Warum wir es oft nicht merken, wenn unsere Partner*innen lügen

War das nun geschwindelt oder nicht?

Warum wir es oft nicht merken, wenn unsere Partner*innen lügen

Gut, dass wir uns in der Regel schwer tun, zu bemerken, wenn fremde Personen uns belügen, ist irgendwie klar. Wir wissen nicht genau, wie sie sich verhalten, wenn sie die Wahrheit sagen, kennen ihre Gestik und Mimik nicht in- und auswendig. Aber bei Personen, die uns nahe stehen, speziell unseren Bezeihungspartner*innen? Müssten wir da nicht einen viel besseren Lügenradar haben und merken, wenn wir angeschwindelt werden? Tatsächlich nicht, wie die Forschung zeigt.

Die Gründe, warum es uns so schwer fällt, Lügen unserer Partner*innen zu erkennen:

1. Vertauens-Bias

Studien zeigen deutlich, dass wir Menschen dazu tendieren, zu vertrauen. Ein Beispiel: Proband*innen sollten im Zuge einer Untersuchung Lügen erkennen. Den Teilnehmer*innen wurde vorab gesagt, sie werden mit 50 Prozent Wahrheiten und 50 Prozent Lügen konfrontiert sein. Im Endeffekt beurteilten sie dennoch weit mehr als die Hälfte der Aussagen als "wahr". Bei Menschen, die wir gut kennen und gern haben, tendieren wir noch mehr dazu, ihre Aussagen zu glauben - vor allem wenn es um alltägliche Interaktionen und Gespräche geht.

2. Anstand

Es ist unangenehm und erscheint unhöflich, jemanden einer Lüge zu bezichtigen. Daher hält uns unser Sinn für Anstand und gesellschaftliche Etikette oft davon ab, übermäßig misstrauisch zu sein. Und ohne die Möglichkeit oder einen Anlass, den*die potenziellen Lügner*in ins Kreuzverhör zu nehmen, wird es schwieriger, die Lüge aufzudecken. Gerade kleine Schwindel werden aus diesem Grund schnell übersehen.

3. Wir haben keine Grund, misstrauisch zu sein

Der lügende Beziehungspart ist möglicherweise stärker motiviert, erfolgreich zu täuschen als es der andere ist, eine Lüge aufzudecken. Wenn es keine Gründe für einen Verdacht gibt, ist die andere Person vielleicht nicht besonders motiviert, den Wahrheitsgehalt der Geschichte ihres*r Partners*in zu hinterfragen oder zu überprüfen.

4. Wir verlassen uns auf Warnsignale (die möglicherweise gar keine sind)

Untersuchungen zeigen, dass Menschen dazu neigen, sich zu sehr auf altbekannte Hinweise der Täuschung zu verlassen. So ist es etwa eine weit verbreitete Annahme, dass ein*e Lügner*in einem nicht in die Augen schauen kann. Forschungen ergaben jedoch, dass Menschen beim Lügen oft mehr Augenkontakt herstellen als wenn sie die Wahrheit sagen - vermutlich, weil sie ahnen, dass fehlender Augenkontakt zu auffällig sein könnte und die Lüge verrät. Allgemeine "Lügenwarnsignale" sind im individuellen Kontext oft also gar nicht so hilfreich.

5. Wir wollen die Lüge nicht wahrhaben

Womöglich möchten wir die Ehrlichkeit unseres*r Partners*in nicht auf die Probe stellen, weil dies schwerwiegende Folgen für die Beziehung haben kann. Der*Die Partner*in könnte wütend werden, plötzliches Misstrauen könnte einen Keil zwischen uns und unsere*n Partner*in treiben. In manchen Fällen kann es daher eine bequemere Alternative sein, nichts zu wissen bzw. nicht zu hinterfragen.

 

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