Warum Urlaub mit der Schwiegermama eine gute Idee ist

Familienurlaub kann ja vieles sein. Wenn Eltern mit ihren Kindern wegfahren, ist das der Ferienklassiker. Und dann sind da - in unserem Fall - oft noch Oma und Opa. WIENERIN-Kolumnist Florian Danner erzählt vom Urlaub mit der Schwiegermama.

Florian Danner

Das verdutzte Gesicht ist bei fast allen GesprächspartnerInnen gleich. Und die Erstreaktion: "Um Gottes willen!" An einem Punkt kippt die anfängliche Begeisterung immer, wenn ich erzähle, dass meine Frau, unsere zwei kleinen Söhne und ich in Amerika waren - nämlich wenn ich anfüge, dass meine Schwiegermama drei Monate lang bei uns in der 45-Quadratmeter-Bude gewohnt hat.

BETREUUNG. Dabei sind wir in dieses "Verreisen mit Oma und /oder Opa" nur reingerutscht. Unser erster Urlaub mit Kind, damals noch zu dritt, ging nach Rom. Als der Pizzabäcker an der Piazza Navona unseren damals einjährigen Sohn einfach mit in die Küche genommen hat, damit meine Frau und ich gemeinsam essen können, war uns nicht ganz wohl bei der Sache. Theo hatte Spaß, meine Frau und ich zumindest ein paar Minuten zu zweit. Kurz darauf haben sich die Omas und Opas eingeschaltet, um die Kinderbetreuung künftig nicht mehr wildfremdem Küchenpersonal zu überlassen. So sind wir diesen Sommer etwa mit meinem Papa und seiner Frau am Klopeinersee oder waren im Winter Ski fahren in Obertauern, meine Mama planscht gern mit uns im Thermalwasser von Laa an der Thaya. Aber alles immer nur tageweise, weil meine Eltern noch so jung sind, dass sie im Berufsleben stehen. Die Schwiegereltern dagegen sind pensionsbedingt 24/7-Großeltern, was ganz neue Dimensionen eröffnet.

ZUSAMMENLEBEN. Nach dem Gasteinertal und Brac haben wir uns gleich über Amerika gewagt: Als ich beruflich für knapp fünf Monate in die USA gegangen bin, sind meine Frau und die Kids natürlich mitgekommen. Die Aussage meiner Schwiegermama ("Wenn i jetzt ned mitkomm, seh i Amerika nie!") war so eindeutig, dass aus einer vorsichtigen Anfrage von uns gleich ein gemeinsames Abenteuer geworden ist.

Unsere Bilanz? Konfliktfrei. Auch wenn wir zu fünft auf 45 Quadratmetern gewohnt haben, hat jeder den Vorteil der Situation gesehen. Oma war mit 68 zum ersten Mal in einem ausverkauften Footballstadion im Silicon Valley, meine Frau und ich waren ab und zu auch als Paar und nicht nur als Familie unterwegs.

Und die Kids hatten den größten Spaß mit der Oma, die nie Nein sagt. Außer einmal: als die Burschen sie überreden wollten, ein Selfie mit einem älteren Herrn zu machen, der neben uns am Strand lag. Theo und Noah wollten den daheimgebliebenen Opa per WhatsApp eifersüchtig machen. Aber Oma hat beim Selfie mit dem Fremden nicht mitgespielt. Und so wird dieser knackig braune Mittsiebziger von Santa Barbara mit dem knappsten Stringtanga der Erde um die Hüfte nur in unseren Urlaubserinnerungen festgehalten bleiben.

 

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