Warum wir alle lernen sollten, unsere Schweißflecken zu akzeptieren

Viel zu lange habe ich mir durch Schweißflecken den Sommer vermiesen lassen. Damit ist jetzt ein für alle Mal Schluss.

Frau breitet Arme aus

An und für sich gibt der Sommer ja Vieles her, auf das man sich freuen kann: Sonnenschein, gmiadliches Rumliegen am See, entspanntes Aperol-Trinken mit Freund*innen im Schanigarten, hübsche Sommerkleider, … Eine klitzekleine Sache hat meine Vorfreude auf die warme Jahreszeit in den vergangenen Jahren jedoch immer ein bisserl geschmälert, und zwar: Schweißflecken.

Kaum ein heißer Tag verging, ohne dass mir Gedanken wie "Oh oh, schwitze ich etwa schon wieder?" oder "Ob man wohl bei diesem Shirt Schweißflecken bekommt …" durch den Kopf gingen. Doch, meine lieben Freund*innen, kann ich euch heute voll Stolz mitteilen: Ich habe endlich gelernt, einfach drauf zu scheißen (und ihr solltet das auch tun!).

Schweißfleck-Paranoia

Zu Beginn, lasst mich euch noch etwas Einblick in meine von Schweißflecken-Paranoia geprägte Vergangenheit geben:

Erstes Beispiel: Uni. Ich sitze in der Übung, eine Frage wird gestellt und ich bin mir relativ sicher, dass ich sie beantworten kann. Schießt mein Arm selbstbewusst in die Höhe, damit ich auch ja drankomme? Nein! Die Befürchtung, ein (in meiner damaligen Vorstellung) ekelhafter, unhygienischer Schweißfleck könnte meine Achsel "zieren", hält mich natürlich davon ab.

Anderes Beispiel: G'wand shoppen. Sagen wir, es gibt ein Oberteil, das mir ganz gut gefällt, in mehreren Farben: Wähle ich die Farbe, die mich am meisten anspricht und die mir besonders gut steht? Nein! Vermutlich greife ich (wie so oft) zur weißen oder schwarzen Variante, denn da muss man sich über die 'grauslichen' Flecken keine Gedanken machen.

Beispiel Nummer Drei: Fortgehn. Dass Schwarz beim Ausgehen sowieso immer geht, kommt mir als Schweißflecken-fürchtender Angsthase natürlich gelegen. Tritt allerdings der ungewöhnliche Fall ein, dass ich feiern geh und dabei aber nix Schwarzes trage (etwa, weil spontan), war's das ganz schnell wieder mit der Partylaune: Statt wild herumhüpfen und Arme in die Luft werfen gibt's eher nur awkward rumstehen, am Bier nippen und hoffen, dass keiner merkt, dass ich schwitz.

Ähnlich war es übrigens auch lange Zeit bei Deoflecken auf Shirts: Früher definitiv noch Auslöser für Panik (und noch mehr Schweißflecken – höhö) und Grund genug, das Oberteil zu wechseln. Mittlerweile kann zum Glück sogar ich bei der Vorstellung, sich nur deswegen umzuziehen, die Augen Rollen.

Ja, ich schwitze - na und?

Ihr seht: Diese ständige Panik vor Schweißflecken macht das Leben nicht grade leichter. Zum Glück hab ich es nun endlich irgendwie geschafft, aufzuhören, mich wegen einer (samma sich ehrlich) Lächerlichkeit verrückt zu machen. Es hat halt noch ein paar mehr Lebensjahre, etwas mehr Selbstbewusstsein und die Einsicht gebraucht, dass man eben einfach nicht immer perfekt sein kann und muss. Was mir auch geholfen hat, war zu erkennen, dass diese nervige Obsession eigentlich weniger meine Schuld ist, als die Schuld einer Gesellschaft, die mir seit frühester Jugend eingetrichtert hat, Frauen sollen bitte immer hübsch gestriegelt und schweißfrei und wohlriechend und haarlos und abgepudert und eigentlich rundherum fehlerfrei sein.

Ich kann euch nur sagen: Sich von diesen obviously ohnehin unerreichbaren Zielen zu verabschieden und einfach nimmer drüber nachzudenken, ob man denn nun schwitzt oder nicht, ist wahnsinnig befreiend. Also: Lasst euch nicht länger den Sommer oder das Leben durch ein paar lächerliche Flecken vermiesen (die noch dazu vollkommen natürlich sind!) und tragt eure Schweißflecken mit Stolz (oder zumindest Gleichgültigkeit)! Ich tu's ab jetzt auch :)

 

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