Warum werden ausgerechnet zwei Filme von Women of Color bei den Oscars disqualifiziert?

Neben der österreichischen Produktion Joy wurde auch der nigerianische Film Lionheart aus dem Rennen für internationalen Oscar genommen. Wir fragen uns: Warum werden ausgerechnet Produktionen von Frauen of Color disqualifiziert?

Sudabeh Mortezai and Joy Alphonsus attend the UK Premiere "Joy"

Zwei Produktionen wurden nun für den Oscar in der Kategorie "Bester internationaler Film" abgelehnt. Was haben sie gemeinsam? Beide Filme handeln von Menschen aus Nigeria, beides sind Produktionen von Frauen of Color.

Begründung: Es wird zu viel Englisch gesprochen

Die Begründung für die Disqualifizierung lautete in beiden Fällen, dass ein zu großer Teil des Dialoges auf Englisch wäre. Tja, in Nigeria ist Englisch allerdings Amtssprache (britische Kolonie, wir erinnern uns), was es also quasi unmöglich macht, einen Film, der von Menschen in oder aus Nigeria handelt, Oscar-gerecht zu produzieren. Filme mit dieser Begründung abzulehnen ist ziemlich ignorant, wird doch völlig außer Acht gelassen, dass sämtliche Länder einmal Kolonien waren und Menschen dort nun mal Englisch sprechen.

Entscheidung erntet viel Kritik

Beide Male stieß die Disqualifizierung auf viel Gegenwind, wurden beide Produktionen im Vorfeld schon von vielen Seiten gepriesen. Lionheart (Regie führte Genevieve Nnaji), war der erste nigerianische Film, der jemals bei den Academy Awards ins Rennen ging. Seit seiner Premiere auf dem Toronto International Film Festival im Jahr 2018 erhielt die Produktion zahlreiche begeisterte Kritiken. Das Drama Joyüber nigerianische Sexarbeiterinnen in Wien, bei dem die österreichisch-iranische Sudabeh Mortezai Regie führte, wurde bereits vielfach prämiert und in Rezensionen gelobt.

Wo ist die Diversität?

2015 sorgte der Hashtag #OscarsSoWhite erstmals für Aufsehen (nochmal zur Erinnerung: Viele Menschen regten sich zurecht auf, weil bei den Oscars kaum People of Color ausgezeichnet werden). In der Folge wurde die Academy 2018 um 928 Mitglieder erweitert, wovon 49 Prozent Frauen und 38 Prozent People of Color sind. Auch wurde der Name der Kategorie von "Best Foreign-Languge Film“ auf "Best International Feature Film“ geändert: "We believe that International Feature Film better represents this category, and promotes a positive and inclusive view of filmmaking, and the art of film as a universal experience“ heißt es von Diane Weyermann aus der Academy.

Leider handelt es sich gerade bei der zweiten Maßnahme wohl in erster Linie nur um einen oberflächlichen Versuch, woke und inklusiv zu wirken. Frauen sind in der Filmproduktion nach wie vor unterrepräsentiert, gerade Women of Color würden von mehr Aufmerksamkeit profitieren. Anstatt ausschließende Kriterien zu überdenken und tatsächlich etwas zur Diversität im Filmgeschäft beizutragen, hat man sich entschieden, wertvolle Produktionen auszuschließen. Ziemlich schade. Hoffentlich wird durch die Welle negativer Reaktionen wenigstens klar, dass Vielfalt im Filmgeschäft heutzutage mehr als erwünscht ist und wichtige Filme nicht zugunsten veralteter Richtlinien übergangen werden können.

 

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