Warum Wien nicht für alle sicher ist

Lebenswert, sicher, aber auch homophob und transfeindlich? Warum die Lebensqualität in Wien nicht für alle gut ist.

LGBTQ Fahne auf Herz gezeichnet in Händen

"Mei Wien is ned deppat", so lautet eines der berühmten Zitate des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Michael Häupl. Auch international dürfte man sich das denken, denn die Hauptstadt wurde dieses Jahr erstmals seit Pandemiebeginn wieder zur lebenswertesten Stadt 2022 gekürt. Außerdem: Jedes Jahr wird vom internationalen Thinktank Institute for Economics & Peace der Global Peace Index erstellt. Dabei werden 163 Länder der Welt nach Anzahl der aufgenommen Geflüchteten, ihrer politischen Stabilität und internen und externen Konflikten bewertet. Dieses Jahr belegt Österreich den fünften Platz der sichersten Länder weltweit. Doch für wen gilt diese Sicherheit?

Queere Wiener*innen finden, dass die Auszeichnungen nicht berechtigt sind. Dabei geht es ihnen um psychische und physische Gewalt, die sie in Wien erleben. Nicht umsonst wurde die Hauptstadt zum zweiten Mal in Folge zur unfreundlichsten Stadt der Welt gewählt. Kommentare aus der LGBTQ+ Community:

"Mir reicht es, dass Wien immer wieder zur lebenswertesten Stadt gewählt wird. Es ist hier nicht sicher. Nicht, wenn man eine Frau oder Teil der LGBTQ+ Community ist."

"Nur, wenn man ein heterosexueller cis Mann ist, findet man Österreich sicher."

"Sexuelle Übergriffe und geschmacklose Kommentare sind fast 'normal' als Frau."

"Jede FLINTA (=Frauen, Lesben, Inter, Non-Binary, Trans und agender) Person weiß, was es bedeutet den Schlüssel zwischen den Fingern zu haben."

"Ich wurde in der U6 angespuckt."

"Sobald jemand merkt, dass du queer bist, wirst du zur Zielscheibe. Deswegen versuche ich in der Öffentlichkeit immer 'stark' aufzutreten."

"Ich wurde bisher 'zum Glück' nur verbal beleidigt."

"Auf dem Weg zu einem Videoshoot wurde ich und eine meiner engsten Freund*innen in Ottakring mit einem Messer angegriffen. Zum Glück wurden wir nicht verletzt. Das Traurigste dabei ist, dass so viele Menschen zugesehen haben."

"Ich war mit einer anderen Frau auf einem Date in der Nähe vom Schwedenplatz. Wir wurden verfolgt, beleidigt und die ganze Zeit wollten Menschen, dass wir uns küssen. Es war spät. Ich habe mich gar nicht sicher gefühlt."

"Jeden Tag höre ich Beleidigungen, wie 'Schwucht*l', wenn ich auf der Hilfer gehe. Selbst wenn ich ein weißes T-Shirt und eine Jeanshose an habe."

"Gestern Abend wurden ich und die Person, mit der ich in einer Beziehung bin, auf offener Straße von einem Mann angegriffen. Körperlich und verbal. Wir haben Händchen gehalten. Ich habe jetzt endlich Pfefferspray gekauft."

"Ich wurde schon von so vielen Menschen beschimpft. Egal, ob jung oder alt."

"Man muss mir und meiner Lebensweise nicht zustimmen. Aber niemand hat das Recht mich gezielt zu verletzen und mir zu drohen, nur weil ich existiere."

 

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