Warum wir mehr Burkini-Demos brauchen

Montag Abend trafen sich in Wien dutzende Menschen, um gegen das Burkini-Verbot zu tanzen. Und sie haben bewiesen: wir brauchen mehr Frauensolidarität auf dieser Welt.

Schwimmen, wie wir wollen.“ So lautete der Titel eines Flashmobs, der gestern in Wien stattfand und sich gegen das Burkini-Verbot wendete. In Bikinis, Burkinis, Mankinis, Neoprenanzügen, Regenjacken & Co. bewiesen die TeilnehmerInnen, wie absurd ein Burkini-Verbot, das derzeit in aller Munde ist, überhaupt ist. Gemeinsam tanzten sie zu Macarena-Klängen und sprangen anschließend in den Pool des „Badeschiffs“ am Wiener Donaukanal. Die Aktion war ein voller Erfolg und zeigt: wir brauchen mehr (Frauen-)Solidarität auf dieser Welt.

Wir haben eine Stimme - und sind zusammen lauter


Oft ist es nämlich nicht leicht, mit der Unterdrückung und Diskriminierung, die frau selbst erlebt oder beobachtet, klarzukommen. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Einer, den wir Frauen leider sehr häufig verlieren müssen. Gegen ein System, das uns systematisch unterdrücken, kontrollieren und zum Schweigen bringen will.

Doch es gibt eine Lösung: Solidarität. Sich mit anderen zusammenzuschließen, die Ähnliches erleben, fühlen und denken. Mit Menschen, die einfach daran glauben, dass diese Welt zu einer besseren gemacht werden muss. Und das können wir heutzutage ganz einfach: wir liken, sharen und posten für das Gute, wir organisieren Demos, wir haben einfach Spaß miteinander - auch wenn uns wieder einmal manche Männer vorschreiben wollen, was wir zu tun und wie wir auszusehen haben. Denn: 2016 lassen wir uns nicht mehr sagen, was wir zum Schwimmen anziehen sollen. Und wir lassen uns auch nicht einreden, dass es "nur zu unserem Besten" ist. Denn ein Verbot, das Frauen aus der Öffentlichkeit vertreibt, kann einfach nicht gut sein.

Viele Stimmen, viele Geschichten


Trotz allem dürfen "wir" aber nicht vergessen, dass es Unterschiede zwischen Frauen gibt, dass es unterschiedliche Identitäten gibt, die mal mehr, mal weniger zum Tragen kommen. Dass wir nicht alle die gleichen Diskriminierungserfahrungen machen. Und es wäre fatal, diese systematische Unterdrückung zu reproduzieren.

Die mediale Aufmerksamkeit war groß

Doch auch abseits des politischen Aktivismus gibt es Wege und Möglichkeiten, wie wir uns untereinander besser unterstützen können. Frauen wird von klein auf beigebracht, dass sie schön und brav sein müssen, um zu gefallen. Und am besten schöner als die anderen. Dieser Perfektionsdruck, der sich leider noch immer am stärksten über das Aussehen definiert, macht uns zu Konkurrentinnen, die wir nicht sein sollten. Anstatt dass wir zusammenhalten, kämpfen wir gegeneinander. Wir beobachten und beurteilen uns ständig gegenseitig. Stattdessen sollten wir uns aber bestärken, uns auf die Schultern klopfen, uns zusammenschließen.

Foto: Daniel Tasharofi/WARDA (LINK zu allen Fotos)

Genau deshalb braucht es mehr Burkini-Demos. Braucht es mehr Frauen, die aufstehen, laut sind und zusammen für das Gute und gegen Diskriminierung tanzen, lachen, singen und schwimmen. Denn es ist ein starkes Zeichen, macht Mut und Hoffnung, und zeigt auch den Frauen, die ihre Stimme nicht erheben können, dass sie nicht vergessen wurden. Und denen, die sie uns allen wegnehmen wollen, sagt es: ihr werdet uns sicher nicht spalten, damit ihr munter weiterwerken könnt. Denn die Rechte, die wir uns jahrhundertelang mühsam erkämpft haben, die behalten wir auch. Und die anderen holen wir uns auch noch. Versprochen.

Die mediale Aufmerksamkeit für die Aktion war groß
 

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