Warum wir nicht feiern sollten, dass es ein Bub oder ein Mädchen wird

Nichtmal die Erfinderin von Gender Reveal Parties will das Geschlecht eines Kindes noch feiern. Sie bereut ihren "Beitrag zur Kultur". Weil, Überraschung: Gender ist ein soziales Konstrukt!

Gender Reveal Party

Auf Instagram kommt man in der #mom2be-Bubble kaum mehr über sogenannte Gender Reveal Parties umher, sprich: Babyparties, bei denen mit viel Tamtam das Geschlecht des Kindes bekannt gegeben wird. Oft passiert das durch Anschneiden einer Torte, deren Füllung entweder rosa oder blau ist, oder Luftballons, die zerstochen werden und deren rosa oder blaue Konfettifüllung dann das Geschlecht verrät. Über eine Million Beiträge finden sich mittlerweile unter dem Hashtag #genderreveal, mehr als 230.000 weitere unter #genderrevealparty. Kurzum: Zumindest auf Instagram, Pinterest & Co. scheinen die Babyparties nicht mehr wegzudenken zu sein.

Dabei gibt es den Hype um das Bekanntgeben des Geschlechts eines Kindes erst seit 2008. Bloggerin Jenna Karvunidis gilt als die Erfinderin ebensolcher Parties. Sie schmiss 2008 eine Gender Reveal Party für ihr erstes Kind und berichtete darüber auf ihrem Blog. Weniger später griff die Schwangerschafts-Plattform The Bump ihren Blogeintrag auf, wodurch Gender Reveal Parties an Bekanntheit erlangten. Heute bereut Jenna Karvunidis ihren "Beitrag zur Kultur", wie sie aktuell in einem Facebook-Posting schreibt.

"Ist es nicht egal, welches Geschlecht ein Kind hat?"

Unter einem Familienfoto äußert sie ihr Gedanken zu dem bedenklichen Trend, den sie vor über 10 Jahre startete: "Jemand hat mich erinnert, dass ich es war, die Gender Reveal Parties ‚erfunden‘ hat. (…) Ein Interview mit mir wurde im The Bump Magazin veröffentlicht und von da an waren Gender Reveal Parties ein Selbstläufer. Ich habe den Artikel bis heute eingerahmt", schreibt sie. Nichtsdestotrotz habe sie gemischte Gefühle über ihren Beitrag zur Kultur: "Das Thema ist einfach so explodiert. (…) Dem biologischen Geschlecht eines Kindes wird heute plötzlich so viel mehr Aufmerksamkeit und Gewicht gegeben als jemals notwendig gewesen wäre. Ist es nicht egal, welches Geschlecht ein Kind hat? Mir war es damals nicht egal, weil wir noch nicht das Jahr 2019 hatten und über viele Dinge nicht so dachten wie wir heute drüber denken", erinnert sie sich.

"Der extreme Fokus auf das Geschlecht lässt uns gar keinen Raum, das Potential und die Talente des Kindes zu sehen – und die haben nunmal nichts mit dem zu tun, was zwischen den Beinen ist", stellt sie unter dem Foto, das sie mit ihrem Partner und ihren mittlerweile drei Kindern zeigt, klar. In der Mitte posiert das Kind, für das 2008 die erste Gender Reveal Party geschmissen wurde - mit pinken Ballons und Tortenfüllungen, aber: "Plot Twist", schreibt Jenna weiter: "Das erste Gender-Reveal-Party-Kind ist ein Mädchen, das Anzüge trägt."

 

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