Warum wir auch 2016 noch einen Goldenen Penis brauchen

Barbara Haas spricht in ihrem Jänner Editorial darüber, warum wir Frauenrechte immer neu ausverhandeln müssen und es ein Sexisten-Ranking braucht.

Wissen Sie, was in der US-Unabhängigkeitserklärung steht? „All men are created equal.“ („Alle Menschen sind gleich erschaffen worden.“) Das war damals, 1776, ein Riesending. Es war das erste Dokument der Menschenrechte. Dass sich ein Land darauf einigen konnte, die Gleichheit von Menschen anzuerkennen, war wow! Aber halt, gemeint waren eigentlich nicht Menschen, sondern Männer. Weiße Männer, um genau zu sein. Die 460.000 Sklaven und auch alle Frauen waren von diesem „Wow“ noch nicht betroffen. Das mit den Sklaven dauerte noch bis 1865, und bis Frauen z. B. das Wahlrecht bekamen, war das Jahrhundert schon fast um. In Österreich dauerte es noch länger, seit 1918 dürfen wir erst wählen.

Frauenrechte sind nicht selbstverständlich.

Warum ich das erzähle? Um zu zeigen, dass Rechte noch nie vom Himmel gefallen sind, sondern erkämpft wurden. Wenn also die WIENERIN in dieser Ausgabe wieder die Sexisten des Jahres mit dem Goldenen Penis kürt, könnten sich ja manche denken: Na ja, eh lustig, aber Sexismus ist das angesichts von Donald Trumps „Muschi-grapsch“-Sager jetzt wirklich keiner. Ist ja nicht so tragisch, wenn der Nationalratsabgeordnete Marcus Franz der deutschen Kanzlerin unterstellt, ihre Kinderlosigkeit mit der Aufnahme von Flüchtlingen zu kompensieren, wenn FPÖ-Mann Norbert Hofer beim Thema Abtreibung von der Gebärmutter als Ort „mit der höchsten Sterbewahrscheinlichkeit“ spricht oder Promiwinzer Leo Hillinger im TV erst mal fragt, ob die Wirtin „ein Küchengesicht“ habe oder eh auch an die Schank dürfe.

Schauen Sie sich hier die 10 Sexisten des Jahres 2016 an:

Nicht tragisch? Und echt kein Grund für die Feministinnen, gleich wieder auszuflippen?


Ich finde es schon tragisch. Denn: Menschen, die im öffentlichen Leben stehen, tragen Verantwortung. Gerade, wenn durch Social Media Frauen mehr denn je belästigt, gemobbt und so zum Schweigen gebracht werden. Wenn Frauen als Freiwild gelten und Vergewaltigungswünsche auf Facebook schon ganz normal geworden sind. Deshalb küren wir die Sexisten des Jahres. Weil wir auf ein Menschenrecht aufmerksam machen wollen: dass wir alle gleich viel wert sind.

 

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