wir jetzt auch eher Dinge ausprobieren, die wir uns sonst vielleicht nicht trauen würden, weil wir gerade mehr Zeit haben, uns selbst kennenzulernen und andererseits frei von äußerlichen Zwängen und Urteilen sind. Sollte das Experiment also schiefgehen, ist nix dabei – schließlich sieht uns so bald eh niemand.

 

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