Warum will Hollywoods berühmteste Feministin sich nicht als Feministin bezeichnen?

Alle sind für Gleichberechtigung, aber keine Feministen. Meryl Streep… warum nur?

Meryl Streep macht gerade Promo für ihren neuen Film Suffragette. Wie der Name schon suggeriert, geht es darin um die Bewegung von Frauen, die Anfang des Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht gekämpft haben. Meryl Streep ist auch die Frau, die euphorisch aufgesprungen ist, als Patricia Arquette bei der Oskar-Rede 2015 gesagt hat, dass es endlich Zeit für gleiche Rechte und gleiche Bezahlung für alle ist. Im September hat sie jedem Mitglied des amerikanischen Kongresses einen persönlichen Brief geschrieben, mit der Bitte die Gleichberechtigungsnovelle zu unterstützen. Sie hat Walt Disney des Sexismus beschuldigt und ist bekannt dafür, starke Frauenrollen zu verkörpern.


Was spricht also für eine Frau, die offensichtlich feministische Werte vertritt, dagegen, sich als Feministin zu bezeichnen? In einem Interview mit dem Magazin TimeOut, sprach sie darüber, dass Malala Yousafzai ihre größte Inspiration ist, und wenn sie eine Sache ändern könnte, sie die männliche dominierte Wahrnehmung in der Filmindustrie aufbrechen wollen würde. Die Frage, ob sie Feministin sei, scheint also leicht zu beantworten, oder?

„Ich bin Humanistin. Ich mag eine nette, leichte Balance.“



Dieser Satz kann einen fertig machen. Eine „nette, leichte Balance“? Das klingt ziemlich ungefährlich und nicht nach einem Satz, der hat eingefahrene Strukturen einer patriarchalen Gesellschaft aufbrechen könnte. Offensichtlich obliegt Meryl Streep demselben Irrtum wie viele Frauen, nämlich dem, dass Feminismus eine Trennung zwischen Mann und Frau bedeutet. Gestern war es noch Marion Cotillard, die meinte sie sei zwar für Gleichberechtigung, aber keine Feministin.

Newsflash: Das ist genau der Inhalt von Feminismus. Gleichberechtigung.



Die negative Konnotation des Wortes ist verwunderlich, 2014 wird nämlich gemeinhin als das Jahr bezeichnet, in dem der Feminismus Einzug in die Popkultur hielt. Alice Schwarzer mag für viele Frauen wenig Identifikationspotential haben, anders sieht es allerdings mit Beyoncé, Lena Dunham oder Emma Watson aus. Der Telegraph meinte gar, es war das Jahr, als es cool wurde, sich als Feministin zu bezeichnen. Im Jänner 2014 sagte Meryl Streep noch über Emma Thompson, sie wäre eine „rabiate, männerfressende Feministin wie ich“. Diese Radikalität ist ihr nun offenbar zu heiß geworden. Beyoncé performte im selben Jahr vor einem Millionenpublikum bei den MTV Video Music Awards vor dem riesigen Schriftzug „Feminist“ und Emma Watson wurde UN Botschafterin und hielt eine flammende Rede für Gleichberechtigung.


Was hat sich also geändert, seit Jänner 2014?



Wir gehen davon aus, dass unsere Gesellschaft Frauen einfach kontinuierlich lehrt, dass sie schlechter gestellt werden, wenn sie sich als Feministin bezeichnen. Weil das einfach ein bisschen zu radikal ist. Weil es besser ist, wenn Frauen nicht den Mund aufmachen, und wenn schon, dann bitte weil sie für alle Menschen sind. Frauen mögen zwar noch immer krass schlechter gestellt sein als Männer, aber wo kommen wir denn da hin, wenn es „Frauenbewegung“ heißt?! Da kommen ja Männer gar nicht drin vor.

 

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