Warum wir Gewalt an älteren Frauen nicht übersehen dürfen

Ältere Frauen sind einem mehrfachen Gewaltrisiko ausgesetzt – wegen ihres Alters, aufgrund ihres Geschlechts und weil sie von vielen Abhängigkeiten betroffen sind.

Warum wir Gewalt an älteren Frauen nicht übersehen dürfen.

Gewalt gegenüber Frauen ist ein ernstzunehmendes Problem, das sich durch alle Altersstufen zieht und allgemein mehr Aufmerksamkeit sowie vor allem wirksame Maßnahmen benötigt. Heute am Internationalen Tag gegen Gewalt an älteren Menschen wollen Gewaltschutzorganisationen wie MARVOW (Multi-Agency Responses to Violence Against Older Women) und der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) speziell auf das Problem der Gewalt gegenüber älteren Frauen aufmerksam machen.

Lage durch Corona verschärft

Gerade ältere Frauen sind in der Regel einem höheren Gewaltrisiko ausgesetzt – einerseits aufgrund ihres Alters, andererseits aufgrund ihres Geschlechts und weil sie oft lebenslangen (strukturellen) Benachteiligungen ausgesetzt und von vielen Abhängigkeiten betroffen sind.

Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt werden nach außen hin kaum wahrgenommen. Spezifische Hilfsangebote und Maßnahmen zur Prävention fehlen, was es schwerer macht, sich an jemanden zu wenden und Hilfe zu suchen bzw. zu bekommen.

Der gefährlichste Ort in Sachen Gewalt und Misshandlungen ist das eigene Zuhause, weil die meisten Älteren und Hilfebedürftigen von Familienangehörigen betreut werden. Durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Ausgangsbeschränkungen hat sich die Situation für Betroffene noch einmal verschärft.

Gewalt hat viele Gesichter

Denken wir an (häusliche) Gewalt, kommt vielen von uns vermutlich in erster Linie physische Gewalt in den Sinn. Tatsächlich kann sich Gewalt auch noch auf andere Weise äußern. Gerade ältere Menschen, speziell Frauen, sind häufig auch von psychischer und sozialer, aber auch sexueller Gewalt konfrontiert. Unter soziale Gewalt fällt neben dem Einschränken des freien Willens etwa die Vernachlässigung betroffener Personen, z.B. durch wiederholte Verweigerung oder Unterlassung von notwendiger Hilfeleistung oder erforderlicher Pflege.

Auch finanzielle Ausbeutung kommt gerade bei älteren Menschen häufiger vor, etwa durch erzwungene Abtretung von Pension oder Pflegegeld.

Situation in Österreich

Wie wir u.a. an der hohen Zahl an Femiziden erkennen, hat Österreich ein drastisches Gewaltproblem. Im heurigen Jahr wurden bereits 14 Frauen von ihrem Partner bzw. Ex-Partner ermordet. Wirkungsvolle Maßnahmen auf struktureller Ebene sind also längst überfällig.

6 der getöteten Frauen waren über 60 Jahre alt, was deutlich macht, dass es durchaus auch die älteren trifft und es vor allem auch hier effektive Maßnahmen braucht, um Frauen zu schützen.

Zusammen gegen Gewalt

Das Projekt MARVOW befasst sich mit dem Problem geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und entwickelt das erste multi-institutionelle Modell für ältere Opfer von Gewalt und Gewalttäter gegen ältere Frauen.

MARVOW hat im letzten Jahr Kooperattionsplattformen geschaffen, an denen Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren sowie die Polizei und Männerberatungsstellen mitwirken, um einen gegenseitigen Austausch anzuregen und Lösungen für strukturelle Probleme zu entwickeln. Seit Ende letzten Jahres wird das Projekt auch in Österreich umgesetzt.

Weitere Informationen zur Initiative MARVOW findet ihr hier.

 

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