Warum viele Frauen queere Dating Apps und bisexuelle Männer bevorzugen

Grindr war ursprünglich eine Dating App für schwule und bisexuelle Männer. Was suchen heterosexuelle Frauen dort?

Mann küsst andern Mann auf den Hals

Für schwule und bisexuelle Männer wurde 2009 die Dating App Grindr entwickelt. Und schon seit 2017 dürfen auch Frauen die App benutzen. So sollte das Swipen auch für trans Männer und Frauen inklusiver werden, die eine gleichgeschlechtliche Beziehung oder Partner*in suchen.

Menschen, die aber an heterosexuellen Beziehungen oder Bekanntschaften interessiert sind, können sich zum Beispiel Tinder, Bumble oder Hinge herunterladen. Warum melden sich also heterosexuelle Frauen in den letzten Jahren vermehrt bei Grindr an, wenn es genug andere Optionen für sie gibt? Wonach suchen sie? Und was halten queere Männer davon?

Offen

2020 hat sich die Sexarbeiterin Leigh Grey die Dating App Grindr heruntergeladen. Nicht, weil sie mit schwulen Männern Sex haben wollte. Ihre Vorliebe war es einen Dreier mit zwei Männern zu haben. Egal, ob hetero oder queer. Auf Dating Apps, wie Tinder, hat sie ihr Glück versucht. Doch sie hat schnell gemerkt, dass viele Männer mit ihr und einer anderen Frau ins Bett wollten. "Ich habe es dann für sie gemacht, nicht für mich", so Grey. Da sie sich als pansexuelle Frau zu allen Geschlechtern, oder unabhängig vom Geschlecht zu Menschen hingezogen fühlt, hörte sie auf heterosexuelle Männer zu daten. Oder mit ihnen zu schlafen. Sie suchte auf Grindr nach Männern, die sich nicht dafür schämten, bi zu sein. Was sagen queere Männer dazu?

Unsicher

Ein Mann gab auf Reddit an, dass er zu Beginn, ein oder zweimal im Jahr cis Frauen auf Grindr gesehen hat. Doch in den letzten drei Jahren wurden ihm bis zu drei Frauen am Tag angezeigt. "Egal, wo cis Frauen hingehen, heterosexuelle cis Männer folgen ihnen. Meine größte Sorge ist, dass Grindr kein sicherer Ort mehr für Menschen aus der LGBTQ+ Community ist, wenn es eine App für alle Menschen wird, die Gelegenheitssex suchen“, erklärte der User weiter. "Hört auf unsere Spaces zu stören!", schreiben andere. Was sagt die Wissenschaft zu dieser Entwicklung?

Toxisch

Die Psychologin Jennifer Vencill von der Mayo Clinic ist darauf spezialisiert mit Menschen aus der LGBTQ+ Community zu arbeiten. Sie erklärt, dass mittlerweile viele Frauen bisexuelle Männer daten möchten, um den toxischen Angewohnheiten einiger heterosexueller Männer zu entkommen. "Frauen, die sich zu bisexuellen Männern hingezogen fühlen, sagen ständig, dass diese Männer ihre toxische Männlichkeit abgeschüttelt und durch Selbstreflexion weniger Vorurteile haben", so die Psychologin. Vencill wundert es daher nicht, dass sich so viele Frauen auf Grindr anmelden und mit bisexuellen Männern ausgehen.

Safer Space

Sie betont allerdings, wie wichtig es ist die eigene Identität und Power-Dynamiken innerhalb von Räumen zu berücksichtigen, die für bestimmte Communities erschaffen werden. "Es ist sehr wichtig für heterosexuelle cis Menschen, sich bewusst zu sein, dass sie viel Macht und Privilegien in diese Räume mitbringen. Und dass sie viel Schaden anrichten können, ohne es zu beabsichtigen. Das wissen sie oft nicht", so Vencill. Schließlich gibt es für queere Menschen wenige Räume, in denen sie keiner Diskriminierung ausgesetzt sind. Grindr bietet für sie in gewisser Hinsicht einen Safe Space.

 

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